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Analysten: Pixelpark wird nicht vor Herbst verkauft

Nach der jüngsten Finanzspritze des Medienkonzerns Bertelsmann an die Berliner Internet-Agentur Pixelpark rechnen Analysten mit einer Gesundung des Unternehmens und langfristig mit dem Verkauf der dann profitablen Agentur.

rtr FRANKFURT. "Bertelsmann bleibt nichts anderes übrig, als aus Pixelpark ein gesundes Unternehmen zu machen, wenn sie die Agentur verkaufen wollen", sagte Marc Osigus, Analyst bei der Berenberg Bank am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Der Medienkonzern bekräftigte unterdessen, an der Beteiligung weiter konsequent festhalten zu wollen. Die von Pixelpark für das erste Quartal 2001 vorgelegten Zahlen entsprachen den Erwartungen der Analysten. Pixelpark erzielte nach eigenen Angaben bei einem Umsatz von 26,1 Mill. ? einen Konzernverlust von 25,3 Mill. ?.

Die im Blue Chip-Index Nemax50 des Neuen Marktes notierte Pixelpark-Aktie stieg zeitweise um über 20 % auf 12,19 ?. "Der starke Anstieg ist nicht gerechtfertigt", da die Zahlen nicht für einen erfolgreichen Turnaround sprächen, sagte ein Händler. Seiner Ansicht nach ist dies die letzte Finanzspritze von Bertelsmann.

Pixelpark sei wegen erheblicher struktureller Probleme derzeit nur schwer zu verkaufen, sagte Osigus. Die Kapitalerhöhung sei notwendig, "sonst wäre Pixelpark in erhebliche Liquiditätsprobleme geraten." Pixelpark hatte am Donnerstag nach Börsenschluss mitgeteilt, Bertelsmann stocke seinen Gesellschaftsanteil auf 60,3 % von zuvor 57,4 % auf. Dabei erwerbe die Bertelsmann Multimedia GmbH im Rahmen einer Kapitalerhöhung rund 1,357 Mill. neue Pixelpark-Aktien zu einem Bezugspreis von elf Euro je Aktie. Das entspricht rund 15 Mill. ?. "Ich glaube nicht, dass Bertelsmann Pixelpark vor dem vierten Quartal 2001 verkauft. Dann frühestens sind gute Zahlen zu sehen", sagte SES-Research-Analyst Klaus Linde. "Bertelsmann steht zu Pixelpark", sagte Linde. "Die Kapitalerhöhung zeigt eindeutig, dass Bertelsmann sich kümmert und Pixelpark deshalb nicht pleite gehen wird." Weitere Kredite seien denkbar. Bereits Ende 2000 hatte Pixelpark von Bertelsmann einen Kredit über 25 Mill. Mill. DM erhalten. "Wir haben Interesse daran, dass Pixelpark profitabel arbeitet", sagte ein Unternehmenssprecher Reuters. Er bekräftigte im März getätigte Aussagen von Klaus Eierhoff, Vorstandsmitglied der Bertelsmann AG und Aufsichtsratschef von Pixelpark. Bertelsmann unterstütze mit Nachdruck alle Maßnahmen, die Pixelpark zur Effizienzsteigerung ergreift. Das Engagement schließe nicht aus, dass sich der Medienkonzern gemeinsam mit Pixelpark langfristig für die Aufnahme eines strategischen Partners in den Gesellschafterkreis der Internetagentur entscheide.

Nach Angaben von Pixelpark entstand im ersten Quartal 2001 bei einem Umsatz von 26,1 Mill. ? ein Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 5,2 Mill. ?. Den Konzernverlust bezifferte Pixelpark auf 25,3 Mill. ?. Die Verluste resultierten aus außerplanmäßigen Abschreibungen von Vermögenswerten an der Pixelpark CEE Holding AG von 4,6 Mill. ?. Zudem sei die Beteiligung an der Venturepark Incubator AG mit 12,2 Mill. ? vollständig abgeschrieben worden.

Die Quartalszahlen, die im Rahmen seiner nach unten revidierten Erwartungen lägen, könnten auf Probleme im Projektmanagement hindeuten, sagte Osigus. Hinzu komme die schwache Nachfrage am Gesamtmarkt. "Schwer zu sagen, wann der turn-around zu schaffen ist." Es könne aber sein, dass Pixelpark wie angekündigt auf Ebitda-Basis die Gewinnschwelle 2001 erreiche. Auch Linde hatte die Zahlen erwartet. Der SES-Analyst rechnet aber mit einem operativen Jahresgewinn auf Ebitda-Basis erst ab 2002. "Auf Quartalsbasis ist ein Ebitda-Gewinn schon im vierten Quartal 2001 möglich." Im vierten Quartal 2002 könne auch erstmals ein positives Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) ausgewiesen werden.

Im vierten Quartal des Rumpfgeschäftsjahres 2000 (1. Juli bis 31. Dezember) hatte Pixelpark nach Angaben von Februar bei einem Umsatz von 27,2 Mill. ? ein Ebitda von minus 5,4 Mill. ? erzielt. Ende März hatte Pixelpark seine Umsatzprognosen für 2001 um 20 bis 30 Mill. ? auf rund 130 Mill. ? gesenkt. Mit einem Effizienzsteigerungs- und Kostensparprogramm will Pixelpark 2001 ein positives Ebitda-Ergebnis erzielen.

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