Analysten mahnen zu vorsichtigem Umgang mit dem Geld aus der gut gefüllten Kasse
E-Biscom plant Einkaufstour

Nach der Übernahme des Hamburger Stadtnetzbetreibers Hansenet im September 2000 will der italienischer Anbieter von breitbandigen Internetdiensten E SpA-Biscom weitere deutsche Citycarrier kaufen.

MAILAND. "Wir sprechen mit allen," bestätigte Silvio Scaglia, Gründer und Chef des Mailänder Unternehmens dem Handelsblatt. Interessant seien regionale Netzbetreiber in deutschen Großstädten wie Köln, München oder Berlin. Der Preis für den 80 %-Anteil an Hansenet von 480 Mill. Mark in bar stelle aber eine absolute Obergrenze dar, so Scaglia. Schließlich seien die Bewertungen für Telekom-Unternehmen seither weltweit gesunken.

Das Unternehmen, das anders als Konkurrenten superschnelle Datenleitungen auf Glasfaser-Basis auch Privatkunden anbieten will, hat nach dem Börsengang an den Mailänder Nuovo Mercato noch 1,1 Mrd. Euro in der Kasse. Aktuell ist das Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 4,3 Mrd. Euro hinter dem Internet-Service-Provider Tiscali der zweitschwerste Wert im Wachstumssegment der italienischen Börse.



Analysten, wie Ottavio Adorisio von Credit Suisse First Boston, verweisen darauf, dass E-Biscom trotz voller Kassen mit seinen Mitteln äußerst vorsichtig umgehen sollte. Optimal wäre der Einsatz eigener Aktien bei Akquisitionen, was dem Unternehmen bislang aber nicht gelungen ist. Schließlich seien die Investitionspläne in Italien, wo die E-Biscom-Tochter Fastweb alle größeren Städte mit eigenen Glasfasernetzen überziehen will, mit 6 Mrd. Euro in den kommenden 10 Jahren äußerst ambitioniert. "Außerdem ist Deutschland ein viel schwierigerer Markt als Italien", so Adorisio. Der Grund: Die Konkurrenz sei härter, auch andere Anbieter könnten schnelle Datenleitungen zu ähnlichen Bedingungen wie E-Biscom anbieten.



Das sieht Silvio Scaglia anders. Er betont, dass Deutschland für E-Biscom deshalb so interessant sei, weil die City-Carrier, beispielsweise Hansenet, vielerorts bereits eigene Glasfasernetze verlegt hätten. "Bislang wurden diese Netze ausschließlich für klassische Telefonie und vergleichsweise langsamen Datentransport genutzt. Wir können darauf mit unserer Technologie, die auf dem Internet-Standard basiert, parallel Telefonie, interaktives Kabelfernsehen und Hochleistungsdatenverkehr laufen lassen." Auch bei der DSL-Technik, mit der in Deutschland die herkömmlichen Telefon-Kupferleitungen auf der letzten Meile zur Datenautobahn aufgerüstet werden, sei E-Biscom konkurrenzfähig: Das Unternehmen garantiere über DSL eine Geschwindigkeit von 2 MB pro Sekunde gegenüber 0,7 MB der Deutschen Telekom. "Das aber macht erst Video und Fernsehen möglich", sagt Scaglia.



Das rasante Wachstum von Hansenet mache den Wettbewerbsvorteil deutlich. Im ersten Quartal hat Hansenet die DSL-Kundenzahl um 40 % auf 16 000 gesteigert. Der monatliche Umsatz habe sich seit der Übernahme auf 12 Mill. Mark verdreifacht. In diesemJahr will E-Biscom 100 Mill. Euro in den Ausbau des Hamburger Glasfasernetzes investieren.



Hansenet soll wie die Muttergesellschaft E-Biscom im Jahr 2003 die Gewinnschwelle auf Basis des Ebitda (Gewinn vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern) erreichen. Netto soll der Break-even 2005 geschafft werden. Für 2001 prognostiziert Scaglia einen Umsatz von 160 Mill. Euro, das wäre eine Vervierfachung des Vorjahres-Umsatzes. Bislang hat E-Biscom, dessen größte Stärke nach einhelliger Meinung von Analysten das fähige Management ist, seine selbst gesteckten Ziele stets erfüllt.

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