Analysten rechnen mit einem niedrigerem Nettogewinn und höherem Umsatz im dritten Quartal
Keine Überraschung bei der Telekom erwartet

Analysten sind sich in ihren Erwartungen über die morgen anstehenden Quartalszahlen der Deutschen Telekom relativ einig: Sie rechnen mit einem Rückgang des Nettogewinns auf rund 250 Mill. Euro. Unterschiedliche Meinungen gibt es dagegen über die Perspektiven der T-Aktie.

DÜSSELDORF. Hohe Kosten für die Kundenwerbung im Mobilfunksektor und niedrige Gewinnmargen belasten nach Meinung von Analysten das Ergebnis der Deutschen Telekom. Theo Kitz von Merck Finck rechnet im dritten Quartal mit einem Nettogewinn ohne Sondereffekte von 200 bis 300 Mill. Euro. "Dabei neige ich aber eher zu 200 Mill. Euro", betont der Telekom-Analyst.

Seine Einschätzung wird unterstützt von einer Umfrage des Finanznachrichtendienstes Bloomberg: Die sechs befragten Analysten rechnen mit einem Nettogewinn ohne Einmalaufwendungen und laufende Akquisitionen von 250 Mill. Euro, das wären 16 % weniger als im Vorjahreszeitraum. Dagegen soll der Umsatz im dritten Quartal um 17 % auf mehr als 10 Mrd. Euro gestiegen seien, wofür Analysten hauptsächlich Akquisitionen verantwortlich machen. Details werden aber erst in einem Monat bekannt gegeben, am heutigen Dienstag veröffentlicht das Unternehmen lediglich vorläufige Zahlen für Umsatz und Reingewinn.

Stimmung am Markt hat sich gewendet

Die Hoffnung auf eine positive Überraschung hat nach Ansicht von Telekom-Analyst Kitz den Kurs der T-Aktie bereits in den vergangenen Tagen auf bis zu 45 Euro steigen lassen. Außerdem habe sich die Stimmung am Markt zu Gunsten von Telekommunikationstiteln gedreht. "Die Übertreibung nach unten scheint beendet zu sein. Der Markt normalisiert sich wieder", sagt Martin Nitsch von der Bayerischen Landesbank. "Dabei hat sich fundamental gar nichts geändert", betont er.

Auch die Analysten der Bankgesellschaft Berlin reagierten auf den Stimmungswandel und stuften den gesamten Telekommunikationssektor am vergangenen Freitag von "neutral" auf "positiv" hoch. Die Deutsche Telekom hat Bankgesellschaft-Analyst Ralf Hallmann von "akkumulieren" auf "kaufen" heraufgesetzt. "Vorher sind die positiven Nachrichten gar nicht durchgekommen, dagegen haben die negativen Meldungen auf den Kurs gedrückt", berichtet er. "Nun gibt es eine Gegenreaktion."

Als Ursache für den Stimmungswandel sieht er das vorzeitige Ende der UMTS-Auktion in Italien. Jetzt stehe nur noch in Frankreich eine große Versteigerung an. "Auf der Kostenseite kann man praktisch einen Schlussstrich ziehen", sagt Hallmann.

Mit der Vorstellung der Telekom bei den Auktionen ist er allerdings weniger zufrieden: "Sie hat ihre primär gesteckten Zielen nicht erreicht." Auch Theo Kitz von Merck Finck kritisiert: "Es bleiben große weiße Flecken auf wichtigen Märkten. Die Lage der Telekom ist nicht optimal." Als Trostpflaster betrachtet Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin allerdings den Erfolg in kleineren Märkten wie den Niederlanden. Auch in der demnächst anstehenden UMTS-Auktion in der Schweiz könnte die Telekom erfolgreich sein. Außerdem habe das Unternehmen mit der Voicestream-Übernahme den Weg in die USA geebnet. "Die strategische Ausrichtung zum Global Player steht jetzt im Vordergrund", unterstreicht Martin Nitsch von der Bayerischen Landesbank. Er hat die Aktie mit "übergewichten" eingestuft und sieht vor dem Hintergrund des US-Geschäfts deutlich Potenzial nach oben.

Kritischer bleibt dagegen Theo Kitz von Merck Finck: "Die Strategie in den USA macht zwar Sinn, aber der Preis war sehr, sehr hoch." Seinen Angaben zufolge muss die Telekom für die Übernahme jährlich 1 Mrd. Euro an Goodwill-Abschreibungen leisten und zwar für eine Dauer von 20 Jahren. Weiter belastet würde das Ergebnis durch die Übernahme des Mobilfunkanbieters One2One. Außerdem sei die Internet-Tochter T-Online noch immer ohne neuen Vorstandschef. Vor diesem Hintergrund sieht Kitz die Telekom nur als "Marketperformer".



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