Analysten rechnen mit massivem Rückfluss von Telekom-Aktien nach den Übernahmen in den USA
Angst vor weiteren Turbulenzen um die T-Aktie

Die Telekom sucht bei der Voicestream-Übernahme die Hilfe von sechs Großbanken. Sie sollen verhindern, dass die T-Aktie durch Verkäufe von US-Anlegern belastet wird, die kein Interesse an Telekom-Aktien haben. Als potenzielle Käufer kommen laut Analysten beispielsweise große Fonds in Frage.

hb FRANKFURT/M. Die Deutsche Telekom sorgt sich um die Folgen der milliardenschweren Übernahme des US-Telekomkonzerns Voicestream auf den Aktienkurs. Nach Ansicht von Analysten dürften viele Voicestream-Aktionäre wenig Interesse an den Telekom-Titeln haben, die sie im Zuge der Übernahme erhalten. Verkaufen sie größere Pakete, könnte dies den ohnehin niedrigen Telekom-Kurs weiter belasten.

Verhindern sollen dies sechs Großbanken, die von der Telekom beauftragt wurden, diesen so genannten "Rückfluss" zu managen. Dabei handelt es sich nach Informationen aus Finanzkreisen um Dresdner Kleinwort Wasserstein, Credit Suisse First Boston, Goldman Sachs, Merrill Lynch, Deutsche Bank und Schröder Salomon Smith Barney. Die Deutsche Telekom wollte dies auf Anfrage nicht kommentieren.

Wie die Banken im Einzelnen vorgehen wollen, ist noch unklar. Theoretisch könnten sie Käufer für größere Pakete suchen oder die Titel teilweise in die eigenen Bücher nehmen. Als Käufer kommen nach Ansicht von Stefan Droxner, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg beispielsweise große Investmentfonds in Frage. Zum einen erhöhe sich durch den Aktientausch das Gewicht der T-Aktie in wichtigen Indizes wie Stoxx50 oder EuroStoxx50. Zum anderen sei die Telekom nach dem Kurssturz der letzten Monate derzeit günstig zu haben. Zudem könnten Großinvestoren mit Preisabschlägen rechnen, wenn sie große Telekom-Pakete en bloc erwerben.

Vorstoß der Telekom überrascht nicht

In Finanzkreisen hat der Vorstoß der Telekom nicht sonderlich überrascht. Die Hilfe von Banken bei derartigen Großoperationen sei nicht völlig außerwöhnlich. Weniger normal sei es allerdings, dass gleich sechs Kreditinstute auf einen Schlag um Hilfe gebeten worden seien. "Es zeigt, dass die Telekom besorgt ist", meint Fabrice Farigoule, Telekom-Spezialist beim Bankhaus Metzler.

Verständlich ist das Banken-Großaufgebot vor dem Hintergrund des ungewöhnlich hohen Volumens der Übernahmen in den USA. Alleine für Voicestream will die Telekom 828,8 Mill. eigene Aktien ausgeben. Weitere 147 Mill. Titel werden für den Kauf der kleineren Powertel benötigt. Damit wird die Anzahl der Telekomaktien von 3,09 auf rund 4 Mrd. ansteigen. Noch deutlicher wird der Voicestream-Effekt, wenn man unter Ausklammerung des Staatsanteils der Telekom nur den Streubesitz betrachtet: Dieser wird sich dank Voicestream um rund 80 % erhöhen. "Sollten alle diese Titel verkauft werden, wäre das ein Desaster für den Telekom-Kurs", sagt Farigoule.

Ganz so schlimm wird es aber wohl nicht kommen. Denn zum einen können die Voicestream-Aktionäre die Telekom-Titel einfach behalten. Allerdings zeigen die Erfahrungen mit Daimler-Chrysler, dass das Interesse amerikanischer Investoren an ausländische Aktien nicht allzu groß ist. Einem abrupten Ausverkauf stehen aber auch Sperrfristen der Voicestream-Großaktionäre Hutchison Whampoa und Sonera entgegen. Sie dürfen einen Teil der Aktien frühestens drei Monate nach dem für Anfang Juni erwarteten Abschluss der Übernahme verkaufen. Die übrigen Titel müssen sie mindestens ein halbes Jahr halten. Droxner rechnet damit, dass bis zur Hälfte der getauschten T-Aktien wieder auf den Markt kommen. Hutchison Whampoa und Sonera hätten bereits signalisiert, das sie kein Interesse an einer dauerhaften Telekom-Beteiligung hätten. Der Rückfluss werde einer deutlichen Erholung der T-Aktie im Wege stehen. Mit einem neuen Kurssturz rechnet Droxner aber nicht, da die Befürchtungen über einen Rückfluss zum Teil in den Kursen bereits enthalten seien.

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