Analysten raten zu Vorsicht
Kamps-Aktie: Spekulativer Wert

Zur Vorsicht raten Analysten bei der Kamps-Aktie derzeit. Potenzial bietet indes eine mögliche Differenz zwischen fundamentalem Wert und Übernahme-Angebot.

jg/dpa DÜSSELDORF. Während das Bäckerei-Unternehmen den von Barilla genannten Übernahme-Preis von 12 Euro als zu niedrig ansieht, hält HSBC-Analyst Christoph Rehbach das Angebot für gerechtfertigt. Zwölf Euro seien ein guter Preis für die Kamps-Aktie, sagte der Analyst der Nachrichtenagentur Reuters. Die Börse spekuliert hingegen heute auf eine höhere Bewertung, zumindest übersprang der Aktienkurs die 12-Euro-Marke deutlich - für das Unternehmen Kamps der Beweis, mehr wert zu sein.

Als spekulativen Kauf empfehlen auch die Analysten der Sparkasse Bremen die Aktie. Größte Bäckerei-Kette Europas, Steigerung des Umsatzes um 13,5 % auf knapp 1,7 Mrd. Euro im Jahr 2001, dem ersten ohne neue Großakquisition - Zahlen, die die Analysten auf die Positiv-Seite der Waagschale werfen. Positiv werten die Experten auch die Finanzierungsstruktur des Konzerns, der optimiert worden sei. Sie erwähnen auch die Prognosen des Konzerns, im Segment Bake off-Produkte (Supermärkte) und Großkunden (Kantinen) zu wachsen.

Zur Vorsicht führen weitere Zahlen, die die Sparkassen-Analysten nicht verhehlen: Das Betriebsergebnis vor Firmenwertabschreibungen sei um 3,8% auf 107,3 Mill. Euro gewachsen. Als Ursache sehen die Experten gestiegene Herstellungskosten. Bei dem um 16,1 % auf 86,7 Mill. Euro gesunken Betriebsergebnis (EBIT) hätten sich Firmenwertabschreibungen in Höhe von 20,6 Mill. Euro ausgewirkt, die im Jahr 2000 noch nicht zu Buche geschlagen hatten. Der Jahresüberschuss sei um 86,2 % auf 5,5 Mill. Euro gesunken. Hierfür seien gestiegene Zinsaufwendungen und aufgebrauchte Verlustvorträge verantwortlich.

Während die Experten der Sparkasse Bremen bei der Wertentwicklung der Aktie den Boden erreicht sehen, stufen die Analysten vom Bankhaus HSBC Trinkaus & Burkhardt die Aktie von Kamps unverändert mit "reduce" ein; sie sehen das Kursziel gar bei 8 Euro. Die Spezialisten bemängeln, dass nach massivem äußeren Wachstum die Integrationsbemühungen noch nicht gelöst seien. Für die nun folgende Phase der Konsolidierung erwarten die Banker ein Wachstum von vier bis fünf Prozent und eine schrittweise Erholung der EBITA-Marge. Ob es dazu kommt, sehen die Experten mit einem Schuss Skepsis: Da die Erfolge der Integrationsbemühungen noch nicht abzusehen seien, sei die Ertragsentwicklung unsicher.

Wie ihre Kollegen der Sparkasse Bremen sehen die Trinkaus & Burkhardt-Analysten einen großen Spekulations-Anteil im Kurs: Die Aktie werde derzeit zwischen ihrem fundamentalen Wert und einer möglichen Übernahmebewertung gehandelt. Wegen der starken Position Kamps in Europa - die auch die Trinkaus & Burkhardt-Analysten nicht übersehen - werde ein Käufer wohl einen Aufschlag drauflegen.

Dem Kurs der im MDax notierten Aktie tut die Offerte auf jeden Fall gut: Das Papier, das kurz nach dem Börsengang des Unternehmens 1998 zu einem Höhenflug ansetzte, war im Juli vergangenen Jahres nach einer Gewinnwarnung förmlich eingebrochen. Die Aktie fiel mit 5 Euro auf einen absoluten Tiefpunkt, nachdem sie Mitte 2000 noch mit 25 Euro notiert hatte. Damit waren die Börsenträume des graduierten Betriebswirts Kamps, das Unternehmen künftig sogar in den Dax zu führen, ein für alle Mal ausgeträumt.

Und es kam was kommen musste: die ausländische Konkurrenz wurde aufmerksam. Für Christoph Schlienkamp, Aktienanalyst beim Düsseldorfer Bankhaus Lampe, kommen die Avancen der Italiener nicht überraschend. Seit einem halben Jahr seien Interessen des Pasta-Riesen schließlich bekannt. Auch zweifelt er daran, die Absicht der Italiener als feindlich einzustufen, auch wenn der gebotene Preis von 12 Euro je Aktie in der Düsseldorfer Kamps-Filiale zunächst auf Skepsis stieß.

Jadwiga Bobrowska, Analystin bei der Düsseldorfer WestLB Panmure, taxiert die Kaufofferte von Barilla auf das gut Achtfache des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA). In anderen Fällen wird für ein Unternehmen zwar deutlich mehr gezahlt, doch Kamps sei nicht ohne Probleme, spielt sie auf den hohen Schuldenstand des Unternehmens an. So hatte das Unternehmen den Ausbau seiner Aktivitäten in Deutschland und Europa vor allem durch Fremdmittel finanziert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%