Analysten sagen der Branche der Telekomnetzausrüster für das nächste Jahr weitere Umsatzrückgänge voraus
Lucent bleibt in den roten Zahlen

Rückläufige Umsätze, Verluste, massiver Stellenabbau - für die Branche der Telekomausrüster gibt es noch keine Zeichen der Besserung.

siri/slo SAN FRANCISCO. Die Investitionsflaute in der Telekommunikationsbranche hat dem US-Netzausrüster Lucent Technologies Inc. den zehnten Quartalsverlust in Folge beschert. Für das abgelaufene vierte Quartal gab das Unternehmen gestern einen Nettoverlust von 2,9 Mrd. $ bekannt - deutlich weniger als noch im Vorjahreszeitraum. Auch der Umsatz halbierte sich, er lag bei 2,3 Mrd. $. Analysten hatten dies bereits erwartet.

Ähnlich schlechte Nachrichten haben die Konkurrenten - darunter der US-Konzern Motorola und der kanadische Wettbewerber Nortel - bereits in den vergangenen Wochen verkündet. Zwar hat der US-Markt für Netzausrüster zurzeit noch ein Volumen von mehr als 50 Mrd. $, doch die Umsätze fallen rasant. Analysten gehen davon aus, dass sich das Auftragsvolumen in diesem Jahr im Vergleich zu 2001 um 50 % verkleinert und 2003 noch einmal um 10 bis 15 % schrumpft. Wann es wieder aufwärts geht, wagt niemand zu sagen. "Ich ziehe mich aus dem Prognosengeschäft zurück", sagte Nortel-Chef Frank Dunn Ende vergangener Woche.

Die Techniklieferen stecken tief in der Krise, denn die Kunden fahren ihre Investitionen deutlich zurück. Jüngstes Beispiel: Der Telekomkonzern SBC Communications will seine Investitionen für 2003 um 1,5 bis 2,5 Mrd. $ kürzen. Ähnliche Schritte planen auch andere Telekomnetzbetreiber.

Verizon und Bellsouth reduzierten ihre Investitionen nach Berechnungen der Banc of America Securities um jeweils 25 %, Qwest hat seine Investitionen in Infrastruktur sogar mehr als halbiert. Verschlimmert wird die Lage noch durch den Kollaps von Global Crossing und die Schwierigkeiten von Worldcom, die ebenfalls in Netze investierten und jetzt als wichtige Auftraggeber ausfallen.

"Die Investitionen sind auf dem Niveau von 1996. Wir haben noch nie so tiefe Einschnitte innerhalb so kurzer Zeit gesehen", sagt David Willis, Telekom-Analyst beim Marktbeobachter Meta Group.

Bill Lesieur, Analyst beim Marktforschungsunternehmen Technology Business Research rechnet daher mit einer Konsolidierungswelle in der Branche: "Der Markt schrumpft so stark, dass nicht alle großen Spieler 2003 profitabel sein können." Doch die Übernahmen werden erst starten, wenn die Auftragslage sich wieder bessert, meinen Branchenbeobachter. Bis dahin würden die Ausrüster ihr Geschäft noch stark umstrukturieren und Bereiche so zusammenlegen, dass sie für Käufer interessant seien. Denn die Übernahme der kompletten Unternehmen sei eher unattraktiv. Schließlich müsste der Käufer sich dann mit Fragen herumschlagen, ob er alle Mitarbeiter und Produkte behalten möchte und wie er diese integriere, sagt John Tysal, Direktor bei der Ratingagentur Standard & Poor's.

Als Übernahmekandidaten werden daher vor allem Nischenanbieter wie Ciena und Juniper gehandelt, weil sie Produkte anbieten, die die Angebotspalette der großen Konkurrenten gut ergänzen könnten.

Zur Zeit gilt Cisco als der Ausrüster, der am wahrscheinlichsten als Käufer auftreten wird. Das Unternehmen aus Sunnyvale in Kalifornien hat die Krise nach Aussagen von Marktbeobachtern bisher noch am besten gemeistert.

Der kanadische Telekom-Ausrüster Nortel hat indes Teile seines Glasfaser-Geschäfts bereits an den britischen Konkurrenten Bookham Technologies PLC für 108 Mill. $ in Aktien und Bargeld verkauft. Eine Verzweiflungstat, wie es scheint. Erst im vergangenen Jahr hatte Nortel diesen Geschäftsbereich für 3 Mrd. $ von JDS Uniphase gekauft.

Quartal würden die Umsätzen im schlimmsten Fall um bis zu 10 % zurückgehen und im besten Fall stagnieren. Danach sei aber wieder Besserung in Sicht, teilte das Unternehmen gestern mit. In einem Jahr will der Konzern wieder profitabel sein.

Nach Ansicht von Analysten kann Lucent auch kaum mehr weiter schrumpfen. Vielmehr scheine das Unternehmen wieder für die Zukunft gerüstet, heißt es in einer Studie von Vontobel.

Einige Analysten begründen ihren verhaltenen Optimismus für die Branche der Techniklieferanten noch etwas anders: Das jetzige Investitionsniveau der Telekomnetzbetreiber sei nicht ausreicht, um die steigende Nachfrage nach E-Mails und schnellen Internet-Zugängen zu stillen, sagt Steve Kamman, Analyst bei CIBC World Markets. Er glaubt, dass mit der stärkeren Nutzung von Filmen, Fotos und Musik im Internet auch die Netztechnik wieder deutlich leistungsfähiger werden müsse.

Quelle: Handelsblatt

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