Analysten halten schwachen Euro für Inflationsfaktor
Welteke - EZB-Geldpolitik noch nicht restriktiv

Reuters MÜNCHEN. Die momentane Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ist nach den Worten von Bundesbankpräsident Ernst Welteke trotz der jüngsten Zinserhöhungen der EZB immer noch nicht restriktiv. "Die Geldpolitik ist nicht restriktiv, sondern in Verbindung mit dem Euro-Kurs nur weniger expansiv", sagte Welteke am Mittwoch während einer Rede in München laut vorab verbreitetem Redetext. Der vergleichsweise schwache Wechselkurs des Euro zum Dollar ist Analysten zufolge ein Faktor für steigende Inflation, da er die Importpreise erhöht und Exporte ankurbelt und damit wiederum Druck auf das Preisniveau ausübt.

Als restriktiv wird ein geldpolitischer Kurs bezeichnet, der über Zinserhöhungen oder andere Maßnahmen die konjunkturelle Entwicklung dämpft. Expansive geldpolitische Maßnahmen sollen im Gegenzug die Aufwärtsbewegung der Konjunktur unterstützen. Am 8. Juni hatte die EZB die Leitzinsen zuletzt um 50 Basispunkte angehoben und war bei den Hauptrefinanzierungsgeschäften vom Mengen- zum Zinstender gewechselt. Der Mindestbietungssatz für die Hauptrefi-Geschäfte liegt seitdem bei 4,25 %.

Weiter sagte Welteke, die Jahresinflation in der Euro-Zone dürfte im weiteren Jahresverlauf zwei Prozent wieder unterschreiten. Bis zu dieser Marke ist nach Definition der EZB noch Preisstabilität gewährleistet ist. "Trotz des kräftigen Aufschwungs und des drastischen Ölpreisanstiegs ist der Preisdruck relativ gering", sagte er weiter. Die beschleunigte Teuerung in der Euro-Zone auf 2,4 % im Juni sei überwiegend ölpreisbedingt gewesen. Ohne diesen Einfluss hätte die Rate nahe bei einem Prozent gelegen. "Die Chancen stehen aber gut, dass der Ölpreis jetzt nachgibt", fügte Welteke hinzu.

Zudem bildeten die Preisrückgänge auf den deregulierten Märkten wie Telekommunikation oder Strom ein Gegengewicht zu den höheren Ölpreisen. Darüber hinaus dämpfe die Informationstechnik den Preisauftrieb, da sie die Markttransparenz erhöhe.

Welteke verteidigte in seiner Rede erneut die Zwei-Säulen-Strategie der EZB. Angesichts der Unsicherheiten über die fundamentalen Veränderungen der Wirtschaft müsse sich die Geldpolitik ein gewisses Maß an Flexibilität bewahren. "Die Unsicherheit über eine "New Economy" wäre ein anderer Grund, die Zwei-Säulen-Strategie beizubehalten", sagte er. Insgesamt könnte es in Zukunft schwieriger werden, sich an den bislang gewohnten Zusammenhängen zu orientieren. Unklar sei beispielsweise, wie der Geldmengenzuwachs einer Wirtschaft mit sich beschleunigendem Produktivitätswachstum kalkuliert werden müsste.

Im Hinblick auf die Reform der Bundesbank forderte Welteke erneut zentralere Führunsgstrukturen. "Die Arbeit in den ESZB-Gremien verlangt zentralere Leitungsstrukturen als bisher. Lange interne Abstimmungsprozesse kann sich die Bundesbank nicht leisten...", sagte er. Die Expertenkommission unter Leitung von Karl Otto Pöhl habe ein einheitliches, aus zehn Mitgliedern bestehendes Leitungsorgan vorgeschlagen. Dieser Vorschlag weise zwar in die richtige Richtung, "Aber er entspricht noch nicht einer Leitungsstruktur aus einem Guss, wie ich sie mir vorstelle", fügte Welteke hinzu.

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