Analysten rechnen mit gesteigerter Kreditnachfrage, wenn das Zinsniveau gesenkt wird: Osteuropas Banken zählen zu den Gewinnern

Analysten rechnen mit gesteigerter Kreditnachfrage, wenn das Zinsniveau gesenkt wird
Osteuropas Banken zählen zu den Gewinnern

Noch sind der Beitritt zur Europäischen Union und der Euro für die Länder Osteuropas Zukunftsmusik. Einige Aktien könnten davon profitieren. Langfristig orientierte Anleger sollten sich schon umsehen.

dhe/jow/rp WARSCHAU/PRAG. Für die mittel-osteuropäischen Länder rückt der mögliche EU-Beitritt 2004 näher. Der Schritt wird auch an den Finanzmärkten nicht ohne Wirkung bleiben. In den Aktienkursen ist er nach Einschätzung vieler Analysten aber noch nicht enthalten. Jürgen Kirsch von Griffin Capital Management meint jedoch: "Die Chancen für Osteuropa sind besonders gut, da die EU-Konvergenz an Dynamik gewinnt".

Auch in Polen haben die Märkte nach Ansicht von Analysten mögliche Effekte der Konvergenz noch nicht eingeplant. "Der Eintritt in die Eurozone wird frühestens 2007 kommen", sagt Tomasz Bardzilowski von Credite Suisse First Boston, "das Beispiel Griechenland hat gezeigt, dass die Konvergenz-Rally erst etwa drei Jahre vorher beginnt." Gerade deshalb sei der Markt für langfristig orientierte Anleger schon jetzt interessant. Im Rahmen des Konvergenz-Prozesses muss das hohe Zinsniveau (Referenzzins derzeit 11,5 %) drastisch gesenkt werden. Von der gesteigerten Kreditnachfrage würden Bankenaktien profitieren, so Bardzilowski. Er rät vor allem zur Bank Pekao, dem zweitgrößten Geldinstitut Polens.

Auch andere Bereiche wie Telekommunikation könnten positive Auswirkungen spüren. Grzegorz Skowonski von Société Générale Securities verweist auf den Festnetz- und Mobilfunkanbieter Telekomunikacja Polska (TP SA) und die IT- Unternehmen Prokom Software und ComputerLand. Vorteile könnten sich zudem exportorientierten Unternehmen bieten. Das Augenmerk gilt hier u.a. der Firma Kety, die Aluminium-Verpackungen für Tabak und Lebensmittel herstellt.

In Tschechien wird sich der Wachstumsimpuls des Euros vor allem auf die Aktien der Sparkasse Ceska Sporitelna (CS, Eigentümer österreichische Erste Bank) und auf die Aktie der Komercni Banka (KB, Société Générale) positiv niederschlagen. Profitieren könnte auch das einzige börsennotierte Exportunternehmen, der Stromkonzern CEZ, wenn dessen Privatisierung doch noch gelingt. Der CEZ-Kurs stagnierte seit dem Scheitern der letzten Privatisierungsrunde bei rund 80 Kronen (ckr/2,93 Euro). Die österreichische Bankengruppe RZB sieht die Aktie bis Dezember 2002 bei 126 Kronen (+57,5 %); Voraussetzung ist aber ein erfolgreicher Abschluss der Privatisierung.

Die Banken KB und CS werden durch ihre Eigentümer voraussichtlich in kurzer Zeit in das Bankennetz von Euroland integriert. Analysten in Wien und Prag prognostizieren Kurserhöhungen von zurzeit 1 139 auf 1 200 ckr (KB) bzw. von 303 auf 350 ckr (CS). Doch die Einführung der verschärften Eigenkapitalvorschriften der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ/Basel II) zur Absicherung von Krediten könnte die stark im industriellen Kreditgeschäft engagierte KB beeinträchtigen.

Im Telekom-Segment der Prager Börse traut man der Cesky Telecom (CT, 365,80 ckr) eine positive Entwicklung zu. Laut Analysten der RZB (s. nebenstehenden Artikel) und der tschechischen Partia Finance ist CT deutlich unterbewertet und könnte auf 426 ckr steigen Doch auch diese Rechnung wurde ohne Basel II gemacht, wodurch sich Kredite der CT deutlich verteuern könnten.

Mittel- und Osteuropa werde "generell durch den EU-Beitritt profitieren", sagen Walter Demel und Helge Rechberger von der RZB in Wien. "Das gilt auch für die an den jeweiligen lokalen Börsen gelisteten Unternehmen. Besonders die exportorientierten Firmen sollten verstärkt von der Erweiterung profitieren."

Zu den Top-Aktien zählen beide die ungarische Sparkasse OTP, die tschechischen Banken Komercni Banka und Ceska Sporitelna und die polnische Bankengruppe Pekao. Bei den Banken bestehe aber noch "Nachholpotenzial im Serviceangebot". Ihre strategischen Investoren passten das Angebot an Weststandards an, womit die Banken kosteneffizienter und profitabler würden.

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