Analysten halten Sturz auf 15 Euro möglich
Sommer kämpft gegen Kursverfall der T-Aktie

Für Ron Sommer steht die Deutsche Telekom wie ein Fels in der Brandung. "Das Unternehmen ist mit der eingeschlagenen Ausrichtung auf einem klaren Erfolgskurs", schrieb der Vorstandschef in einem offenen Brief an die Aktionäre des Unternehmens, der am Mittwoch in überregionalen Tageszeitungen als Anzeige zu lesen war.

dpa BONN. Das Kursgewitter in den vergangenen Tagen hat viele Kleinanleger weiter vergrault und Sommer schwere Kopfschmerzen bereitet. "Die Aktie hat zwar an Wert verloren, jedoch nicht an Substanz", machte der Konzernchef den frustrierten T-Aktionären Mut.

Mit der ungewöhnlichen Kampagne zieht der oberste Telekom-Lenker alle Register, die Kleinanleger bei der Stange zu halten. Sollten die jetzt auch noch vom Telekom-Zug springen, droht dem Konzern ein weiteres Absinken des Kurses. Das Unternehmen bedaure den Verfall der Aktie, er stehe im krassen Widerspruch zur wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens, schrieb Sommer.

Doch halten einige Analysten inzwischen ein Niveau von 15 Euro durchaus für möglich. Das wäre ungefähr der Preis, mit dem die T- Aktie 1996 auf den Markt kam: für die Telekom und ihren Vorstandschef eine Katastrophe. Damit wären nämlich auch die Kursgewinne der Erstanleger praktisch vollständig weggeschmolzen.

Die Telekom sei einer der weltgrößten Anbieter von Sprachtelefonie und gehöre zu den vier größten Mobilfunkbetreibern, hält Sommer solchen Szenarien entgegen. Außerdem sei das Unternehmen stabil finanziert, wie kaum ein anderes Unternehmen der Branche. Dass der Schuldenstand in diesem Jahr, bedingt vor allem durch den Zukauf des US-Mobilfunkbetreibers VoiceStream, auf 69 Milliarden Euro (135 Mrd DM) kletterte, erwähnte er in dem Brief allerdings nicht. Die Erträge des Konzern werden zudem über Jahre durch die hohen Kosten für die UMTS-Lizenzen und den Netzaufbau belastet.

Zwar geht es anderen Unternehmen in der Branche zum Teil deutlich schlechter, doch beim Schuldenmachen gehören die Bonner in Europa mit zu den Spitzenreitern. Konkurrenten wie Vodafone oder die spanische Telefónica stehen deutlich besser da. Seit längerem fordern die Kapitalmärkte einen drastischen Schuldenabbau und drohen mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit. Zu einer deutlichen Verminderung der Schulden wird es bei der Telekom nach Einschätzung der Delbrück Asset Management erst 2002 kommen.

Nachdem die Investmentbank Goldman & Sachs am Dienstag eine Kaufempfehlung für die T-Aktie ausgegeben hatte, wurde der rasante Kursverfall zunächst gestoppt. Am Mittwoch lag das Papier allerdings wieder leicht im Minus. Nicht gut zu sprechen ist Sommer derzeit auf die Deutsche Bank. In der vergangenen Woche hatte das Institut nach einer Kaufempfehlung ein Aktienpakt von 44 Millionen Stück für einen nicht näher genannten Großkunden platziert und den Kursrutsch ausgelöst. Und wieder guckten die Kleinanleger in die Röhre.

"Sommer habe doch nur einen Sündenbock für den Kursverfall gebraucht", meint ein Telekom-Insider, der nicht näher genannt werden will. Die Deutsche Bank habe sich in der Sache zwar sehr ungeschickt verhalten. Doch es sei klar gewesen, dass durch den milliardenschweren VoiceStream-Erwerb die T-Aktie leiden werde. Der Kauf erfolgte nämlich hauptsächlich durch einen Aktientausch von mehr als 1 Milliarde neuer T-Aktien.

Für eine Kursbelastung gebe es keine Hinweise, hatte Sommer noch beim Abschluss des Voicestream-Erwerbs Ende Mai betont. Doch der Fall Deutsche Bank zeigt, welcher Orkan der Telekom noch bevorstehen könnte: Anfang September und dann später im Dezember laufen weitere Haltefristen für T-Papier der VoiceStream Altaktionäre aus. Bis zum Jahresende könnten so theoretisch noch einmal 500 Millionen Papier auf den Markt kommen.


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