Analysten mutmaßen, dass BNP Paribas das Übernahmeangebot an Consors-Aktionäre erhöhen muss
Online-Brokern fehlt der Draht zur Börse

Im Zuge der Übernahme durch BNP Paribas könnte Consors demnächst vom Kurszettel verschwinden. Die beiden Konkurrenten Dab und Comdirect sehen Experten skeptisch.

 

FRANKFURT/M. Die drei führenden deutschen Online-Broker Comdirect, Consors und Dab Bank zählen zu den größten ihrer Zunft in Europa. Doch den Anlegern hilft das wenig: Die Kurse des im Nemax50 notierten Trios sind von den Höchstständen aus den Zeiten der Börseneuphorie weit entfernt. Kein Wunder, fuhren doch alle drei Broker im vergangenen Jahr Verluste in dreistelliger Millionenhöhe ein. Analysten trauen den Aktien nicht allzu viel zu. "Anleger sollten die Finger davon lassen", warnt Volker von Krüchten von der BHF Bank.

Zwar dürften die Verluste des Trios in diesem Jahr deutlich geringer ausfallen, Comdirect könnte sogar die Gewinnzone erreichen. Doch für große Kurssprünge sehen Analysten wegen der anhaltenden Börsenflaute keinen Anlass. Das Dilemma der Branche: Zumindest in Deutschland wächst die Zahl der Neukunden kaum noch. Zudem ist offen, ob die branchenweiten Sparprogramme und der Versuch, die Produktpalette über das reine Brokerage hinaus auszuweiten, die Firmen über den Berg bringen.

Ohnehin könnte aus dem Trio bald ein Duo werden. Die französische Großbank BNP Paribas hat kürzlich die Consors-Mehrheit von der Schmidt Bank übernommen und will den freien Aktionären ein Angebot von 12,4 Euro vorlegen. Dies entspricht dem Durchschnittskurs der letzten drei Monate und damit dem im Übernahmegesetz fixierten Mindestgebot.

Die Meinungen der Analysten über die Offerte klaffen auseinander. Einige Experten mutmaßen, die französische Bank müsse die Offerte noch einmal aufstocken, um sich 95 % der Anteile zu sichern. Erst ab dieser Schwelle könnten die Franzosen die restlichen Aktionäre mittels eines "squeeze-out" zwangsweise aus dem Unternehmen drängen. Thomas Rothäusler von Sal. Oppenheim rät den Anlegern davon ab, die Offerte anzunehmen. Den fairen Wert der Aktie siedelt er bei 15 Euro an. Dagegen rät Peter Barkow von HSBC Trinkaus & Burkhardt zu Annahme der Offerte. Sollte BNP innerhalb der nächsten zwölf Monate noch ein höheres Angebot nachschieben, müsste die Bank schließlich die Differenz auch den Aktionären zahlen, die ihre Titel schon jetzt abgeben.

Überwiegend skeptisch werden die beiden Consors-Rivalen bewertet. HSBC-Mann Barkow stuft beide Titel mit "reduzieren" ein. Wer aber an eine Renaissance der Online-Branche glaube, sei mit Comdirect besser bedient. Zum einen geht Barkow davon aus, dass der Broker in diesem Jahr die Preise erhöht, wie es Dab bereits 2001 tat. Dies könnte der Commerzbank-Tochter neuen Schwung verleihen. Zudem habe Comdirect im ersten Quartal bereits die Gewinnschwelle erreicht, während die mehrheitlich zur Hypo-Vereinsbank gehörende Dab, die ihre Quartalszahlen kommende Woche vorlegt, weiter tiefrote Zahlen schreiben dürfte.

Dagegen hält BHF-Analyst von Krüchten das Kursrisiko bei Comdirect für größer als bei der Dab, da die Aktie deutlich höher bewertet sei. Zudem habe sich Comdirect mit dem Rückzug aus Italien und Frankreich "künftiges Wachstum abgeschnitten". Außer in Deutschland ist die Bank nur noch in Großbritannien vertreten. "Das will die Börse noch nicht sehen", urteilt von Krüchten. Er rät zum Verkauf der Comdirect-Aktie mit einem Kursziel von 5 Euro. Zuletzt pendelte der Titel zwischen 7 und 9 Euro.

Von CHRISTIAN POTTHOFF, Handelsblatt

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