Analysten rechnet allenfalls mit einem Vergleich
Klage gegen Daimler-Chrysler zieht sich hin

Der amerikanische Milliardär Kirk Kerkorian hat bei seiner Klage gegen Daimler-Chrysler zwar einen Etappensieg gewonnen. Dennoch stufen die Kapitalmärkten die Erfolgsaussichten der Klage als gering ein - die Daimler-Aktie bleibt von den jüngsten Ereignissen weitgehend unbelastet.

brb/hus STUTTGART/NEW YORK. Die milliardenschwere Schadenersatzklage des amerikanischen Milliardärs Kirk Kerkorian gegen den Daimler-Chrysler-Konzern hat an Brisanz verloren. Am vergangenen Freitag hat der Stuttgarter Autokonzern zwar vor dem US-Bundesgericht in Delaware eine Niederlage einstecken müssen. Den Antrag der Stuttgarter, Kerkorians Klagen abzuweisen, hat das Gericht abgelehnt. Dennoch ging die Börse über die Tatsache, dass die Klage nun zulässig ist, hinweg: Die Daimler-Aktie verlor am Montag nur 1 % an Wert.

Analysten geben der Klage des einstigen Chrysler-Großaktionärs Kerkorian kaum eine Chance. Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler verweist zwar auf die Unberechenbarkeit amerikanischer Gerichte. "Es ist aber abwegig, zu glauben, dass Daimler Kerkorian Milliardensummen zahlen muss", sagt Pieper. Er rechnet allenfalls mit einen Vergleich in Höhe von 100 bis 200 Mill. Euro.

Der 84-jährige Milliardär hatte im November 2000 gegen die Konzernführung von Daimler-Chrysler bei dem US-Gericht Klage eingereicht. Er wirft Vorstandschef Jürgen Schrempp, Finanzchef Manfred Gentz und Aufsichtsratschef Hilmar Kopper "perfekten Betrug" vor. Schrempp habe den Zusammenschluss von Daimler-Benz und Chrysler im Jahre 1998 als "Fusion von Gleichen" bezeichnet und damit gelogen.

Auslöser für den Streit ist ein Interview von Schrempp im Oktober 2000. Darin erklärte er, dass der Zusammenschluss zwischen Daimler-Benz und Chrysler von Anfang an nicht als eine Fusion unter Gleichen sondern als Übernahme geplant gewesen sei. Kerkorian, verärgert über den hohen Kursverlust der Daimler-Aktie, argumentierte daraufhin, einer Übernahme hätte er nie zugestimmt und verlangte 8 Mrd. Dollar Schadenersatz.

Michael Schell, Daimler-Chrysler-Anwalt in New York, sagte gegenüber dem Handelsblatt: "Die Klage hat sich leider nicht so schnell wie gehofft erledigt. Wir bleiben aber bei unserer Meinung, dass sie inhaltlich nicht berechtigt ist." Ein Daimler-Sprecher in Stuttgart betonte, dass der Konzern sich mit allen Mitteln zur Wehr setzen werde.

Zum aktuellen Aktienanteil Kerkorians an der Daimler-Chrysler AG wollte sich der Sprecher nicht äußern. Kerkorian dürfte sein Aktienpaket von über 3 % nach der Fusion auf unter 1 % reduziert haben.

Noch steht der Prozessbeginn vor dem Bezirksgericht in Delaware nicht fest. Zugelassen hat das Gericht auch eine Klage der Investmentfirma Glickenstein. 23 Sammelklagen dagegen hat das Gericht abgewiesen. Der nächste Schritt wird ein aufwendiges Beweisverfahren sein, das sich laut Experten ein bis zwei Jahre hinziehen könnte. Sie verweisen darauf, dass nicht zuletzt wegen der hohen Stundensätze amerikanischer Anwälte Beklagte häufig entnervt aufgeben und einem Vergleich zustimmen würden.

Je länger sich der Prozess hinzieht, desto schwerer dürfte es allerdings auch Kerkorian fallen, den erlittenen Schaden nachzuweisen. Analysten betonen, dass ohne Fusion und Finanzhilfe von Mercedes-Benz Chrysler noch sehr viel schlechter dastehen würde. "Der Sanierungsfall Chrysler zeigt", dass die Chrysler-Aktionäre bei der Fusion super bedient worden sind", sagt Analyst Pieper. Durch das großzügige Umtauschverhältnis hätten sie 43 % am Konzern erworben. "Das ist aus heutiger Sicht ein Witz, allenfalls zehn Prozent wären gerechtfertigt gewesen", betont Pieper.

Früheren Angaben zu Folge hat der Konzern für die Klage und die daraus möglicherweise resultierenden Schadenersatzansprüchen keine Rückstellungen gebildet.

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