Analysten rechnen mit starken Preissteigerungen: Rohstoffe bieten wieder Einstiegschancen

Analysten rechnen mit starken Preissteigerungen
Rohstoffe bieten wieder Einstiegschancen

Auch wenn die Preise für Öl und Gold zuletzt stark gesunken sind - Analysten und Marktbeobachter glauben nicht, dass dies Zeichen einer Trendwende sind. Im Gegenteil: Sie sehen den langfristigen Aufwärtstrend bei Rohstoffpreisen nach wie vor als intakt an und raten zum Einstieg in Rohstoffanlagen.

FRANKFURT/M. Anleger, die in den vergangenen Monaten Prognosen auf einen kommenden längerfristigen Aufschwung der Rohstoffpreise gesetzt und sich entsprechend positioniert haben, sind enttäuscht. Viele Rohstoffindizes sind nach dem 25 %igen Anstieg im Jahr 2002 wieder zurückgefallen. Auffallend war der kräftige Preisrutsch bei Rohöl und Gold, den von Anlegern bevorzugten Spekulations-Objekten. Ist die prognostizierte Hausse bei Rohstoffen zum Erliegen gekommen, bevor sie richtig startete? Die meisten Analysten sagen: Nein.

Für den Goldpreis ist Malcom Southwood, Senior Commodities Analyst des australischen Finanzhauses J.B. Were, optimistisch: "Dies ist nicht die Zeit, um Gold als Kapitalanlage zu ignorieren." Der Aufwärtstrend bei Gold habe noch eine beträchtliche Wegstrecke zurückzulegen. "Bei einigen Buntmetallen haben wir unsere Preisprognosen für die Jahre 2003 und 2004 angehoben", sagt Peter Blight von UBS Warburg. Der Grund: In China steigt die Industrieproduktion sehr stark, so dass das Land immer mehr Rohstoffe auf den Weltmärkten nachfragt. "China ist nach den USA inzwischen zweitgrößter Importeur von Öl und Gas", sagt Hans-Jürgen Klisch vom US Raymond James & Associates. -Finanzhaus Die hohe Nachfrage der chinesischen Wirtschaft habe äußerst positive Folgen für die internationalen Rohstoffmärkte.

Die Analysten von Goldman Sachs sprechen im Zusammenhang mit dem Preisaufschwung bei Rohstoffen von der "Revanche der old economy". Sie begründen ihren generellen Optimismus für die Rohstoffpreise nicht so sehr mit der Nachfrageseite, sondern vor allem mit Entwicklungen auf der Angebotsseite. "Wir sehen starke Beschränkungen auf der Angebotsseite, da in den späten 90er Jahren nur geringe Investitionen in die Infrastruktur der Rohstoffmärkte erfolgt sind", sagt Stefan Weiser von Goldman Sachs. Bereits eine moderate wirtschaftliche Erholung könnte Kapazitäts-Engpässe herbeiführen. Weiser sieht eine hohe Wahrscheinlichkeit für weiter steigende Rohstoffpreise - und zwar zu einem wesentlich früheren Zeitpunkt des laufenden Konjunkturzyklus als erwartet. In der Vergangenheit haben sich die Rohstoffpreise immer dann am besten entwickelt, wenn der Konjunkturaufschwung in die zweite Phase des Aufschwungs übergegangen sei. Im derzeitigen Konjunkturzyklus sei dies jedoch anders. Die Preise seien bereits in einem schwachen konjunkturellen Umfeld stark gestiegen.

Vor überzogenen Preishoffnungen bei Rohstoffen warnt indes Thomas Straubhaar vom HWWA-Institut für Wirtschaftsforschung in Hamburg. Seit Mitte der 80er Jahre habe sich zum Beispiel bei nahezu allen Bergbauprodukten ein mehr als nur ausreichendes Angebot gezeigt. "Kam es in den vergangenen Jahrzehnten zu kurzzeitigen Preissteigerungen, so lagen die Gründe nicht in einer Knappheit der Rohstoffe, sondern in konjunkturellen Schwankungen oder politischen Spannungen", sagt Straubhaar. Technische Fortschritte bei der Exploration bekannter und die Ausbeutung neuer Rohstoffvorkommen in Zentralasien, der Antarktis oder auf dem Meeresgrund würden die statistische Vorratsdauer vieler Rohstoffe jedoch weiter verlängern.

"Die Zeit von der Entdeckung über die Erschließung bis hin zur Errichtung von Minen und Produktionsstätten im Buntmetall- und Energiebereich dauert acht bis zehn Jahre", weist Klisch jedoch auf die lange Vorlaufzeit bei der Errichtung neuer Kapazitäten hin. Ungeachtet dessen sieht Straubhaar keine Gefahr für wirkliche Engpässe. Wenn diese erkennbar würden, müsse notfalls auch mit gesetzgeberischen Maßnahmen vorausschauend Abhilfe geschaffen werden.

Das positive Umfeld an den Rohstoffmärkten sorgt für zunehmendes Interesse bei Kapitalanlegern. Dies verwundert nicht: Rohstoffe gelten als interessante Alternative zu traditionellen Anlageformen. "Die Korrelation zu Aktien und Anleihen ist sehr gering", sagt Weiser. Immer mehr institutionelle Investoren würden sich daher für Rohstoffe interessieren. Dabei werde verstärkt auf Index-basierte Anlagen gesetzt. "Derzeit sind rund 12 Mrd. $ in Finanzprodukte auf den Goldman Sachs Commodity Index investiert", sagt Weiser. Bei diesen Produkten auf den GSCI handele es sich um Futures, strukturierte Notes (festverzinsliche Wertpapiere), Zertifikate und Optionsscheine. Größte Gruppe unter den institutionellen Anlegern sind mit Abstand die Pensionsfonds. Auch Versicherungen und Stiftungen haben einen Teil ihrer Gelder in Rohstoffindex-Anlagen umgeleitet. Das starke Interesse von Kundenseite lasse für die nächste Zeit eine weitere kräftige Steigerung dieser Summe erwarten. Wegen der hohen Gewichtung energetischer Rohstoffe (ca. 69 %) erzielte der GSCI-Index seit 1970 ein durchschnittliches Plus von 11 % pro Jahr.

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