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Analysten: Rückversicherer drohen wegen 'Ivan' möglicherweise höhere Schäden

Wegen des derzeit über Teile der USA ziehenden Hurrikans "Ivan" drohen Rückversicherern aus Sicht von Analysten höhere Schadenszahlungen als infolge der beiden vorangegangenen Wirbelstürme "Charley" und "Frances". Experten begründeten dies am Donnerstag damit, dass der von "Ivan" betroffene Bundesstaat Alabama kein Programm habe, um Versicherern bei Schadenszahlungen zu unterstützen.

dpa-afx SAN FRANCISCO. Wegen des derzeit über Teile der USA ziehenden Hurrikans "Ivan" drohen Rückversicherern aus Sicht von Analysten höhere Schadenszahlungen als infolge der beiden vorangegangenen Wirbelstürme "Charley" und "Frances". Experten begründeten dies am Donnerstag damit, dass der von "Ivan" betroffene Bundesstaat Alabama kein Programm habe, um Versicherern bei Schadenszahlungen zu unterstützen.

Der Hurrikan hatte die Küste von Alabama am frühen Donnerstagmorgen (Ortszeit) erreicht. In den USA sind bisher mindestens zwölf Menschen wegen des Wirbelsturms ums Leben gekommen. Zuvor hatte "Ivan" in der Karibik gewütet. Die Katastrophenrisiko-Experten von RMS (Risk Management Solutions) erwarten nach neuesten nach unten revidierten Schätzungen, dass "Ivan" versicherte Schäden von zwei bis sieben Mrd. $ verursachen wird.

Katastrophen-Fonds

Im Hurrikan geplagten US-Bundesstaat Florida, den in den vergangenen fünf Wochen bereits "Charley" und "Frances" heimgesucht hatten, können Versicherer auf Hilfe aus einem staatlichen Fonds ("Florida Hurricane Catastrophe Fund") zählen, um Schadenzahlungen nachzukommen. Der US-Versicherer Allstate meldete, dass der Fonds der Allstate-Tochter in Florida 155 Mill. $ zukommen lassen werde, um von "Charley" verursachte Sachschäden zu bezahlen.

Im US-Bundesstaat Alabama gibt es keine derartige Einrichtung. Daher seien Versicherer immer ermutigt worden, sich privat rückzuversichern, hieß es. Lehman-Brother-Analyst Chris Winans sagte, die Verluste infolge von "Charley" und "Frances" würden in Florida von der staatlichen Rückversicherung abgemildert. "Dieses Mal rechne ich damit, dass mehr der von 'Ivan' verursachten Verluste auf Rückversicherer zukommen." Bis vorigen Freitag hatten 20 Rückversicherer, darunter der Branchenzweite Swiss Re , die "Charley"-Schäden auf 1 bis 1,2 Millarden Dollar beziffert. Einer Lehman-Untersuchung zufolge kommen auf 22 Erstversicherer (Allstate , St. Paul Travelers, Hartford oder Chubb) dreimal höhere Verluste zu.

"Dieses Verhältnis von eins zu drei wird sich dieses Mal umkehren", prophezeite Analyst Winans mit Blick auf den neuesten Hurrikan. Aber sowohl Rück- als auch Erstversicherer hätten sich gut auf Katastrophen wie "Ivan" vorbereitet. "Die Branche erkennt, dass niemand der einzige Inhaber eines großen Risikos sein möchte", sagte der Lehman-Experte. "Risiken sind nun so gestreut, dass jeder ihnen zumindest etwas ausgesetzt ist." Zwar werde "Ivan" beträchtliche Schäden nach sich ziehen. Aber bislang habe er dicht besiedelte US-Regionen verschont. "Das ist vielleicht eine kleine Erleichterung." Versicherer- und Rückversicherer-Aktien hatten am Donnerstag in USA teils leichte Gewinne verzeichnet.

Verband: Fonds Verhindern Geschäfte FÜR Rückversicherer

Experte Brad Kading vom amerikanischen Rückversicherungsverband (Reinsurance Association of America) gab sich überzeugt, dass die Wirbelstürme der Branche keine Schäden zufügen werden. "Der Markt braucht Wirbelstürme wie diese, um die Menschen daran zu erinnern, wie wichtig Rückversicherungen sind."

Der weltweite Rückversicherungsmarkt vereint nach Verbandsschätzungen ein Kapital von 100 bis 120 Mrd. $ sowie 25 Mrd. $, um Schäden aus Katastrophen wie Hurrikans oder Erdbeben zu decken. Die Branche ist gegen Fonds wie den in Florida, da sie den Rückversicherern Geschäft wegnehmen.

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