Analysten schauen auf Liquidität und Spezialisierung
Wenige Multimedia-Aktien machen das Rennen

Auch nach dem Platzen der Internet-Blase machen Multimedia-Agenturen noch Geschäfte. Nach der rasanten Talfahrt der im letzten Jahr wohl durchgängig überbewerteten Aktien scheint der Einstieg jetzt günstig, aber nicht risikolos, wie die Pleite des einstigen Börsenstars Kabel New Media zeigt.

HB FRANKFURT/M. Gestern top, heute flop: Kaum eine Branche ist so eng mit der Internet-Blase verknüpft wie die der Multimedia-Dienstleister. Zwar meint heutzutage nicht mehr jeder Pizza-Bringdienst, einen eigenen Webauftritt haben zu müssen, doch dass das damit das Geschäft der Internetagenturen tot sei, glauben nicht einmal hartgesottene Pessimisten. Schließlich wollen die vorhandenen Internetauftritte betreut und weiterentwickelt werden, und dank verbesserter Verschlüsselungstechnologien wird in einigen Jahren sicher mehr über das Web abgewickelt, als heute.

Unternehmen, die sich die notwendige Liquidität beschaffen, um die gegenwärtige Durststrecke zu überwinden, werden sich nach Einschätzung von Experten am Markt durchsetzen können und auch an der Börse wieder zu den Gewinnern zählen. Aber auch den Unternehmen, denen es gelingt, sich in einer Nische breitzumachen, die anderen verschlossen bleibt, prophezeien sie gute Chancen.

Die im vergangenen Jahr plötzlich aufziehende Internetskepsis führte nicht nur zu ausbleibenden Aufträgen, sondern ließ auch den Börsenwert der meisten am Neuen Markt notierten Multimediaagenturen zusammenschmelzen. Die meisten von ihnen haben seit Jahresbeginn mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren. Nur weil eine Aktie billiger ist als noch vor einem Jahr, ist sie jedoch noch lang kein Kauf. Das zeigte gerade erst das Beispiel Kabel New Media, gemessen am Umsatz wohl derzeit der Marktführer unter den deutschen Internetagenturen. Nur wenige Wochen, bevor das Unternehmen wegen gescheiterten Gesprächen mit einem Großinvestor Insolvenz anmelden musste, bestätigten mehrere seriöse Researchhäuser ihre Kaufempfehlung für die Aktie und begründeten dies mit der beachtlichen Größe der Hamburger Firma.

GFT steigt dank großer Partner in der Gunst

Die Schwarzwälder GFT AG rangiert zwar am Umsatz gemessen nur auf Platz zwei. In den stürmischen Zeiten für die Branche hat sich das bisweilen behäbig daher kommende Unternehmen aus dem Schwarzwald jedoch einen unschätzbaren Vorteil an Land gezogen: Nach der Deutschen Post steigt nun auch die Deutsche Bank als Großaktionärin ein und bringt im Gegenzug ihre IT-Tochter Emagine in die Gesellschaft ein. Analysten loben dieses Geschäft nicht nur, weil etwaige Liquiditätsengpässe in der Zukunft weniger bedrohlich erscheinen. "Emagine ist sehr stark in Spanien vertreten und könnte GFT somit als Brückenkopf für künftige Geschäfte auch in Lateinamerika dienen", sagt Rainer Raschdorf von der DG-Bank. Da er die Aktie auf ihrem gegenwärtigen Niveau bei 12 Euro für angemessen bewertet hält, empfiehlt er sie lediglich zum Akkumulieren.

Ebenfalls für viel versprechend hält er die Papiere der deutlich kleineren, aber hoch spezialisierten Antwerpes AG an. Das Unternehmen habe sich eine Expertise im Gesundheitsbereich erworben, die für andere Mitbewerber nur schwer zu knacken sei. Auch Peter Barkow, Analyst bei HSBC Trinkaus, empfiehlt den Titel zum Kauf. "Das Unternehmen ist nicht nur profitabel, sondern hält auch seine Planzahlen ein", lobt er.

Kleine Mitbewerber buhlen um Aufmerksamkeit

Während die breiter aufgestellten Agenturen Syzygy und Concept bei Analysten als unterbewertet und deshalb als möglicherweise interessante Übernahmekandidaten für strategische Partner gelten, buhlen die kleinen Mitbewerber wie Feedback, Blue C und Sinnerschrader eher erfolglos um Aufmerksamkeit. Die Feedback AG versucht sich im Bereich E-Learning zu positionieren und entwirft für große Unternehmen Materialien für die interne Fortbildung. Nachdem das Regensburger Unternehmen im März seine Prognosen nach unten schrauben mussten, will Vorstandschef Ernst Kick bis zum Jahresende eine schwarze Null schaffen. "Wenn wir das erreichen, stehen wir im Ansehen von Anlegern und Analysten ganz neu da", hofft er. Die ebenfalls kleine Blue C AG sucht sich ihre Nische im Marketing-Bereich, findet aber mangels Größe ebenfalls kaum Beachtung unter Analysten.

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