Analysten sehen Entwicklung zu zyklischen Konzernen
Software-Branche verliert innovatives Image

Angesichts des anhaltend schwierigen Marktumfelds droht der Software-Industrie eine grundlegende Neubewertung durch die Analysten.

FRANKFURT/M. Die Investmentbank Morgan Stanley etwa hat das Thema in einer Studie über den deutschen Software-Konzern SAP aufgenommen: Die Experten bezweifeln, dass die Branche weiter eine Bewertung mit Innovations- und Wachstumsstatus verdient. SAP sei dabei, sich von einer sicheren Wachstumsfirma hin zu einem reifen, zyklischen Konzern zu entwickeln.

"Ich glaube, die Bewertungsdiskussion wird durch die Fälle von Bilanzmanipulationen in den USA an Schwung gewinnen", sagte Helmuth Gümbel, Berater bei Strategy Partners, dem Handelsblatt. Für viele große Software-Hersteller hätte die neue Sichtweise drastische Folgen. Nach der monatelangen Talfahrt der Kurse sind SAP, Oracle und Microsoft mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen zwischen 24 und 29 noch relativ hoch bewertet. Klassische Industrieunternehmen wie Daimler-Chrysler und Linde pendeln zwischen 13 und 15.

Doch angesichts hoher Investitionen in die Informationstechnologie (IT) und eines häufig nur mangelhaften "Returns" sei die Bereitschaft der Unternehmen, in Software zu investieren, auf Dauer sehr gering, sagen Analysten. "Wir hatten mit der Jahr-2000-Umstellung und der Internet-Euphorie zwei Boom-Phasen, in denen die Preise hoch waren. Deshalb gibt es jetzt mehr Platz für die Konsolidierung", sagt Christophe Chalons, Deutschlandchef beim Marktforscher Pierre Audoin Conseil. Gleichzeitig ist der versprochene "Return on Investment" häufig nicht sichtbar. "Es gibt mittlerweile fundamentale Zweifel an der Wertschöpfung einer Software", berichtet Gümbel.

Zudem wollen die Manager ihre IT-Kosten auf Dauer senken. Viele erwägen, sich von ihren IT-Abteilungen zu trennen. Das bietet großen IT-Dienstleistern wie CSC Ploenzke, EDS und IBM Potenzial. Die Software-Anbieter werden sich dagegen mit einem kleineren Teil des IT-Kuchens zufrieden geben müssen. "Die Margen, die häufig sowieso nur auf dem Papier stehen, sind dabei zusammenzuschmelzen", sagt Gümbel. Damit wäre auch die Hoffnung dahin, nach der Konjunkturflaute zu den einstigen Wachstumsraten von 20 % und mehr zurückkehren zu können. "Die Branche benimmt sich zyklisch, und dies in wachsendem Maße", sagt Gümbel.

Gleichwohl warnt IT-Experte Chalons davor, der Software-Branche jegliche Wachstumschancen abzusprechen. "Wunder werden seltener. Aber die Wachstumsaussichten der IT-Branche bleiben für die kommenden 50 Jahre bestehen, wenn auch nicht mehr im bisherigen Umfang."

Quelle: Handelsblatt

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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