Analysten sehen für Börsen-Aktien noch viel Kurspotenzial
Börsenaktien trotzen der Baisse

In einem Umfeld schwankender Märkte halten viele Analysten Börsen-Aktien für ein attraktives Investment. Am besten gefällt den meisten Analysten die Aktie der Deutschen Börse AG, die bald in den Dax aufgenommen wird.

DÜSSELDORF. Seit 1986 sind die Umsatzzahlen der börsengehandelten Derivate stetig gewachsen. In dem von starken Kurseinbrüchen geprägten Jahr 2001 stiegen die Umsätze sogar überproportional um mehr als 46 Prozent. Der zunehmende Derivatehandel stellt inzwischen einen der wichtigsten Wachstumsfaktoren der Börsen dar.

Die Deutsche Börse AG präsentierte für das dritte Quartal 2002 ihr bislang bestes Ergebnis mit einem Umsatzrekord von 388 Mill. Euro. Der Terminmarkt Eurex erwies sich wieder einmal als der Goldesel der Gruppe. Mit Umsatzerlösen von 97 Mill. Euro schnitt das Segment für den Derivatehandel am stärksten ab.

"Das gute Ergebnis der Deutschen Börse im dritten Quartal ist eigentlich nur auf das Derivategeschäft der Eurex zurückzuführen. Der Aktienhandel verlief schwächer als in den vergangenen drei Jahren", sagt Johannes Thormann, Analyst bei der WestLB Panmure. Ob der Derivatehandel in den kommenden Jahren weiter so stark zunehmen wird ist aber fraglich. "Ich rechne damit, dass die Kontraktzahlen 2003 relativ stabil sein werden. Dafür werden sich die Margen verbessern, was zu höheren Umsätzen führen wird", sagt Analyst Thormann, der die Aktie der Deutschen Börse mit "neutral" bewertet und ein Kursziel von 44 Euro angibt.

Thormann erwartet, dass sich die Titel des Börsenanbieters Euronext dagegen besser als der Markt entwickeln werden. Den Kurs sieht er bei 26 Euro. Der WestLB Panmure-Analyst rechnet mit einem positiven Nachrichtenfluss aufgrund guter Quartalszahlen der Euronext, zu der die Handelsplätze Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon sowie die Londoner Derivatebörse Liffe gehören. Zudem sei das Kassamarktgeschäft der Euronext besser verlaufen als das der Deutschen Börse.

Olgerd Eichler, Aktienfondsmanager bei Union Investment, favorisiert die Titel der Deutsche Börse vor den Euronext-Aktien. Das bessere Abschneiden des Aktienhandels erklärt er damit, dass an den Euronext-Handelsplätzen sehr liquide Papiere gehandelt werden. Außerdem hätte der Frankfurter Parketthandel der Deutschen Börse AG, der immer mehr an Bedeutung verliert, die Umsätze nach unten gezogen. Als weiteren Grund fügt der Fondsmanager an, dass die Vergleichsbasis bei Euronext niedriger gewesen sei: "Die Umsätze im dritten Quartal 2001 waren schwächer, weil unter anderem der Handelsplatz Lissabon erst in diesem Jahr dazu kam."

Die UBS Warburg-Analystin Simone Glass empfiehlt sowohl die Aktien der Deutsche Börse AG als auch der Euronext mit "strong buy". "Börsen-Aktien sind mit Sicherheit sehr defensive Titel, die tendenziell outperformen, wenn die Märkte schwach sind", erklärt die Börsenexpertin ihre Einschätzung.

Ihre Empfehlung für die Titel der London Stock Exchange (LSE) lautet dagegen nur "buy". "Die LSE ist ohne den Handel mit Derivaten etwas enger aufgestellt als ihre beiden europäischen Konkurrentinnen. Da der Derivatehandel aber ein sehr umsatzstarker Bereich ist, werden Deutsche Börse und Euronext besser performen", fügt Glass hinzu. Auch Olgerd Eichler von Union Investment sieht für die LSE-Aktien weniger Kurspotenzial: "Die Titel haben eine relativ hohe Bewertung. Da die London Stock Exchange als Übernahmekandidat gilt, ist hier eine Übernahmeprämie eingepreist."

Die Deutsche Börse-Titel hält Eichler dagegen für sehr günstig bewertet: "Aufgrund der Qualität und der Wachstumschancen sehe ich für die Aktie noch deutliches Kurspotenzial." Die Aufnahme der im MDax notierten Deutsche Börse AG in den Deutschen Aktienindex sieht Eichler als Chance, dass dem Papier mehr Aufmerksamkeit zu Teil wird. "Das wird zu einer Bewertung führen, die auch adäquat ist", ergänzt Fondsmanager Eichler.

Mittelfristig rechnet er mit einem zweistelligen Gewinnwachstum für die Deutsche Börse. "Im Gegensatz zu anderen Unternehmen sind die Markteintrittsbarrieren in diesem Sektor sehr hoch. Börsen waren bis vor einigen Jahren noch Vereine, die nicht auf Profit aus waren. Erst jetzt befassen sich auch diese Unternehmen mit dem Shareholder Value-Gedanken. Die Margen sind hier noch lange nicht völlig ausgeschöpft", erklärt Union Investment-Manager Eichler.

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