Analysten hatten eigentlich Ausweitung erwartet
US-Leistungsbilanzdefizit erstmals seit 1995 gesunken

Die Leistungsbilanz der USA hat im vergangenen Jahr erstmals seit 1995 ein geringeres Defizit ausgewiesen als im Vorjahr.

Reuters WASHINGTON. Im Gesamtjahr 2001 verringerte sich der Fehlbetrag auf 417,43 von 444,67 Milliarden Dollar im Vorjahr, teilte das Handelsministerium am Donnerstag in Washington mit. Im vierten Quartal habe sich das Defizit jedoch geringfügig auf 98,84 von 98,53 Milliarden Dollar im Vorquartal ausgeweitet. Am Mittwoch hatte US-Notenbankpräsident Alan Greenspan noch vor einer zu starken Abhängigkeit der USA von ausländischen Investitionen gewarnt und eine Reduzierung des Leistungsbilanzdefizits angemahnt. Analysten hatten für das Schlussquartal 2001 mit einer Ausweitung des Fehlbetrags auf 101,7 Milliarden Dollar gerechnet.

Dem Bericht des Handelsministeriums zufolge importierten die USA im vierten Quartal Güter und Dienstleistungen für 381,2 Milliarden Dollar, was einem Rückgang um 4,3 Prozent zum Vorquartal entspricht. Die Exporte nahmen angesichts der anhaltenden Flaute der Weltkonjunktur um 5,2 Prozent ab auf 296,2 Milliarden Dollar.

Greenspan hatte am Mittwochabend seine Einschätzung bekräftigt, dass sich die wirtschaftliche Aktivität in den USA belebe. Er warnte jedoch, dass während der vergangenen sechs Jahre rund 40 Prozent des Wachstums der US-Kapitalanlagen durch ausländische Investitionen finanziert worden seien. Dies habe die Abhängigkeit der USA vom Ausland erhöht und zu wachsenden Leistungsbilanzdefiziten geführt. Diese müssten kontrolliert werden, weil sie steigende Zinszahlungen bedeuteten, die ins Ausland überwiesen werden. "Länder, die diesen Weg gegangen sind, haben Probleme bekommen. So wird es uns auch gehen. Das Defizit in der US-Leistungsbilanz muss nach Möglichkeit reduziert werden", hatte Greenspan gesagt.

Die USA finanzieren ihr seit Jahren bestehende Leistungsbilanzdefizit durch ausländisches Kapital, das im Zuge der anhaltenden Dollar-Stärke in die weltgrößte Volkswirtschaft fließt. Im vergangenen Jahr nahm allerdings angesichts des drastischen US-Konjunkturabschwungs der Kapitalstrom in die USA ab, während US-Anleger ihrerseits mehr im Ausland investierten.

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