Analysten halten Waffenbauer auch ohne Irak-Krieg für wachstumsstark
Rüstungskonzerne gewinnen in jedem Fall

Ob und wann die USA tatsächlich zum Krieg gegen den Irak ausholen, ist weiterhin unklar. Aber schon jetzt stehen die US-Rüstungskonzerne auf der Gewinnerseite. Analysten rechnen damit, dass deren aktuelle Profite auch ohne Angriff auf den Golf-Staat weiter steigen werden.

NEW YORK. Schon jetzt sind die Auftragsbücher der Waffenschmieden prall gefüllt - ein Jahr "Krieg gegen den Terror" hat sich für sie bereits ausgezahlt. Branchenschwergewicht Lockheed Martin etwa verdiente im vergangenen Quartal mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum und erhöhte gleichzeitig die Ertragsprognosen für die nächsten beiden Geschäftsjahre kräftig. Der Branchenindex für Raumfahrt- und Rüstungsaktien bei der Ratingagentur Standard & Poor's stieg nach Reuters-Angaben um mehr als zehn Prozent, während der S& P-500-Index für die Breite der US-Aktien um mehr als 20 Prozent einbrach.

Weiter beflügelt wird die Branche durch die Pläne von US-Präsident Bush, im kommenden Jahr fast 380 Mrd. $ für Waffen einzusetzen - das ist die höchste Summe, die seit dem Ende des Kalten Kriegs für Rüstungszwecke bereitgestellt wurde. Nach Analystenmeinung ist ein Ende der Gewinnstrecke für die Kanonenbauer noch lange nicht abzusehen. Mindestens drei bis fünf Jahre sollte der momentane Aufwärtstrend noch anhalten, erwartet Cai von Rumohr, Raumfahrt- und Rüstungsexperte bei der US-Investmentbank SG Cowen. "Die Branche hat sich in den vergangenen Monaten gut entwickelt, und die Fundamentaldaten rechtfertigen diese Tendenz auch. Wir stehen immer noch erst am Anfang des Aufschwungs." Ähnlich sieht das George Shapiro, Stratege bei Salomon Smith Barney. Er rechnet ebenfalls damit, dass der Bullenmarkt im Verteidigungssektor noch mehrere Jahre anhalten wird.

Der Großteil der Analystenurteile lautet dementsprechend zurzeit auf Kauf. Die Branchenführer Northrop Grumman und Lockheed Martin zählen zu den wenigen Papieren an der Wall Street, deren Kurse seit den September-Anschlägen fast ein Jahr lang beständig gestiegen sind. Nach einer Atempause im Juli liegen die aktuellen Stände zurzeit wieder unter den Jahres-Höchstwerten und bieten daher nach Meinung der Experten eine gute Einstiegsgelegenheit. Positiv bewertet Analyst George Shapiro daneben die jüngsten Northrop-Pläne, den Rüstungs- und Autoteilehersteller TRW für 7,8 Milliarden Dollar plus Schulden zu übernehmen und damit zum zweitgrößten US-Rüstungslieferanten aufzusteigen. Ein hoher US-Luftwaffenfunktionär äußerte allerdings in der vergangenen Woche kartellrechtliche Bedenken gegen die Übernahme.

Die positiven Zukunftsaussichten der Branche kann dies indes nicht trüben. Selbst wenn bei einigen Rüstungsfirmen plötzlich einige Milliarden weniger in der Bilanz stehen, schreckt das die Experten nicht übermäßig. Selbst als Ende vergangener Woche die US-Regierung überraschend rund 1,2 Mrd. $ aus Jahrzehnte alten geplatzten Verträgen von Waffenproduzent General Dynamics (GD) zurückforderte, blieben Beobachter gelassen. Zuvor hatte das Verteidigungsministerium bereits eine Bestellung von elf Mrd. $ bei United Defense Industries storniert. Analysten wie etwa David Gremmels vom Bankhaus Thomas Weisel bewerten die General-Dynamics-Aktie unverändert als Kauf. "Die Nachrichten sehen negativ aus, weil die Einigungsgespräche eigentlich vielversprechend wirkten. Aber im schlimmsten Fall müsste GD rund 3,14 $ pro Aktie zurückzahlen, und ein Teil dieses Verlustes sollte schon jetzt in den Kurs eingepreist sein", kommentiert Gremmels.

Solche internen Widrigkeiten der Rüstungsbranche werden demnach zurzeit durch die angespannte außenpolitische Lage der USA mehr als ausgeglichen. Die Regierung hat eine konstante Bedrohungslage der Nation diagnostiziert und macht ihre Aufträge nicht von einem einzelnen Kriegsschauplatz abhängig: "Falls es zu einem Krieg mit dem Irak kommt, werden die Aktienpreise in der Branche weiter anziehen", erklärt von Rumohr. "Aber auch ohne einen Krieg steigen die Ausgaben für die Inlandsverteidigung unserer Meinung nach auf jeden Fall, denn das Al-Quaida-Problem lässt sich nicht allein über den Irak lösen."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%