Analysten sagen ein überdurchschnittliches Wachstum voraus
US-Tochter der Telekom verbessert Position

Das Geschäft hat sich gelohnt - zumindest aus Sicht der Deutschen Telekom. Die Übernahme der US-Mobilfunkgesellschaft Voicestream habe wichtige Größenvorteile gebracht.

BELLEVUE. "Wir erzielen jährlich Synergien von deutlich mehr als einer halben Milliarde Euro durch die Integration aller Mobilfunktöchter, allen voran der US-Beteiligung", sagte Rene Obermann, Chef der Telekom-Mobilfunksparte T-Mobile. Die Größenvorteile machten sich vor allem beim Einkauf bemerkbar sowie bei der Bestellung speziell auf die eigenen Dienste zugeschnittener Geräte, erläuterte er in Bellevue (US-Bundesstaat Washington), dem Sitz von Voicestream, das heute T USA-Mobile heißt.

Der Mobilfunk und da in erster Linie die US-Tochter sind die Wachstumstreiber der Telekom. Von der Mobilfunksparte hängt es ab, ob der Bonner Konzern dieses Jahr sein angestrebtes Wachstum beim Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) erreicht. T-Mobile soll 2003 ein Ebitda bis zu 6,4 Mrd. Euro erreichen, wovon etwa 1 Mrd. Euro aus den USA kommen soll. Das wäre eine Verdopplung des US-Ergebnisses vom Vorjahr. Die Telekom hat das Unternehmen jenseits des Atlantiks vor zwei Jahren für mehr als 30 Mrd. $ übernommen.

In den USA ist T-Mobile die sechstgrößte nationale Mobilfunkgesellschaft mit 10,8 Millionen Kunden. Analysten sehen das Unternehmen jedoch schon bald an der bisherigen Nummer fünf, Nextel, vorbeiziehen, wenn T-Mobile sein Wachstumstempo beibehält.

Im ersten Quartal dieses Jahres hat die Telekom-Tochter in den USA ein Drittel aller neuen Mobilfunkkunden angeworben - mehr als die Konkurrenten. Analysten von UBS Warburg erklären dies mit einem aggressiven Marketing des Unternehmens sowie günstigen Angeboten. Andere Anbieter hätten Sonderprogramme zurückgefahren, um ihre Bilanz aufzubessern - mit Erfolg: Unternehmen wie AT&T Wireless, Cingular sowie Verizon schrieben im ersten Quartal schwarze Zahlen.

Mobilfunkbetreiber bezahlen starken Kundenzuwachs zunächst häufig mit steigenden Kosten für Werbung und Handy-Subventionen, so dass langsameres Wachstum die Bilanz aufbessern kann. T USA-Mobile hat bisher allerdings neue Nutzer billiger gewonnen als die Konkurrenz: Die Kosten für die Gewinnung eines Kunden liegen nach eigenen Angaben bei 302 $ und sind damit niedriger als die der Wettbewerber. Am meisten lässt sich Nextel neue Kunden kosten: Das Unternehmen zahlt 450 $ pro neuen Nutzer.

In zwei Jahren will T USA-Mobile laut Unternehmenschef Robert Dotson 15 Mill. Kunden haben. Dann soll der US-Anbieter Investitionen aus eigener Kraft stemmen können.

Im ersten Quartal erwirtschaftete T USA-Mobile ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 312 Mill. $ und hat einen operative Gewinnspanne von 20 % - weniger als die Konkurrenten. Und auch bei der im Mobilfunk wichtigen Kennziffer, den durchschnittlichen Umsätzen pro Kunden und Monat, schneidet die Telekom-Tochter mit 47 $ schlechter ab als der Branchendurchschnitt. Analysten erklären dies mit dem geringen Anteil an profitablen Geschäftskunden, der bisher unter zehn Prozent liege.

Bis zum Jahresende sagen Experten T USA-Mobile weiter ein überdurchschnittliches Kundenwachstum voraus - die Schätzungen reichen von von 2,3 Millionen Neukunden bei Merrill Lynch bis zu 2,6 Millionen bei Morgan Stanley.

Laut Unternehmenschef Dotson profitiert das Unternehmen unter anderem von einer technischen Änderung bei der Konkurrenz: AT&T Wireless und Cingular stellen ihr Netz auf den GSM-Standard um und versuchen, ihre Kunden auf die neue Technik umzulenken. GSM gilt als die überlegene Technik, da sie sehr weit verbreitet ist. Derzeit haben die Unternehmen bei GSM aber noch eine geringere Netzabdeckung als T-Mobile, so dass die Telekom-Tochter laut Dotson Kunden abwerben kann. Das Netz von T-Mobile deckt knapp 80 % der Bevölkerung ab.

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