Analysten rechnen mit Wandelanleihe
France Telecom und Mobilcom offenbar einig

Einem Übernahmeangebot der France Telecom (FT) an MobilCom-Chef Gerhard Schmid steht offenbar nichts mehr im Weg.

Reuters PARIS/BÜDELSDORF. Der französische Staatskonzern hat sich nach Angaben aus verhandlungsnahen Kreisen mit den Banken auf die Refinanzierung der Mobilcom-Darlehen über 4,7 Mrd. ? geeinigt.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag aus den Kreisen in Paris erfuhr, will France Telecom die Vereinbarung mit dem aus 17 Banken bestehenden Konsortium frühestens am Mittwoch veröffentlichen. In Kreisen im Umfeld von Mobilcom hieß ergänzend, das Dokument der Übereinkunft werde zurzeit den einzelnen Banken zugeleitet. Das Einzige, was noch fehle, seien die Unterschriften. Kernpunkte der Umschuldung waren bereits Ende vergangene Woche bekannt geworden. Demnach sollen die Banken zu einem zehnprozentigen Forderungsverzicht bereit sein. Am kommenden Freitag könnte der Aufsichtsrat von Mobilcom den Weg zur Übernahme der Kontrolle von France Telecom frei machen. Während es aus den verhandlungsnahen Kreisen in Paris hieß, die Vereinbarung mit den Banken solle "irgendwann" in dieser Woche, nicht aber vor Mittwochabend veröffentlicht werden, betonte eine Sprecherin von France Telecom, es werde weiter verhandelt.

Eine Einigung zur Refinanzierung der Mobilcom beim Einstieg in den UMTS-Mobilfunk gewährten Darlehen gilt als Voraussetzung dafür, dass France Telecom Schmid ein Kaufangebot für dessen Anteile unterbreiten kann und dieser sich aus dem Unternehmen zurückzieht. Schmid hatte vor zwei Jahren mit Hilfe der mit 28,5 Prozent an Mobilcom beteiligten France Telecom für 8,4 Mrd. ? eine der sechs deutschen UMTS-Lizenzen erworben. Über die Höhe der weiteren Investitionen in den UMTS-Aufbau waren die Partner in Streit geraten, woraufhin France Telecom schließlich das Kooperationsabkommen mit Mobilcom gekündigt hatte. Dies hatte an der Börse Befürchtungen geschürt, Mobilcom könne die Insolvenz drohen. Der Kurs der am Neuen Markt notierten Aktie hatte sich daraufhin zeitweise fast halbiert. Am Dienstag notierte das Papier des einstiegen Börsenstars über acht Euro und lag damit 0,6 Prozent im Plus.

Analysten: Option auf Wandelanleihe wahrscheinlich

Es wird erwartet, dass die Mobilcom-Schulden durch eine Wandelanleihe refinanziert werden. Unklar ist noch, ob die Forderungen später in Aktien von France Telecom oder deren Mobilfunktochter Orange getauscht werden sollen. Analysten halten eine Option auf Wandelanleihen für wahrscheinlich. In diesem Fall müsse France Telecom die Anleihen als Schulden ausweisen, sagte Joachim Koller vom Bankhaus Merck Finck. France Telecom ist mit 61 Mrd. ? selbst hoch verschuldet und will einen Anstieg der Schuldenlast verhindern, weil dies eine Herabstufung bei den Ratingagenturen zur Folge hätte.

Der Aufsichtsrat von Mobilcom wird am Freitag wahrscheinlich erneut über die von France Telecom beantragte Absetzung von Schmid als Vorstandschef abstimmen. Während bei einer ersten Abstimmung vor eineinhalb Wochen die damals nötige Zwei-Drittelmehrheit für diesen Antrag nicht zu Stande gekommen war, reicht diesmal die einfache Mehrheit. Die Abberufung Schmids im zweiten Anlauf gilt deshalb als so gut wie sicher. Unterdessen berichtete das "Wall Street Journal Europe" (WSJ), France Telecom habe erwogen, Schmid 17 bis 18 Euro je Anteil anzubieten. Dies würde Schmids Aktienpaket von 40 Prozent an Mobilcom mit bis zu 473 Mill. ? bewerten. Ursprünglich hatte der Mobilcom-Gründer 22 ? je Anteil verlangt. France Telecom wollte den Bericht am Dienstag nicht kommentieren. Die Frage eines Auskaufs von Schmid sei keine, die sich heute stelle, sagte eine Unternehmenssprecherin.

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