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Analysten sagen Ergebnisdelle bei Deutscher Post voraus

Die Deutsche Post hat nach Schätzungen von Branchenexperten im traditionell schwachen dritten Quartal weniger verdient als in den Monaten zuvor. Die befragten Analysten prognostizierten im Schnitt für den Bonner Konzern ein Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit (Ebit) von 450 Mill. ? in den Monaten Juli bis September 2001.

rtr BONN. Im Quartal zuvor hatte die Post, die am Donnerstag ihren Zwischenbericht vorlegen will, ein Ebit von 530 Mill. ? erzielt, von Januar bis März waren es noch 800 Mill. ? gewesen. Ein Vergleich mit dem Jahr 2000 ist nicht möglich, da die Post als damals noch nicht börsennotierte Gesellschaft keine Quartalszahlen veröffentlicht hatte.

Im ersten Halbjahr 2001 hatte die Deutsche Post World Net im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ihren Umsatz um knapp 7 % aus 16,82 Mrd. ? und ihr Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit vor Firmenwertabschreibungen (Ebita) um 5,5 % auf 1,41 Mrd. ? gesteigert. Für das dritte Quartal sagten die zehn befragten Banken und Investmenthäuser im Durchschnitt einen Umsatz von knapp 8,04 Mrd. ? und ein Ebita von 493,7 Mill. ? voraus. Branchenschätzungen zufolge dürfte dies Steigerungen von mehr als 15 % im Vergleich zum dritten Quartal 2000 entsprechen. Die höchste Ebita-Prognose belief sich auf 531 Mill. ?, der niedrigste Wert lag bei 453 Mill. ?. Beim Nettogewinn sagten die Analysten rund 205 Mill. ? im Durchschnitt voraus.

Insgesamt bewerteten die meisten Analysten die Deutsche Post und deren Geschäftszahlen als nach wie vor solide. Das operative Geschäft sei "recht ordentlich" und die Gewinnsituation "stabil", sagte Christian Obst von der Hypovereinsbank. Die Integration der zugekauften Unternehmensbereiche komme gut voran. Belastend für die "Aktie Gelb" wirkten sich weiterhin die lahme Konjunktur sowie der im kommenden Jahr voraussichtlich anstehende Verkauf weiterer Post-Anteile des Bundes aus. Hinzu komme die Verunsicherung durch mögliche Anschläge mit Milzbrand-Erregern. Am Freitag war die Aktie nach zunächst positiv auf Anthrax getesteten Postsendungen in Thüringen und Schlewig-Holstein unter Druck geraten. Später stellten sich die Sendungen als harmlos heraus.

Abhängig von der Konjunktur

Geschwächt würden die Post-Geschäfte weiterhin von der schlechten internationalen Wirtschaftslage, sagte Analyst Obst weiter. "Wenn die Konjunktur schlecht läuft, gibt es weniger zu verschicken." Krista Keppler von Merck Finck verwies allerdings darauf, dass das dritte Quartal bei der Post vermutlich die schwächste Periode in diesem Jahr sei. "Die Zahlen im dritten Quartal geben den Ton für das Gesamtjahr an", sagte die Analystin. Belastet habe die Woche nach den Anschlägen in New York und Washington, als keine Briefe und Pakete in die USA geflogen werden durften. Die Post bekomme sicher die internationale Konjunkturschwäche zu spüren, wobei das Briefgeschäft als stärkster Gewinnbringer des Konzerns am wenigsten anfällig sei, sagte Kepler weiter.

Für das Gesamtjahr 2001 hat sich Post-Chef Klaus Zumwinkel bisher ungebrochen optimistisch gezeigt und sich davon auch nicht durch die Ereignisse des 11. September abbringen lassen. "Wir sind ein Fels in einer etwas unruhigen Brandung", hatte der Vorstandsvorsitzende jüngst gesagt. Der Gewinn 2001 werden den Vorjahreswert übersteigen und die Umsatzrendite am oberen Rand der Markterwartungen liegen. Analysten trauten dieser Prognose bisher, warnten zugleich aber vor den Unwägbarkeiten auf Grund möglicher Anthrax-Briefe. Auch wenn nicht genau abzuschätzen sei, wie stark der Konsequenzen etwaiger Milzbrand-Briefe oder auch nur "harmloser" Sendungen von Trittbrettfahrern sein könnte, bleibe eine Unsicherheit, hieß es bei den Analysten. Dazu zähle auch die Frage möglicher Kosten der Sicherheits- und Schutzmaßnahmen für die Mitarbeiter.

Die Aktie der Deutschen Post legte am Montag mehr als 4 % auf 15,89 ? zu und notierte damit weiterhin deutlich unter ihrem Emissionspreis von 21 ? vor fast genau einem Jahr. Post-Chef Zumwinkel hat sich über diese Entwicklung bereits mehrfach unzufrieden gezeigt und eine Investoren-Offensive angekündigt. Fast alle befragten Analysten raten derzeit zum Kauf der Post-Aktie.

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