Analysten hegen Zweifel
Telekomausrüster Marconi will 3 000 Arbeitsplätze abbauen

Für seine schleppende Informationspolitik handelte sich das britische Unternehmen eine Rüge ein. Nach wie vor sieht das Unternehmen keinen Anlass, seine Gewinnerwartungen herunter zu schrauben. Das Management rechnet sogar damit, das Vorjahresergebnis zu übertreffen.

fmd LONDON. Der britische Telekom - und Netzwerkausrüster Marconi Plc., ehemals GEC, wird sich von 3 000 Arbeitskräften trennen. Damit stehen 5 % der Belegschaft zur Disposition. Wider Erwarten gab das Unternehmen jedoch keine Gewinnwarnung heraus.

Nach Angaben von Vizechef John Mayo rechnet Marconi für das abgelaufene Geschäftsjahr (31.3.) mit einem Betriebsgewinn von 800 Mill. Pfund, der damit rund 7 % über Vorjahresniveau liegt. Mayo wird im Juli dieses Jahres den Chief- Executive-Posten von Sir George Simpson übernehmen.

Der Arbeitplatzabbau wird zu Einmal-Belastungen von 400 Mill. Pfund führen. Marconi geht davon aus, durch die Maßnahmen bis März 2003 mehr als 200 Mill. Pfund einzusparen. Das Management rechnet damit, das laufende Geschäftsjahr mit einem Gewinnzuwachs abzuschließen. Allerdings, so heißt es, werde das erste Halbjahr problematisch verlaufen.

Analysten trauen dieser Einschätzung nicht. Mit Blick auf die schlingernden Konkurrenten wie Lucent oder Cisco wird nicht damit gerechnet, dass sich das Unternehmen vom Markt abkoppeln kann. Die Investmentbank Lehman Brothers hat ihr Kursziel von 700 p auf 350 p zurückgenommen, hält den Wert jedoch weiterhin für einen "Market Performer". Im Bereich Netzausrüstungen, auf den die Hälfte des Umsatzes entfällt, rechnet die Investmentbank mit einem Rückgang des Umsatzes von 10 % für dieses und 15 % für das kommende Jahr.

Optimistischer ist Morgan Stanley Dean Witter eingestellt. Zwar wurden die Gewinnerwartungen pro Aktie für das laufende Geschäftsjahr um 13 % nach unten geschraubt, doch als Kursziel werden 500 p ausgegeben. Auch wenn dies eine kräftige Korrektur vom bisherigen Kursziel 800 p ist, bleibt Marconi in den Augen von MSDW ein "Outperformer".

ING Charterhouse kritisierte die Informationspolitik des Konzerns. Es sei nicht nachzuvollziehen, so das Institut, wie angesichts der herrschenden Marktsituation so lange mit einem Geschäftsausblick gewartet werden kann. Zuletzt hatte sich das Unternehmen im November über die Geschäftslage geäußert. Seit dieser Zeit hat sich der Wert der Aktie halbiert.

Fast geviertelt hat sich der Börsenwert, wenn das Jahreshoch von 1 250 im September 2000 zum Vergleich herangezogen wird. Das wird in der City dazu führen, die Strategie von Lord Simpson zu hinterfragen. Nach Übernahme des Vorstandspostens im Jahr 1996 formte Simpson aus dem ehemaligen Gemischtwarenladen GEC eine auf Kommunikation und Informationstechnik ausgerichtete Unternehmensgruppe. Ein Eckpfeiler dieser Strategie war die Trennung vom Rüstungsgeschäft. Für rund 7,2 Mrd. Pfund wurde dieser schwerpunktmäßig in den USA ansässige Bereich an BAE Systems Plc veräußert.

Es folgte eine Einkaufstour, auf der für 1,3 Mrd. Pfund der US-Telekomausrüster Reltec sowie für 2,8 Mrd. Pfund der US-Datenspezialist Fore System erworben wurde. Zudem löste er mit 700 Mill. Pfund Siemens aus einem Joint Venture und erwarb von Bosch die Sparte Öffentliche Netze.

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