Analysten rechnen mit Prämienerhöhungen
Versicherer fürchten Millionenschäden

Die genauen Zahlen liegen noch nicht auf dem Tisch. Doch schon jetzt wird klar: Die Versicherer kommt der Orkan, der am Wochenende über Deutschland fegte, teuer zu stehen. Sollte der Herbst noch einen solchen Sturm bringen, werden die Schäden den Versicherer die Ergebnisse vermiesen, sagen Experten.

HB DÜSSELDORF. Das Orkantief "Jeanett" wird Spuren in den Bilanzen der Versicherer hinterlassen. Allein die Allianz schätzt ihren Schaden nach eigenen Angaben auf rund 80 Mill. Euro. "Ein erheblicher Teil davon wird aber durch Rückversicherer gedeckt", erklärte ein Sprecher. "Dieser weitere Sturmschaden wird die roten Zahlen bei den versicherungstechnischen Ergebnissen jetzt tiefrot färben", sagt Arno Junke, Leiter des Deutschlandgeschäfts der General Cologne Re, dem drittgrößten Rückversicherer der Welt. Von den Schäden durch Orkantief "Jeanett" sind vor allem die Sparten Wohngebäude, Hausrat und Kasko-Versicherung betroffen.

Bei den Wohngebäudeversicherungen haben traditionell die öffentlichen Versicherer eine starke Stellung. So rechnet die Provinzial Rheinland nach Angaben einer Sprecherin mit Schäden in Gesamthöhe von 35 Mill. Euro. "Wir verzeichnen viele Kleinschäden, aber nur wenige spektakuläre Großschaden", sagte die Sprecherin. Noch bewege sich das Schadenausmaß aber im Rahmen der eigenen Kalkulationen. Die Schwestergesellschaft Provinzial Westfalen schätzt ihre Schadenbelastung auf 25 Mill. Euro.

"Das Jahr 2002 wird in puncto Sturm- und Überschwemmungsschäden erheblich vom langjährigen Durchschnitt abweichen", sagt Junke von der General Cologne Re. Im ersten Halbjahr sorgten mehrere Hagelschauer für eine Großzahl von kleineren Schäden vor allem bei Autos. Die Zahl der Schäden durch Sturm und Überschwemmung hatte sich bereits im ersten Halbjahr 2002 vervierfacht.

Im Sommer kam dazu dann noch die Jahrhundert-Flut. Die Gesamtschäden werden auf 15 Mrd. Euro geschätzt, allerdings war davon nur ein Bruchteil versichert. Immerhin verzeichnete die Allianz noch einen Schaden auf eigene Rechnung von 550 Mill. Euro, die Münchener Rück schätzte den eigenen Schaden auf unter 500 Mill. Euro.

Und jetzt beginnt die Saison der Herbststürme. "Sollte bis Jahresende noch solch ein Orkan durch Deutschland toben, werden die Schäden bei einigen Erstversicherern wohl auf das Ergebnis durchschlagen, weil sie ihre Rückversicherungskapazität aufgebraucht haben", sagt General-Cologne-Re-Experte Junke. Dies könnte dazu führen, dass einige Anbieter jetzt versuchen werden, zusätzliche Rückversicherungsdeckungen einzukaufen.

Auch die Schäden in den europäischen Nachbarländern kommen die Versicherer teuer zu stehen. Der Britische Versichererverband ABI schätzt die Kosten der gestrigen Sturmschäden auf über 50 Mill. Pfund (rund 80 Mill. Euro).

Das schadenreiche Jahr kann zu Prämienerhöhungen führen. Denn die Versicherer verspüren nicht nur Druck auf der Schadenseite; in den vergangene Woche zu Ende gegangenen Vorverhandlungen zwischen Erst- und Rückversicherern in Baden-Baden wurde deutlich, dass die Rückversicherer für ihre Deckungskapazität im Bereich Naturkatastrophen mehr Geld sehen wollen. Experten rechnen bereits angesichts der veränderten Klimabedingungen mit häufigeren Auftreten von Hagelstürmen, Überschwemmungen und Orkanen.

Hinzu kommt, dass die Kapitalmärkte als Ertragsbringer in nächster Zeit ausfallen. Allerdings könnte der Wettbewerb allzu forsche Preiserhöhungen verhindern. Denn nach Stürmen und Überschwemmungen steigt die Nachfrage nach Versicherungsschutz gegen diese Naturgefahren.

Der Versicherer Provinzial Rheinland zum Beispiel hat schon reagiert: Wer die Webseite des Unternehmens anklickt, wird von einem Pop-up-Fenster begrüßt, dass über Versicherungen gegen Orkanschäden informiert.

Quelle: Handelsblatt

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