Analysten prophezeien dem Traumschiff-Markt nach einer schwierigen Phase wieder zweistellige Zuwachsraten
Kreuzfahrt-Aktien bleiben spekulative Investments

Nach der Übernahme der britischen P&O Princess Cruises beherrscht der US-Konzern Carnival den Kreuzfahrt-Markt. Analysten raten zum Einstieg, warnen jedoch vor der hohen Volatilität des Aktienkurses. Dazu drohen dem Markt Überkapazitäten, auch wenn die Passagierzahlen wieder steigen.

LONDON. Eine der erbittertsten Übernahmeschlachten des vergangenen Jahres ist zu Ende. Seit Dienstag ist die Aktie der britischen Reederei P&O Princess Cruises vom Londoner Kurszettel verschwunden. Nach der Übernahme durch den US-Konkurrenten Carnival Corp. werden die Papiere des neuen Kreuzfahrtriesen Carnival Plc. nun an den Börsen in London und New York gehandelt. Das neue Unternehmen beherrscht 43 % des Kreuzfahrtmarktes.

Für Anleger bedeutet die geballte Marktmacht dennoch keine Garantie auf steigende Kurse. Obwohl die Kreuzfahrtbranche weniger als andere Tourismusunternehmen unter den Folgen des Irak-Kriegs und der weltweiten Konjunkturflaute leidet, kämpft sie mit steigenden Kosten und sinkenden Erlösen. Analysten empfehlen das neue Carnival-Papier zwar zum Kauf, warnen aber vor der hohen Volatilität des Kurses. "Die Margen können noch weiter unter Druck geraten, das schürt Unsicherheit bei Anlegern", sagt Nigel Parson von Williams DeBroe.

Zu größerer Vorsicht raten Analysten beim Papier des größten Carnival-Konkurrenten Royal Caribbean Cruises Im monatelangen Übernahmepoker um P&O, die ehemalige Nummer drei auf dem Kreuzfahrt-Markt, war das US-Unternehmen kurz vor dem Ziel gescheitert, obwohl die Allianz schon als sicher galt. Carnival-Chef Micky Arison gelang es in letzter Minute, sich P&O mit einem 3,5 Mrd. Pfund (knapp 5,1 Mrd. ) schweren Angebot einzuverleiben. An Royal Caribbean haftet jetzt ein Verlierer-Image, das den Aktienkurs unter Druck setzen könnte, fürchten Analysten. Micky Arison, jetzt Konzernchef der neuen Carnival Plc., sieht sein Unternehmen vor einer großen Zukunft. Im kommenden Jahr will er erstmals über fünf Millionen Passagiere befördern und einen Umsatz von über 8,4 Mrd. $ (7,63 Mrd. ) erzielen. Carnival verfügt weltweit über 66 Schiffe. Konkurrent Royal Caribbean erzielte mit nur 24 Luxuslinern im Jahr 2002 einen Umsatz von 3,4 Mrd. $.

Der Höhenflug des Carnival-Chefs könnte jedoch von Problemen gestoppt werden, die die Kreuzfahrtbranche seit Monaten belasten. Seit den Terroranschlägen des 11. September 2001 ist in den USA die Nachfrage nach Kreuzfahrten zurückgegangen. Zwar stiegen gleichzeitig die Verkaufszahlen in Europa, konnten aber das US-Minus nicht ausgleichen. Viele Reedereien reagierten erst spät auf die Furcht der Amerikaner vor einem Flug über den Atlantik, indem sie ihre Schiffe in die Karibik verlegten.

Gleichzeitig kämpfen die Reedereien mit steigenden Preisen. Der seit dem Beginn des Irak-Kriegs hohe Ölpreis bereitet ihnen dabei die meisten Kopfschmerzen. "Die Kosten pro Kabinenplatz haben innerhalb eines Jahres um rund 10 % zugelegt", sagt Simon Champion, Analyst der Deutschen Bank. Mit der Senkung der Kosten werde Marktführer Carnival jedoch schon wegen seiner Größe schneller voran kommen als seine Konkurrenten, meint Champion.

Langfristig ist die Situation anders: Nach dem Ende des Irak-Krieges erwarten Analysten, dass der Markt in den kommenden Jahren wieder auf den alten Wachstumspfad mit Zuwachsraten von durchschnittlich 10 % pro Jahr einschwenkt. Denn das Marktpotenzial sei bei weitem noch nicht ausgereizt. Verbrachten 2002 rund neun Millionen Urlauber die schönsten Wochen des Jahres auf einem Schiff, sollen es 2010 bereits 15 Millionen sein. Auf diesen Boom reagieren die Reedereien mit einer großen Zahl neuer Schiffe. Allein Carnival will bis Mitte des Jahres 2006 gleich 17 neue in Dienst stellen, Royal Caribbean plant acht neue Schiffe.

Die rasante Expansion geht manchen Analysten jedoch zu schnell. Sie warnen vor einem abrupten Ende des Aufwärtstrends. "Die Unternehmen produzieren Überkapazitäten, die sie zu Preissenkungen zwingen werden", prophezeit Nigel Parson von Williams DeBroe. Diese Entwicklung könnte die Kundenstruktur der Reedereien grundlegend verändern. Kreuzfahrten wären dann nicht länger Luxus-Reisen, sondern würden auch im unteren Preissegment angeboten.

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