Analysten kritisieren zu niedrige Margen im Filialgeschäft und zu hohe Kosten
Renditen deutscher Banken sind zu niedrig

Zu niedrige Eigenkapitalrenditen und zu hohe Aufwand-Ertrags-Relationen fallen Bankenanalysten als erstes ein, wenn sie zu den vier deutschen Großbanken befragt werden. Tatsächlich erreicht keine Bank auch nur annähernd die Renditen britischer oder spanischer Konkurrenten. Auf im Durchschnitt 12 % schätzt Analyst Adrian Pilz von Merrill Lynch die Eigenkapitalrenditen der vier Großbanken. Für die Briten nennt er knapp 20 %. Die beiden spanischen Großbanken - BSCH und BBVA - erzielten im vergangenen Geschäftsjahr Renditen von über 20 %. Die beiden Schweizer Institute Credit Suisse und UBS erreichten rund 15 %.

DÜSSELDORF. Ein Grund für die Schwäche der Deutschen sind die im inländischen Filialgeschäft viel zu niedrigen Margen, die aus der dominierenden Position der öffentlichen und genossenschaftlichen Kreditinsitute resultieren. Während in Großbritannien die vier größten Institute - Royal Bank of Scotland, Barclays, Lloyds TSB und HSBC - 90 % des Retail-Marktes (Massengeschäft) besetzen, kommen Deutsche Bank, Hypo-Vereinsbank, Dresdner Bank und Commerzbank zusammen auf nur rund 15 %.

Den Wettbewerbsdruck in Deutschland sieht Konrad Becker von Merck Finck als Kernproblem, das die deutschen Institute auch bei der zweiten Kennziffer - der Aufwand-Ertrags-Relation (Cost-Income-Ratio)- schlecht aussehen lässt. Diese lag bei der Deutschen Bank und der Commerzbank im zurückliegenden Geschäftsjahr deutlich über 70 %. Besser schnitten die Hypo-Vereinsbank mit 59,7 % und die Dresdner Bank mit 64,8 % ab. Allerdings können auch sie nicht mit BBVA (53,3 %), BSCH (56,1 %) oder HSBC (55,3 %) mithalten. Die italienische Unicredito beeindruckte im Vorjahr mit einer Cost-Income-Ratio von 51 % und einer Rendite von 20,8 %.

Das Kostenproblem der deutschen Großbanken führt Becker auf das hohe Lohnniveau und die wenig flexiblen Arbeitsmärkte zurück. Jedoch räumt sein Merrill-Lynch-Kollege Pilz ein: "Die Belastungen durch das kostenintensive Filialnetz können im Zuge des Direktbanking und der Schließung unprofitabler Filialen nachlassen."

Nach Ansicht von Guido Hoymann vom Bankhaus Metzler werden die deutschen Banken auf Grund der ungünstigen Situation im Inland zur Expansion in andere Märkte gezwungen. "Die Messlatte, besser als am Heimatmarkt zu sein, liegt sehr niedrig", fügt er hinzu. Vor allem die Strategie der Deutschen Bank, die Tochter Deutsche Bank 24 zu einer paneuropäischen Retail-Plattform auszubauen, überzeuge.

"Banken mit einem starken Vertriebsnetz stehen alle strategischen Optionen offen", unterstreicht Pilz. Für die "Hersteller" von Finanzprodukten, zum Beispiel Versicherungen, kämen dabei nur die ersten Drei in Frage, ergänzt er. Deshalb gewinnt das einst geschmähte Filialnetz wieder an Bedeutung. So prüft die Allianz im Zuge der Integration der Dresdner Bank noch einmal die von den Frankfurtern geplanten Filialschließungen, da sie gerade an dem Vertriebsnetz interessiert ist.

Unter den europäischen Häusern ist laut Pilz die Deutsche Bank am ehesten in der Lage, eines Tages die erste wirklich paneuropäische Bank mit Massengeschäft zu sein. Obwohl das hohe Engagement im Investment-Banking einen Risikofaktor darstelle, hält er diesen Schwerpunkt langfristig für richtig. David Williams von Morgan Stanley Dean Witter (MSDW) bezeichnet die vom designierten Vorstandssprecher Josef Ackermann geführte Unternehmenskunden-Division als eine der schlagkräftigsten. Der Markt bewerte dies zu niedrig.

Für relativ stark im europäischen Investment-Banking hält Dieter Hein von Credit Lyonnais auch die Dresdner Bank mit ihrer Tochter Dresdner Kleinwort Wasserstein. Allerdings könne sich nur die Deutsche Bank mit den drei großen US-Häusern Merrill Lynch, MSDW und Goldman Sachs sowie den beiden Schweizern Credit Suisse First Boston und UBS Warburg messen, fügt er hinzu.

Als schwächer positioniert gilt die Commerzbank. Die Hypo-Vereinsbank stellt laut Becker von Merck Finck einen Sonderfall dar, weil für sie das Investment-Banking kein Wachstumsschwerpunkt, sondern nur eine Ergänzung des Firmenkundengeschäfts ist. Trotzdem beurteilen Analysten die strategische Positionierung als Bank der Regionen positiv. Nach der Übernahme der Bank Austria verfügt sie nun mit Deutschland und Österreich über zwei Heimatmärkte und nimmt auch in einigen osteuropäischen Märkten eine führende Position ein. Die Münchener zählen in Europa ebenso wie die Commerzbank zu den größeren Vermögensverwaltern - und das Asset Management gilt als Wachstumsmarkt. Jedoch wäre für die HypoVereinsbank ein paneuropäisch ausgebauter Vertriebskanal idealer, bemängelt Merrill-Lynch-Analyst Pilz. Die fehlende regionale Vertretung in Europa begrenzt auch die Perspektiven der Commerzbank in diesem Bereich. Ob deren Bemühen zur Bewahrung der Eigenständigkeit erfolgreich sein wird, wird von Analysten bezweifelt. "Im Grund haben sie keine Strategie und warten auf einen großen europäischen Partner", kritisiert ein Londoner Bankenanalyst.

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