Analysten rechnen nicht mit Überraschungen
Experten skeptisch über schnelle Chip-Erholung

Nach der Umsatzwarnung des weltweit größten Chipherstellers Intel für das laufende Quartal halten Experten eine schnelle Erholung des weltweiten Halbleitermarktes für unwahrscheinlich.

Reuters FRANKFURT. Zwar geben sich die europäischen Konkurrenten wie STMicroelectronics, Infineon und Philips noch relativ optimistisch bei ihren Prognosen für das Gesamtjahr 2001. Manche Analysten erwarten aber auch hier noch negative Überraschungen. "Ich glaube, es wird noch weitere Gewinnwarnungen von Chipproduzenten geben - auch von ST Microelectronics, Philips and Infineon. Das Geschäft ist derzeit wirklich schlecht", sagte Eric de Graaf, Branchenanalyst bei ING Barings am Freitag.

Intel hatte am Donnerstag nach Börsenschluss in den USA für das erste Quartal 2001 einen noch deutlicheren Umsatzrückgang als bisher erwartet prognostiziert und das mit einer schwachen Nachfrage nach nahezu allen Intel-Produkten begründet. Auch kleinere US-Chiphersteller wie National Semiconductor und ON Semiconductor senkten ihre Progosen. Infineon bekräftigte dagegen seine Einschätzung, wonach sich das derzeit schwache Geschäft mit Speicherchips im zweiten Halbjahr des Geschäftsjahres 2000/2001 (zum 30. September) wieder erholen werde. Auch der französisch-italienische Konkurrent STMicroelectronics blieb bei seiner Prognose, wonach er das erwartete Marktwachstum von 15 % übertreffen werde.

Umsatzrückgang von bis zu 20 % prognostiziert

Analysten gaben sich skeptisch. "Ich sehe keine Erholung bis zum vierten Quartal und das hängt noch von der konjunkturellen Entwicklung ab", sagte ein Analyst in London. "Wir wissen nun, dass das erste Quartal sehr schlecht werden wird - wir prognostizieren einen durchschnittlichen Umsatzrückgang von 15 bis 20 % in der Branche - und das zweite Quartal sieht auch schwach aus", fügte er hinzu.

Der leichte Aufschwung der Aktienkurse der Halbleiterhersteller seit Anfang des Monats fand am Freitag durch die Intel-Warnung jedenfalls ein Ende. Die Infineon-Aktien fielen um gut 5 % auf 38,18 Euro. STMicrosystems und die niederländische ASM Lithography gaben ebenfalls rund 5 % nach. Philips büßten 3,6 %, die britische ARM Holding sogar knapp sieben % ein.

Die Bewertung an der Börse sei bei den meisten Papieren weiter höher als bei früheren Schwächeperioden der Industrie, sagten Analysten. So liegt das durchschnittliche Verhältnis von Aktienkurs zum Buchwert (price to book ratio) der Branche nach Schätzungen der Investmentbank Credit Suisse First Boston derzeit bei 5,5 % - im Vergleich zu 3,5 % bei dem letzten Abschwung im Sommer 1998. Trotz der Kursverluste hätten die Aktien der europäischen Chipproduzenten damit noch weiteres Abwärtspotenzial, erklärten Analysten anderer Banken.

Bessere Ausgangsposition als US-Konkurrenz

Die meisten europäischen Halbleiterhersteller sind dabei nach der Ansicht der Experten noch in einer besseren Ausgangsposition als die amerikanischen Konkurrenz. Intel sei sehr von der Nachfrage nach PCs abhängig, die europäischen Unternehmen dagegen breiter aufgestellt. "STM, Infineon und Philips sind auch in wachsenden Märkten tätig", sagte Malcolm Penn von den unabhängigen Beratungsfirma Future Horizons. Auch eine Infineon-Sprecherin stellte das differenziertere Produktangebot als Vorteil heraus. "Die Nachfrage nach Produkten für die drahtgebundene Kommunikation, Chipkarten und Automobilelektronik ist weiter stark", sagte sie.

Neben der schwachen Nachfrage bei den PCs macht den Chipherstellern aber vor allem das Mobilfunkgeschäft zu schaffen. Dass die weltweiten Handyverkäufe in diesem Jahr voraussichtlich hinter dem noch im Herbst 2000 prognostizierten 500 Mill. Stück zurückbleiben, wird immer wahrscheinlicher. Für den Mobilfunkmarkt sind die Analysten noch skeptischer als für die Chipproduktion. Titus Menzies von BNP-Paribas erwartet, dass die Schwäche noch mindestens sechs Monate anhält: "Ich glaube, eine Wende wird es hier frühestens Anfang des vierten Quartals 2001 geben, vielleicht auch erst im ersten Quartal des folgenden Jahres", sagte er.

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