Analysten raten zum gezielten, aber vorsichtigen Einstieg
Neuer Markt: Experten hoffen auf ein Ende der Gewinnwarnungen

Die vergangene Woche war wahrlich nichts für schwache Nerven. Rauf und runter ging es tageweise in 5 %-Schritten, ehe am Freitag das dicke Ende folgte: Nach einem ganz schwachen Handel an der US-Technologiebörse Nasdaq verlor der Nemax am Ende 4,87 % auf 2 388,20 Punkte. Der Nemax 50 gab sogar 6,50 % auf 2 309,85 Punkte ab. Fast 6 % hatte damit im Wochenvergleich der umfassende Nemax abgegeben, fast 7 % waren es beim Nemax 50.

FRANKFURT. Für private Anleger bleibt nach dieser fast schon wieder dramatischen Situation nur die Erkenntnis, dass sich an den fundamentalen Dingen im Vergleich zu den vergangenen Wochen nichts geändert hat. Analysten raten weiterhin zum gezielten, wenn auch vorsichtigen Einstieg. Es gilt dabei wie immer nur, die richtigen Werte zu finden. Einer davon könnte Qiagen heißen. Das Biotech-Unternehmen war schon in der Vergangenheit stets Liebling der Analysten. Am Dienstag legt Qiagen seine Zahlen für das Jahr 2000 vor. Das könnte der Aktie, die sich im vergangenen Jahr nicht dem allgemeinen Abwärtstrend entziehen konnte, neuen Schwung verleihen. Am Freitag war hiervon jedoch noch nichts zu spüren. Qiagen verloren 6,1 % auf 34,50 Euro.

Damit befand sich Qiagen in illustrer Gesellschaft. Zeitweise notierte von den 50 Großen des Neuen Marktes kein einziges Unternehmen im Plus. Broadvision verloren 11,3 % auf 10,25 Euro, Consors 7,2 % auf 37,25 Euro und EM.TV 6,6 % auf 7,10 Euro. Heftig unter die Räder kam erneut die Adva -Aktie. Sie verlor 20,9 % auf 27,70 Euro und notierte zeitweise auf einem 52-Wochen-Tief. Waren es am Mittwoch noch die Zahlen des abgelaufenen Jahres, die Anleger enttäuschten, zogen diesmal die reduzierten Prognosen des US-Konkurrenten Nortel Networks den Adva-Kurs nach unten. Das Beispiel zeigt, wie schnell die Vertreibung aus dem Paradies laufen kann. Der einstige Liebling der Analysten verlor in der vergangenen Woche 40 %.

Der Markt braucht positive Signale

Ein positives Signal für den Gesamtmarkt könnte nach Expertenmeinung in der kommenden Woche schon sein, wenn mehrere Tage hintereinander keine Gewinnwarnung käme. Die Chancen dafür stehen allerdings nicht sehr hoch. Am Freitag meldete die Münchener Cinemedia AG , dass ihr erwartetes Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) für das abgelaufene Jahr um 40 % unter Plan liegt, obwohl es von 1,7 auf 8 Mill. Euro gesteigert wurde. Der Umsatz nahm in diesem Zeitraum um etwa 50 % auf 102 Mill. Euro zu, ebenfalls weit weniger als das Ziel von 121 Mill. Euro. Vor allem die Bereiche Rechtehandel und Filmproduktion hatten enttäuscht. Cinemedia verloren 27,2 % auf 10,40 Euro.

Weiterhin belasten auch unerfreuliche Randnotizen den Markt. So hieß es am Freitag von Seiten der Deutschen Börse, man prüfe gegenwärtig, ob man Gigabell vom Neuen Markt verweisen könne. Hintergrund sei, dass Gigabell für das dritte Quartal nicht den erforderlichen Quartalsbericht vorgelegt hat. Die Frankfurter Internet-Firma war im vergangenen Jahr das erste Unternehmen des Neuen Marktes, das in die Insolvenz geriet. Seither hatte sich die Aktie völlig vom Markt abgekoppelt und war nur noch für Spekulanten von Interesse. Der einzige Wert, den das Unternehmen in den Augen der Experten noch hatte, war der Börsenmantel. Sollte Gigabell vom Neuen Markt verbannt werden, wäre auch der letzte Trumpf dahin. Das Unternehmen würde im Freiverkehr gehandelt. Dort gibt es genug wertlose Börsenmäntel.

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