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Analysten rechnen bei Infineon mit Quartalsverlust

Belastet von der Schwäche der Märkte für PCs und Mobiltelefone ist der Halbleiter-Hersteller Infineon Technologies AG nach der Einschätzung von Analysten im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2000/2001 in die roten Zahlen gerutscht.

Reuters MÜNCHEN. Experten gehen im Durchschnitt von einem Nettoverlust von 7,19 Mill. Euro aus, nach einem Überschuss von 146 Mill. Euro im Vorjahresquartal. Vor allem der Preisverfall für Speicherchips, mit denen Infineon im Vorjahr noch rund 80 % seiner operativen Gewinne erzielt hatte, habe das Ergebnis belastet, hieß es. Analysten äußerten sich über eine schnelle Erholung des Halbleitermarktes weiterhin skeptisch. Licht am Ende des Tunnels sehen sie erst zum Jahresende. Infineon will seine Zahlen am Dienstag vorlegen.

Die Schätzungen der Analysten für das Quartalsergebnis nach Steuern reichen von minus 61 Mill. Euro bis plus 28 Mill. Euro. Beim Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) gehen die befragten Experten im Durchschnitt von einem Verlust von gut 41 (Vorjahresquartal: 253) Mill. Euro aus. Beim Umsatz erwarten sie durchschnittlich 1,47 Mrd. Euro, was gegenüber dem zweiten Quartal 2000 ein Rückgang von rund vier, gegenüber dem Vorquartal von gut elf % bedeuten würde.

Preis für Speicherchips liegt unter Herstellerkosten

Infineon-Chef Ulrich Schumacher hat bereits vor einem schwachen zweiten Quartal gewarnt und einen Absatzrückgang im Vergleich zum Vorquartal von bis zu 30 % angekündigt. Da der Preis für Speicherchips - so genannte Drams, die vor allem in PCs zum Einsatz kommen - derzeit unter den Herstellerkosten lägen, werde die Sparte Speicher im zweiten Quartal Verluste schreiben. "Wir werden den Ergebnisrückgang bei Speichern nicht mit den anderen Geschäftsfeldern kompensieren können", hatte Schumacher auf der Hauptversammlung Anfang April gesagt.

Gleichzeitig sehen Infineon und Branchenkenner erste Anzeichen für eine Erholung des Marktes für Drams, die sich in der zweiten Jahreshälfte entfalten könne. "Im PC-nahen Geschäft scheint das Schlimmste überstanden zu sein", sagte Jürgen Wagner, Analyst bei Sal. Oppenheim. In der Sparte Mobilfunk sehe es wegen der anhaltenden Schwäche des Handymarktes aber schlecht aus. "Insofern ergibt sich ein gemischtes Bild", sagte Wagner.

Von den Infineon-Konkurrenten haben bereits Weltmarktführer Intel, Texas Instruments, Philips und ST Microelectronics ihre Zahlen für das erste Quartal des Kalenderjahres 2001 vorgelegt. Trotz kräftiger Gewinn- und Umsatzrückgänge wurden die schlimmsten Befürchtungen der Analysten zumeist doch nicht wahr. Die pessimistischen Aussichten von Philips und STM dämpften aber den aufkeimenden Optimismus. Philips warnte vor einem Verlust im laufenden Quartal, weil es keine Anzeichen dafür gebe, dass die konjunkturelle Abkühlung in den USA zu einem Ende komme. Und die französische STM rechnet damit, dass der globale Halbleitermarkt in diesem Jahr um zehn bis 15 % schrumpfen wird.

Keine positiven Impulse im Halbleitersektor

"Es gibt von STM keine positiven Impulse, die eine optimistische Stimmung im Halbleitersektor untermauern könnten", sagte Karsten Iltgen von der West LB dazu. Er bekräftigte seine Ansicht, wonach sich der Halbleitermarkt noch in diesem Jahr erholen werde. Kurzfristig sei aber kein Optimismus angebracht. Dabei ist Infineon nach der Ansicht von Experten als eher vom PC-Markt abhängiger Halbleiter-Anbieter noch besser dran als Mobilfunk-lastige Konzerne wie zum Beispiel Texas Instruments. Denn die Erholung des Halbleitermarktes werde von der PC-Industrie ausgehen, die ihre Lagerbestände an Speicherchips zunehmend abbauten.

Die schlechte Lage des Halbleitermarktes bereitet auch der Siemens AG Sorgen, die noch 71 % von Infineon hält und daher die ehemalige Halbleitersparte konsolidieren muss. Im März hatte Siemens seine Prognosen für das laufende Geschäftsjahr gesenkt und erklärt, das erwartete zweistellige Umsatzwachstum und ein noch höher steigender Gewinn seien 2001 nur noch ohne Infineon zu erreichen. Infineon selbst hat sich angesichts des volatilen Speichermarktes mit Prognosen für das Gesamtjahr zurückgehalten. Konkrete Aussagen über das erwartete Ergebnis in diesem Jahr erwarten die Analysten auch nicht von der für Dienstag angekündigten Telefonkonferenz mit Schumacher. "Ehrlichkeit ist mir da aber lieber als ungenaue Prognosen", sagte M.M. Warburg-Analyst Thorsten Barnstedt.

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