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Analysten sehen Branche nach Yahoo-Warnung skeptisch

Die zweite Gewinn- und Umsatzwarnung des Internet-Anbieters Yahoo in diesem Jahr bedeutet nach Ansicht von Analysten, dass auch anderen Internet- oder Medienfirmen geringere Werbeeinnahmen bevorstehen könnten.

Reuters PALO ALTO. Die kurzfristigen Bedingungen für die Internetindustrie sähen düster aus, sagte Abhishek Gami, Analyst bei William Blair and Co in Chicago. Analysten zufolge hat die Entwicklung bei Yahoo nicht nur direkten Einfluss auf andere Firmen. Vielmehr habe die rapide Veränderung der Geschäftsbedingungen seit Januar den Analysten einen gehörigen Schrecken eingejagt.

Yahoo hatte am Mittwoch mitgeteilt, im laufenden Quartal nun noch ein ausgeglichenes Ergebnis zu erwarten, nachdem Analysten bislang einen Gewinn von fünf Cent je Aktie vorhergesagt hatten. Begründet wurde die Rücknahme der Prognose damit, dass einige Kunden ihre Werbeausgaben im Zuge des nachlassenden Wachstums der US-Wirtschaft eingefroren hätten. Für den Umsatz sagte Yahoo für das Quartal zwischen 170 und 180 Mill. US $ voraus. Analysten hatten 232,6 Mill. US $ erwartet. Auch für das Gesamtjahr 2001 erwartet Yahoo nun nur noch ein ausgeglichenes Ergebnis, nachdem Analysten bisher 36 Cents vorhergesagt hatten.

Nachteilige Folgen für Online-Werbemarkt

"Ich war sehr überrascht von der Größenordnung des Yahoo-Defizits", sagte Derek Brown, Analyst bei W.R. Hambrecht in San Francisco. Für den Online-Werbemarkt werde das sehr nachteilige Folgen haben. Den von Yahoo genannten Absprung der Werbeträger verfolgen Analysten mit Sorge, da viele Internet- Firmen ihren Umsatz durch Werbung auf ihren Websites erzielen. Branchenexperten sagte, sie gingen davon aus, dass etwa die Internet Service Firma ExciteAtHome und die auf Technik spezialisierte Website Cnet Networks Inc demnächst ähnliche Probleme haben würden. Es gebe allerdings zu viele Firmen mit Schwierigkeiten, um sie alle aufzulisten, sagten Analysten.

Yahoo hatte auf Investitionen aus der traditionellen Wirtschaft (old economy) gehofft, um den Rücklauf der Internet-Werbekunden auszugleichen. Die old economy sei allerdings zögerlich, ihr Geld in Internetfirmen anzulegen, hieß es. Der Versuch, Internet-Werbeträger mit anderen Werbekunden zu ersetzen, sei schon schwierig genug, wenn die Geschäftsbedingungen perfekt seien, sagte Analyst Brown. In der aktuellen Situation sei dies hingegen eine außerordentliche Herausforderung. In den vergangenen Wochen hatte bereits eine Reihe von US-Unternehmen Gewinn- und Umsatzvorhersagen gesenkt und dies mit dem nachlassenden Wachstum der US-Wirtschaft begründet.

Allerdings gehen Beobachter davon aus, dass es nach einer Erholung in der Werbeindustrie letztlich genau wieder die Werbebranche sein wird, die Yahoo stützt. Werber würden in der Regel ihren Kunden folgen, hieß es. Zunächst einmal müsse Yahoo aber ganz im Stil der old economy Klinken putzen gehen, um neue Kunden zu gewinnen.

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