Analysten sehen das Projekt skeptisch
Planspiele um Super-Anlagenbauer

Seit Wochen halten sich hartnäckig Spekulationen, Deutsche Bank und Allianz wollten aus Babcock Borsig, Thyssen-Krupp und MG einen neuen Konzern schmieden, in Form einer Deutschen Anlagenbau AG.

jkn/mm FRANKFURT/M. Die Deutsche Bank und die Allianz spielen offenbar mit dem Gedanken, den deutschen Anlagenbau radikal umzubauen. Die Übernahme von fast 9 % der Babcock-Borsig-Anteile durch die Deutsche Bank hat Spekulationen, dass die Finanzinstitute eine Deutsche Anlagenbau AG ins Leben rufen wollen, neuen Auftrieb gegeben.

"Solche Überlegungen gibt es", bestätigt ein ranghoher Frankfurter Investmentbanker. Auf oberster Ebene der Beteiligten hätten bereits Gespräche stattgefunden. Es wäre aber falsch zu sagen, dass im Moment mit Hochdruck an einem solchen Konzept gearbeitet werde. Mit einer schnellen Lösung sei deshalb auch nicht zu rechnen. Binnen Jahresfrist könne aber Bewegung in die Sache kommen. Vor allem die Beteiligungen der Finanzinstitute, die Babcock Borsig AG und der Anlagenbau der MG Technologies AG könnten in den Super-Anlagenbauer eingebracht werden. Auch von der Thyssen-Krupp AG ist die Rede.

Die beteiligten Unternehmen wollen zu den Spekulationen keine Stellung nehmen. Die Deutsche Bank möchte zu diesem Thema ebenfalls keinen Kommentar abgeben. Aus Kreisen der Allianz heißt es, der Versicherer sehe sich in diesem Fall lediglich als Finanzinvestor, nicht als Akteur, der strategisch-industriepolitische Entscheidungen treffe.

Die meisten Experten stehen den Plänen sehr skeptisch gegenüber. "Die Idee ist uralt und wird durch die ständige Wiederholung nicht realistischer", erklärte ein Branchenkenner. Auch Erhard Schmitt, Analyst bei Helaba Trust, glaubt, dass "die Idee nur sehr schwer zu realisieren ist". Die genannten Unternehmen seien in sehr speziellen Nischen tätig, Überlappungen oder Ergänzungen gäbe es kaum.

In der Tat zeigt der Blick auf die Anlagenbau-Bereiche der drei Firmen, dass der Verbund zu einem Sammelsurium verschiedener Spezialitäten geraten würde. Thyssen-Krupp könnte den Anlagenbau in den Bereichen Chemie (Uhde), Zement (Polysius), Entkokung (EnCoke) und Fördertechnik beisteuern. Aus den Reihen der MG käme der Chemieanlagenbau (Lurgi) hinzu. Babcock Borsig wiederum ist stark im Kraftwerksbau. Selbst die beiden Chemieanlagen-Spezialisten Uhde und Lurgi würden nur unter großen Schwierigkeiten zusammen passen, heißt es in Branchenkreisen. Hinzu kommt: Die Firmen arbeiten mit sehr speziellen Technologien, was einen Verbund zusätzlich erschweren würde.

Denkbar wäre allerdings, anstelle des gesamten Anlagenbaus nur den Bereich Contracting (Generalunternehmer) zu bündeln. Carsten Kunold von der BHF Bank würde ein solches Konzept begrüßen. Er verweist auf das Beispiel Amerika, wo mit Bechtel einer der weltgrößten Generalunternehmer des Anlagenbaus sitzt. "Der Anlagenbau in Amerika hat den Vorteil, dass er bereits stärker konzentriert ist und dass Engineering- und Contracting-Geschäft getrennt sind", begründet Kunold seine Ansicht.

Eine solche Argumentation kann MG-Chef Kajo Neukirchen freilich nicht nachvollziehen. Zwar sei ein weltweit tätiger Generalunternehmer sinnvoll. "Aber wir arbeiten ja schon heute mit Bechtel zusammen", erklärt Neukirchen.

Quelle: Handelsblatt

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