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Analysten sehen bei Kinowelt trägen Rechteverkauf

Der schleppende Verkauf von Filmen an deutsche Fernsehsender bereitet dem Münchener Medienunternehmen Kinowelt Medien AG nach Ansicht von Analysten Probleme.

Reuters MÜNCHEN, 25. MAI. Der schleppende Verkauf von Filmen an deutsche Fernsehsender bereitet dem Münchener Medienunternehmen Kinowelt Medien AG nach Ansicht von Analysten Probleme. "Es sieht nicht so aus, als ob es im ersten Quartal größere Verkäufe gegeben hat, sonst hätte Kinowelt etwas bekannt gegeben", sagte ein Analyst, der nicht genannt werden wollte. Berauschend würden die Zahlen für das Lizenzgeschäft im ersten Quartal 2001 deshalb nicht werden, die das Unternehmen am Montag vorlegen will. Starke Wachstumsraten sehen die Experten aber im DVD-Geschäft. Die Schätzungen der von Reuters befragten Analysten liegen beim Umsatz für das erste Quartal zwischen 92 und 121 (Vorjahresquartal: 86,4) Mill. DM. Die Erwartungen für das Ebit liegen in einer großen Spanne von 12,6 bis 21 (15) Mill. DM.

Wenn Kinowelt weiter vor allem auf seinem für 560 Mill. DM vom US-Studio Warner Bros. erworbenen Filmpaket sitzen bleibt, sehen Analysten einen höheren Abschreibungsbedarf auf das Unternehmen zukommen. Bisher stehen die Film- und Merchandisingrechte von Kinowelt mit einem Wert von rund 1,2 Mrd. DM in den Büchern. DG-Bank-Analyst Harald Heider rechnet noch im laufenden Jahr mit zusätzlichen Abschreibungen von 50 Mill. DM und sieht das Medienunternehmen deshalb im Gesamtjahr in den roten Zahlen mit einem Verlust je Aktie von 0,20 (2000: plus 0,15) Euro. Er hat die Titel auf "reduzieren" eingestuft.

DVD-Geschäft der Kinowelt läuft erfolgreich

Auch Merrill-Lynch-Analyst Tubeileh hält den Wert des Rechtestocks für nicht gerechtfertigt. "Das ist viel zu viel", sagte er. Es sei nicht neu, dass Kinowelt Abschreibungen vornehmen müsse. Er sei aber nicht sicher, ob das noch in diesem Jahr passiere. Für viel Besorgnis erregender halte er die hohen Schulden des Unternehmens. Auf dem niedrigen Kursniveau von um die sechs Euro lohne es sich aber auch nicht mehr, die Titel zu verkaufen. Seine Anlageempfehlung laute deshalb "Halten".

Kinowelt sehe sich einem regelrechten Käuferstreik der Fernsehsender gegenüber, hieß es in Branchenkreisen. Vorstandschef Michael Kölmel habe es sich vor allem mit der Kirch-Gruppe verscherzt, als er um die Bundesligarechte mitgeboten und damit den Preis für die Kirch-Sender in die Höhe getrieben habe. Deshalb müsse das Unternehmen nun auf die öffentlich-rechtlichen Sender zählen. Im November hatte Kinowelt bereits 21 Spielfilme an das ZDF verkauft, darunter 19 Filme aus dem Warner-Paket. Sal. Oppenheim-Analyst Jens Herbst rechnet mit einer baldigen Verbesserung der Verkaufssituation. Die Sender bräuchten neue Inhalte. "Reality-TV hat sich doch abgenutzt, und die Programme sind voller Wiederholungen", erläuterte er.

Erfolgreich verläuft nach der Ansicht der Experten das DVD-Geschäft von Kinowelt. Nach Angaben des Bundesverbandes Video verdreifachte sich der branchenweite Absatz in Deutschland im ersten Quartal auf 3,9 Mill. DVDs, die zunehmend anstelle von Video-Kassetten für den Vertrieb von Filmen genutzt werden. "Davon sollte auch Kinowelt profitieren", sagte Herbst. Auch der Filmverleih laufe angesichts zunehmender Zuschauerzahlen gut. Im Bereich Merchandising rechnet Herbst noch mit einem negativen Quartalsergebnis.

Am Freitag kletterten die im Nemax50-Index notierten Aktien von Kinowelt bis zum Vormittag um 1,2 % auf 5,84 Euro. Ende Januar hatten sie noch bei 23,35 Euro notiert.

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