Analysten nicht überrascht
Arbeitslosigkeit deutlich gestiegen

Der Winter und die schwache Konjunktur haben die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im Januar auf knapp 4,3 Mill. und damit auf ein Niveau wie vor zwei Jahren steigen lassen.

rtr BERLIN. Statistisch von jahreszeitlichen Einflüssen bereinigt stieg die Zahl der Erwerbslosen um 31 000 im Vergleich zum Dezember, wie die Bundesanstalt für Arbeit am Mittwoch in Nürnberg mitteilte. Die unbereinigte Zahl der Arbeitslosen stieg binnen Monatsfrist um 326 000 auf rund 4,29 Millionen, Im Vergleich zum Januar 2001 waren dies rund 197 000 mehr. Der Präsident der Bundesanstalt, Bernhard Jagoda, sagte, die Konjunkturschwäche habe sich am Arbeitsmarkt niedergeschlagen.



Der Negativtrend der vergangenen Monate setzte sich auch im Januar fort. Der saisonbereinigte Anstieg der Arbeitslosigkeit betrug im Westen 28 000 (Dezember revidiert plus 14 000) und im Osten 3000 (Dezember minus 5000). Die unbereinigte Zahl von 4,29 Mill. entspricht einer Arbeitslosenquote von 10,4 % nach 9,6 % im Dezember und 10,0 % im Januar 2001.

Analysten sahen sich in ersten Reaktionen durch die Zahlen in ihren Erwartungen bestätigt. Peter Meister von der BHF-Bank sagte, der Winter habe die Arbeitslosenzahl nach oben getrieben. "Aber der starke Anstieg der saisonbereinigten Zahl weist darauf hin, dass der Konjunkturabschwung stark auf den Arbeitsmarkt durchschlägt." Stefan Mütze von der Helaba sagte, er erwarte bei der saisonbereinigten Arbeitslosigkeit eine weitere Verschlechterung, weil noch keine Aufschwungtendenzen eingesetzt hätten. Manuela Preuschl von der Deutschen Bank sagte: "Die Zahl ist keine großartige Überraschung." Vor allem im Bau- und Gaststättengewerbe sowie anderen Außenberufen ruhe die Arbeit im Januar. Sie erwarte eine Trendwende frühestens gegen Jahresende.

Die Arbeitslosigkeit erreichte fast den Stand des Januars 2000. Damals hatte die Zahl der Arbeitslosen 4,293 Mill. betragen. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ist seit Monaten mit Vorwürfen der Opposition konfrontiert, dass es ihm nicht gelungen sei, die Arbeitslosigkeit deutlich zu senken. Als eine kurzfristige Maßnahme gegen die steigende Arbeitslosigkeit wollte das Bundeskabinett am Mittwoch die bundesweite Ausdehnung des Mainzer Kombilohn-Modells beschließen. Die Regierung erhofft sich davon bis zu 30 000 neue Beschäftigte. Arbeitslose erhalten dem Programm zufolge einen Zuschuss zu den Sozialbeiträgen, wenn sie eine neue Beschäftigung im Niedriglohnbereich aufnehmen.

"Marginale Erhöhung" im Februar möglich

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit hat im Januar möglicherweise noch nicht seinen Höhepunkt in diesem Winter erreicht. Wie der Präsidenten der Bundesanstalt für Arbeit, Bernhard Jagoda, weiter sagte, es sei nicht ausgeschlossen, dass sich im Februar noch eine "marginale Erhöhung" ergebe. Gleichwohl erwarte er, dass der für die Jahreszeit übliche Zuwachs von rund einer halben Million Arbeitslosen im Frühjahr wieder abschmelzen werde.



Arbeitslosenzahlen im Überblick

Gesamt

Monat

Zahl

bereinigt

Quote

Januar4.289.922+31.00010,4

PROGNOSE:

+19.00010,3
Dezember3.963.503+ 6.0009,6
November3.788.946+19.0009,2
Oktober3.725.472+29.0009,0
Jan 20014.093.216+12.00010,0

Westen

Monat

Zahl

bereinigt

Quote

Januar2.791.292+28.0008,3
Dezember2.583.957+11.0007,7
November2.467.726+20.0007,4
Oktober2.412.697+12.0007,2
Jan 20012.622.193+11.0008,0

Osten

Monat

Zahl

bereinigt

Quote

Januar1.498.630+ 3.00019,1
Dezember1.379.546- 5.00017,6
November1.321.220- 1.00016,9
Oktober1.312.775+17.00016,8
Jan 20011.471.023+ 1.00018,7
Zahl = nicht saisonbereinigte Zahl der Arbeitslosen; bereinigt = Veränderung der saisonbereinigten Arbeitslosenzahl zum Vormonat; Zahlen sind gerundet; r = revidiert; Quelle Daten: Bundesanstalt für Arbeit; Quelle Prognose: vwd Umfrage



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