Analysten rechnen 2002 mit mehr Pkw-Käufen in Deutschland
Kurzfristig orientierte Anleger haben mit Autotiteln gut verdient

Die Analysten der Automobilbranche sind sich so uneinig wie schon lange nicht mehr. Die Einschätzungen zu einzelnen Aktien gehen deshalb weit auseinander: Was das eine Bankhaus zum Kauf empfiehlt, wird anderswo völlig gegenteilig beurteilt.

HB STUTTGART. Insbesondere die Umsatz- und Gewinndynamik der einzelnen Hersteller wird unterschiedlich beurteilt. Nur bei der Entwicklung der Automobilkonjunktur gibt es einen Konsens. 2002 wird in den USA und in Europa mit einer weiteren Abschwächung gerechnet. Deutschland dagegen, wo der Automarkt schon im zweiten Jahr in Folge schrumpft, soll 2 % bis 3 % wachsen.

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Kaum ein Konzern kann sich dem negativen Trend entziehen. Sogar die Porsche AG, die im gerade abgelaufenen Geschäftsjahr (31. Juli) mit 8 Mrd. DM Umsatz und einem Gewinn vor Steuern von mehr als 1 Mrd. DM erneut einen Rekord vorweist, ist da keine Ausnahme. Die Aktionäre tröstet wenig, dass sie noch Glück im Unglück haben: Während der Deutsche Aktienindex (Dax) seit vergangenem September 30 % an Wert verloren hat, notiert der Branchenindex für die Autowerte nach Berg- und Talfahrten auf Vorjahresniveau.

Für eine langfristige Anlage sind die Autoaktien momentan nicht geeignet

Aktive Börsenspieler konnten so manches Schnäppchen machen. "Wer es in den vergangenen Monaten schaffte, bei einem Tief einzusteigen und nach Kursgewinnen rechtzeitig wieder auszusteigen, hat gut verdient", sagt Pia-Christina Schulze vom Bankhaus Merck Finck & Co. Für eine langfristige Anlage hält die Analystin die zyklischen Autoaktien aber derzeit für wenig geeignet. Investoren, die dennoch in Autoaktien einsteigen wollen, empfiehlt sie die ertragsstarken Papiere von Porsche und BMW.

Der Münchener Hersteller BMW hat im August Halbjahreszahlen vorgelegt, die eine rückläufige Gewinnmarge erkennen lassen. Thomas Aney vom Wertpapierhaus Dresdner Kleinwort Wasserstein lobt trotzdem die geplante Modelloffensive und sieht durchaus Chancen für weiteres Gewinn- und Umsatzwachstum. "BMW hat den Lebenszyklus der Fahrzeuge im Blick", sagt Aney. Kein Hersteller verstehe es so gut, Verkaufseinbrüche zu vermeiden. Nach dem Standardmodell komme das Coupé, dann das Cabrio und anschließend der Compact. Konkurrent Daimler-Chrysler kopiere diese Strategie inzwischen erfolgreich.

Kursfantasie für die Daimler-Chrysler

Für einen Einstieg bei der tief in den Keller gerutschten Aktie von Daimler-Chrysler sprechen die ersten Sanierungserfolge bei der angeschlagenen US-Sparte Chrysler. "Das lässt Raum für weitere Kursfantasie", sagt Frank Biller von der Baden Bank. -Württembergischen Das Geldhaus ist eine der wenigen Adressen, die dieses Papier empfehlen. Die Nobelmarke Mercedes-Benz wird in diesem Jahr zudem wieder ein glänzendes Ergebnis vorlegen. Doch die Investoren sehen bisher nur die Risiken. Die hohen Verluste und die weiter schrumpfenden Marktanteile der Chrysler-Tochter belasten die Aktie ebenso wie die Schwierigkeiten bei Nutzfahrzeugen sowie der japanischen Mitsubishi Motor Corp., an der Daimler-Chrysler 37 % der Anteile hält. Operativ wird der Konzern 2001 einen Verlust von mehr als 1 Mrd. Euro ausweisen.

Ein weiterer Dämpfer könnte deshalb auch von der Dividendenseite kommen. Biller hält angesichts der Verluste eine Dividende in Vorjahreshöhe von 2,35 Euro für nicht akzeptabel. Werden Erlöse aus Firmenverkäufen mit eingerechnet, kommt Biller auf ein Ergebnis je Aktie von 1,09 Euro. Eine Ausschüttung auf diesem Niveau hält er für vertretbar.

Volkswagen hat abgesehen vom neuen Polo derzeit eine Schwäche im Modellzyklus. Einige Analysten entdecken Risiken auch in dem Chefwechsel. Im April will Bernd Pischetsrieder Ferdinand Piëch ablösen. "Wenn Piëch geht, wird er eine Erfolgsbilanz vorlegen wollen und vielleicht unerfüllbare Erwartungen wecken", befürchtet Albrecht Denninghoff von der Hypo-Vereinsbank. Für den neuen Mann sei es dann schwer, diese Ziele zu erfüllen. Erfahrungsgemäß dauere es ein bis zwei Jahre, bis die Strategie eines neuen Chefs greife. "All das birgt Unsicherheiten", sagt Denninghoff.

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