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Analysten honorieren Kurswechsel bei Conti

Die Verluste im US-Geschäft belasten die Aktie des Automobilzulieferers nur kurzfristig.

FRANKFURT/M. Sowohl an der Börse als auch auf dem deutschen Automobilzuliefermarkt fährt Continental derzeit auf der Überholspur. Der Name des Hannoveraner Unternehmens steht als Synonym für Autoreifen, aber auch erfolgreiches Kostenmanagement. Übergewichten, raten deshalb Analysten. Langfristig geht es ihrer Einschätzung zufolge mit dem Aktienkurs weiter bergauf. Gestern Nachmittag notierte er bei rund 18 Euro.

Schneller als von vielen Beobachtern und Anlegern erwartet, hat sich die Conti-Gruppe, die 2001 in die Verlustzone abrutschte, wieder berappelt. Nun wird der Name erneut für die bevorstehende Überprüfung des Deutschen Aktienindex am 19. August gehandelt. "Das würde dem Kurs weiteren Auftrieb geben", ist sich Fabian Kania, Analyst bei Helaba-Trust, sicher. Seit März hat die Notierung eine beeindruckende Performance auf das Parkett gelegt.

Grund für die schnelle Rückkehr in die schwarzen Zahlen ist in erster Linie die Verlagerung der Produktion in Billiglohnländer. Mehr als die Hälfte aller Reifen werden mittlerweile in Ländern wie Rumänien, Tschechien oder der Slowakei produziert. Zudem hat Conti die Produktpalette diversifiziert und ist nun weniger anfällig für Schwächphasen in der Automobilbranche. Das Reifengeschäft macht nur noch rund 50 Prozent des Konzernumsatzes aus. Den größten Anteil am Umsatz erbringt mittlerweile die Continental Automotive Systems. Zu diesem Unternehmensbereich zählen elektronische und hydraulische Bremssysteme, automatische Abstandsregelung und Luftfedersysteme. Allein im ersten Quartal erhöhte sich der Umsatz in dieser Sparte um 7,4 Prozent. Darum verwundert es nicht, dass Konzernchef Manfred Wennemer nach einem operativen Konzernergebnis (Ebita) von 694 Mill. Euro 2002 für dieses Jahr erneut ein Rekordergebnis ankündigt.

Für konservative Anleger ist Continental die richtige Adresse, sagt Roland Könen von der Lampebank. Als einer der größten Automobilzulieferer Deutschlands sei das Unternehmen in der Lage, hohe Gewinnmargen am Markt durchzusetzen. Zudem garantiere allein die Größe des Unternehmens dauerhaft Wachstum. "Langfristig kommen Anleger, die in die Automobilbranche investieren wollen, an Continental nicht vorbei." Für die Aktie spricht auch, dass sie erfolgreich immer wieder größere Paketverkäufe ohne längere Kursverluste verkraftet. Jüngst hatte die Allianz ihren Anteil von 7,7 unter die Meldeschwelle von fünf Prozent gesenkt.

Freilich gibt es es auch innerhalb des Continental-Konzerns Schwachpunkte. "Der Unternehmensführung ist es bisher nicht ausreichend gelungen, Continental als Premiummarke in den USA zu etablieren", sagt Patrick Juchemich, Analyst bei Sal. Oppenheim. Zu den US-Aushängeschildern des Konzerns gehört dabei General Tire. Doch bisher teilen Konkurrenten wie Goodyear oder Michelin die Marktanteile im US-Ersatzreifengeschäft unter sich auf. Zwar hat Continental als Erstausrüster bei den Herstellern dazugewonnen, "doch dort sind die Gewinnmargen deutlich geringer als im Ersatzreifengeschäft", sagt Helaba-Experte Kania. Weitere Anteile in den USA zu gewinnen, dürfte für das Unternehmen teuer werden, vermutet er. "Ein Markenaufbau dort ist zäh und kostspielig."

Allein 2002 beliefen sich die Verluste im US-Geschäft auf über 100 Mill. Euro. Fachleute sind sich einig, dass Köpfe rollen werden, wenn das Nordamerika-Geschäft bis 2005 nicht verlustfrei ist. "Unternehmenschef Manfred Wennemer ist für sein rigoroses Durchgreifen in der Kostenpolitik bekannt", sagt Juchemich und verweist auf eine erfolgreiche Kostenreduktion in Europa.

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