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Analysten sehen Bayer-Pharma-Allianz nicht als Befreiungsschlag

Ein wirklicher Befreiungsschlag für sein kränkelndes Pharmageschäft ist dem Chemie- und Pharmakonzern Bayer mit der neuen Vertriebskooperation mit dem US-Pharmakonzern Schering-Plough nach Einschätzung von Analysten noch nicht gelungen. Doch die Experten sind sich einig: Der Umbau gehe in die richtige Richtung und stärke die Ertragslage. Die Aktie kletterte bis zum frühen Nachmittag um 2,90 % auf 21,67 € und setzte sich damit an die Spitze des DAX .

dpa-afx LEVERKUSEN. Ein wirklicher Befreiungsschlag für sein kränkelndes Pharmageschäft ist dem Chemie- und Pharmakonzern Bayer mit der neuen Vertriebskooperation mit dem US-Pharmakonzern Schering-Plough nach Einschätzung von Analysten noch nicht gelungen. Doch die Experten sind sich einig: Der Umbau gehe in die richtige Richtung und stärke die Ertragslage. Die Aktie kletterte bis zum frühen Nachmittag um 2,90 % auf 21,67 ? und setzte sich damit an die Spitze des DAX .

"Das ist noch kein Befreiungsschlag", sagte Chemieanalystin Petra Meyer von Sal Oppenheim. Trotz der bereits eingeleiteten Umbaumaßnahmen sei noch kein klares Bild von den künftigen Strukturen zu erkennen. Für Meyer ist der nun vollzogene Schritt in den USA bereits "überfällig". Vor dem Hintergrund eines Marktanteils von unter einem Prozent in den USA sei Bayer in den vergangenen Jahren alleine auf dem weltgrößten Gesundheitsmarkt schlicht nicht weitergekommen.

Nach Ansicht des Investmenthauses Dresdner Kleinwort Wasserstein (Drkw) ist die Allianz ein "notwendiger Schritt in die richtige Richtung". Dennoch bleibe die Position von Bayer in der Pharma-Sparte schwach, schreiben die Experten in einer Studie.

Wenning: Keine Verkaufspläne FÜR Pharma

Im Zuge des Umbaus des Gesundheitsgeschäfts haben die Leverkusener mit der US-Firma Schering-Plough eine umfangreiche regionale Marketing-Kooperation geschlossen. Die Pharma-Aktivitäten von Bayer in den USA sollen auf das margenstarke Geschäft mit Spezialisten und Fachärzten konzentriert werden. Avelox, Cipro und Adalat sowie einige weitere Allgemeinarzt-Produkte sollen in den USA künftig von Schering-Plough vermarktet und vertrieben werden. Im ersten Halbjahr machte Bayer mit diesen Produkten in den USA rund 350 Mill. ? Umsatz. Die neue Vereinbarung soll zum 1. Oktober 2004 in Kraft treten und danach schnellstmöglich umgesetzt werden.

Vorstandschef Werner Wenning bekräftigte unterdessen, dass es keine Verkaufspläne für das Pharmageschäft gebe. Es bleibe ein Teil des Kerngeschäfts. Das Pharma- und Biologika-Geschäft werde im zweiten Halbjahr rentabel arbeiten, bekräftigte er eine frühere Prognose.

HVB-Analyst Andreas Heine ("Outperform") sieht die Allianz als Lösung für Bayers Marketing-Probleme in den USA. Auch die Analysten von Merrill Lynch ("Neutral") werteten die Vereinbarung als "positiven Schritt nach vorn". LRP-Analystin Silke Stegemann ("Marketperformer") wies darauf hin, dass die großen Hoffnungsträger in der Pharma-Pipeline von dem Abkommen nicht betroffen sind. "Damit hält sich Bayer noch immer die Möglichkeit offen, sein Pharmageschäft durch Innovationen nachhaltig zu stärken."

'Strategisch Vorteilhaft'

"Nach der Roche OTC-Akquisition ist diese Allianz ein weiterer Schritt um das notleidende Healthcare Segment zu stärken", schrieb LRP-Analystin Stegemann. Die Allianz sei "strategisch vorteilhaft". Auch das US-Investmenthaus Merrill Lynch bezeichnete die angekündigte Vertriebsallianz als "positiven und überraschenden Schritt". Dieser werde zu einer Senkung der Kosten führen.

Die 1 800 Mitarbeiter des US-Vertriebs stünden künftig nicht mehr auf der Bayer-Gehaltsliste, merkten die Analysten an. Sie würden entweder entlassen oder von Schering-Plough übernommen. Dieser Schritt werde Bayer nach dessen eigenen Angaben im Jahr 2004 zunächst 50 Mill. bis 70 Mill. ? kosten. Für die Folgejahre werde ein "positiver Ergebniseffekt" erwartet, hatten die Leverkusener mitgeteilt.

Insgesamt werde die Kostenbasis in den USA um 75 % reduziert, sagte der Vorsitzende des Executive Committees von Bayer Healthcare, Arthur Higgins. Er bekräftigte zudem die Margenziele für das Pharmageschäft in den USA.

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