Analysten rechnen sechs- bis achtwöchigen Krieg
Umfrage: Deutsche Wachstumsaussichten weiter eingetrübt

Die deutsche Wirtschaft wird nach Einschätzung von Volkswirten auch in diesem Jahr nicht richtig in Schwung kommen. Damit werde sich auch der Arbeitsmarkt erst im Verlauf des Jahres 2004 etwas entspannen.

Reuters BERLIN. Für 2003 erwarten Konjunkturexperten von Banken und Wirtschaftsforschungsinstituten im Mittel ein Wachstum von gerade einmal 0,7 Prozent, wie die am Dienstag veröffentlichte Reuters-Quartalsumfrage ergab. Dabei gehen die meisten Analysten in ihren Prognosen von einer Kriegsdauer im Irak von nicht viel mehr als sechs bis acht Wochen aus. Sollte der Krieg länger dauern, dürfte das Wirtschaftswachstum noch geringer ausfallen.

Für die einzige Konjunkturlokomotive Exportwirtschaft sagen die Experten nach einer Schwächephase steigende Wachstumsraten ab Herbst 2003 voraus. Die Inflationsrate dürfte mit 1,4 Prozent im Jahresschnitt sehr moderat bleiben.

Experten sind pessimistischer als noch zu Jahresbeginn

Für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr zeigten sich die Experten noch einmal pessimistischer als bei der letzten Umfrage im Januar, als sie einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 0,9 Prozent vorhergesagt hatten. Weitgehend Konsens bestand unter den 23 befragten Volkswirten darüber, dass die deutsche Wirtschaft zu Beginn dieses Jahres nur knapp an einer Rezession vorbeischrammt. Ab Sommer erwarten die Volkswirte dann eine Wachstumsbeschleunigung.

Ralf Solveen von der Commerzbank sagte, im zweiten Halbjahr werde es zu einer deutlichen Belebung kommen: "Wenn die Belastung des Krieges und des hohen Ölpreises wegfällt, entfällt auch der negative Einfluss auf das Wachstum." 2002 hatte das BIP lediglich um 0,2 Prozent zugelegt und im vierten Quartal zum Vorquartal stagniert. Solveen verwies allerdings darauf, dass seiner Prognose - wie bei den meisten Experten - die Annahme eines Kriegsendes nach etwa sechs Wochen zu Grunde liege. Je länger der Krieg dauere, desto weiter werde sich die Erholung nach hinten verschieben.

Wie in den vergangenen Jahren dürften die Verbraucher, auf deren Ausgaben 60 Prozent des BIP entfallen, kaum etwas zum Wachstum beitragen. Im Mittel sagen die Experten einen Zuwachs des privaten Konsums um 0,4 Prozent voraus. Im vergangenen Jahr war der private Konsum sogar um 0,6 Prozent zurückgegangen. Erst zum Jahreswechsel 2003/2004 erwarten die Experten eine merklich zunehmende Spendierfreudigkeit der Haushalte. Stützend für den Konsum dürfte die moderate Inflation sein, die die Experten im Jahresschnitt mit 1,4 Prozent auf dem Vorjahresniveau erwarten.

Damit hängt nach Analyse der Experten das BIP-Wachstum auch in diesem Jahr stark von der Entwicklung des Exportgeschäftes ab. Nach ihrer Einschätzung dürfte Deutschland 2003 vier Prozent mehr Güter exportieren als 2002. Mit einem Plus von lediglich 2,8 Prozent zum Vorjahresquartal dürfte im dritten Vierteljahr allerdings eine Wachstumsdelle verzeichnet werden. Manfred Kurz von der Bayerischen Landesbank sagte, während die Exporte weiter das Wachstum stützten, bleibe die Binnennachfrage schwach: "Aber es gibt Anzeichen, dass der Bausektor, der so lange geschrumpft ist, die Talsohle erreicht."

Arbeitslosigkeit dürfte erst 2004 sinken

Das mangelnde Zutrauen der Experten in die Binnenkonjunktur spiegelt sich auch in den Prognosen zur Industrieproduktion wider. Gegenüber der Januar-Umfrage halbierten die Volkswirte ihre Vorhersage für dieses Jahr auf plus 0,5 Prozent. Erst im vierten Quartal 2003 sei mit einem Produktionsplus zum Vorjahresquartal um 1,4 Prozent zu rechnen.

Die für die Wirtschaftsentwicklung aussagekräftigere saisonbereinigte Arbeitslosenquote wird bei dem als lau eingeschätzten Wirtschaftswachstum 2003 kaum sinken. "Wir werden dieses Jahr keine Belebung auf dem Arbeitsmarkt sehen", zeigte sich Solveen skeptisch. Die Experten erwarten für das zweite bis vierte Quartal eine Quote von durchschnittlich 10,6 Prozent, für das Gesamtjahr 2003 im Schnitt von 10,5 Prozent. Ab Anfang 2004 dürfte die Quote dann langsam sinken und im Jahresschnitt bei 10,1 Prozent liegen. Im Februar 2003 betrug die saisonbereinigte Arbeitslosenquote 10,5 Prozent.

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