Analysten
Intershop vor erheblichem Quartalsverlust

Der Softwareanbieter für das elektronische Geschäft, Intershop Communications AG, wird nach Analysteneinschätzung im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen geringeren Umsatz als im Vorjahreszeitraum und einen erheblichen Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) ausweisen.

Reuters FRANKFURT. In den ersten drei Monaten 2000 hatte Intershop früheren Angaben zufolge noch einen operativen Gewinn von rund 1,1 Mill. Euro erzielt. Die weitere Entwicklung von Intershop hänge entscheidend davon ab, wie sich der Markt für Internetanwendungen in den kommenden Quartalen und damit der Umsatz der Gesellschaft entwickele, sagten die Analysten. Der Rückzug aus dem Amerika-Geschäft wird von den Experten unterschiedlich bewertet.

Im Durchschnitt rechnen sechs befragten Analysten damit, dass die im Blue Chip-Index des Neuen Marktes sowie an der US-Technologiebörse Nasdaq gelistete Jenaer Gesellschaft für das erste Quartal 2001 einen Ebit-Verlust von 33,6 Mill. Euro ausweisen wird. Zudem prognostizieren sie einen Umsatzrückgang auf 18,66 Mill. Euro nach 24,972 Mill. Euro im Vorjahr und rechnen mit einem Jahresverlust auf Quartalsbasis von 31,87 Mill. Euro nach einem Überschuss von 1,614 Mill. Euro in den ersten drei Monaten 2001. Den Verlust pro Aktie bezifferten die Analysten im Durchschnitt mit 0,37 Euro nach 0,09 Euro im Vorjahr.

Im zweiten Quartal noch kein Umschwung

Ob es Intershop gelinge, die Kostenstruktur wie angekündigt zu verbessern, würden erst die Zahlen des zweiten Quartals zeigen, sagte Michael Mantlik, Analyst der Vereins und Westbank. - "Wichtiger ist, dass die Umsätze steigen und sich der Markt erholt." Im zweiten Quartal sei noch nicht mit einem Umschwung zu rechnen. "Dreht der Markt im dritten Quartal, ist Intershop aus dem Schneider", ergänzte der Analyst. Mantlik bewertet die Aktie mit "Neutral". Nach Ansicht von Felix Ellmann, Analyst von SES Research, bietet der Rückzug vom Amerika-Geschäft Chancen für das Unternehmen. Das Europa-Geschäft sei generell stabiler als das US-Geschäft. Ellmann rechnet dennoch nicht damit, dass Intershop wie geplant bereits im vierten Quartal wieder operativ schwarze Zahlen schreibt. "Den Break-Even halten wir für Mitte 2002 möglich", sagte der Analyst, der das Intershop-Papier mit "Marketperformer" einstuft.

Die Quartalszahlen der amerikanischen Wettbewerber und die reduzierte Prognose der ebenfalls im Nemax 50 gelisteten Brokat hätten gezeigt, wie schwierig der Markt für Internetanwendungen derzeit ist, sagte Helmut Bartsch, Analyst der BW-Bank. "Die Situation im amerikanischen Geschäft wird sich im zweiten Quartal noch schlechter darstellen." Intershop verabschiede sich aus Amerika und versuche, durch die Konzentration auf Europa profitabel zu werden. Allerdings bedeute der Rückzug vom US-Markt auch ein "Abschiednehmen von der technologischen Schrittmacherfunktion". Die USA sei der wichtigste Softwaremarkt der Welt. Intershop müsse die begonnene Sanierung noch konsequenter umsetzen.

"Trotz der mittlerweile erreichten Umsatzgröße hat Intershop noch nicht die kritische Masse erreicht, die ein profitables Wachstum ermöglichen würde", schreibt Thorsten Barnstedt, Analyst bei M.M. Warburg, in einer Studie. Er nahm die Bewertung der Aktie kürzlich mit "Neutral" auf. Die Marke "Intershop" in den USA zu etablieren, sei trotz hoher Marketingaufwendungen bislang fehlgeschlagen. Nun versuche die Gesellschaft, durch Partnerschaften eine höhere Marktakzeptanz in den USA zu erreichen. Die von Intershop angekündigte Konzentration auf ausgewählte Märkte für das elektronische Geschäft zwischen Unternehmen (B2B) mit dem Produkt "Enfinity" halte er für "ambitioniert". Die Systemintegration sei wesentlich anspruchsvoller als beim elektronischen Geschäft mit dem Endkunden (B2C) und verlange "Branchenexpertise".

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