Analysten sehen gute Chancen für deutsche Märkte
Anleger sollen "Pulver trockenhalten"

Ein gemischt positives Bild zeichnen die drei am Dienstagnachmittag befragten technischen Analysten. Sie alle sehen gute Chancen für die deutschen Aktienmärkte, eine Bodenbildung hinter sich gebracht zu haben oder zumindest gerade dabei zu sein. Kein Analyst vertritt eine ausgeprägt negative Meinung.

vwd FRANKFURT. Nur beim kurzfristigen Potenzial für Dax und Nemax tendieren die Analysen eher in Richtung Süden. Hier fehle es den Indizes an Kraft für den weiteren Aufschwung in der bisherigen Stärke. Allerdings betonen die Analysten auch, dass Bodenbildung kein Synonym für einen Bullenmarkt ist.

Ein Korrekturpotenzial unterschiedlichen Ausmaßes räumen sie alle den Aktienmärkten ein. Einen sofortigen Anlagedruck sieht demzufolge keiner der Befragten für Anleger in deutschen Aktien. Eher im Gegenteil. Die Mehrzahl der Analysten verlangt vom Markt noch eine Bestätigung der positiven Tendenz. Dies könnte zum Beispiel erfolgen, indem schwere Widerstandslinien überwunden werden.

So einen Widerstand sieht Sarah Lütgert von HSBC Trinkaus & Burckhardt denn auch in der oberen Begrenzung des Abwärtskanals vom März. Das "lange Bild" sei in Ordnung, sagt die technische Analystin. Ob der DAX jedoch die Kraft habe, "da in einem Zug durchzugehen", bezweifelt sie. Schließlich seien die Indikatoren bereits jetzt überkauft und Rückschläge damit nicht auszuschließen. Unter dem Strich bewertet sie ihre DAX-Analyse jedoch als "zaghaft optimistisch".

Stephen Schneider von der WGZ-Bank stimmt ihr zu. Auch er sieht den Widerstand kurzfristig als entscheidend. Eine kleine Aufwärtsbewegung könne bis dahin noch führen, dann werde aber eine Korrektur einsetzen. Insgesamt bezeichnet er das Bild als "noch nicht abschließend zu beantworten". Denn für ein idealtypisches Ende einer Abwärtsbewegung "fehlt noch der letzte Move nach unten", sagt Schneider. Dennoch sieht er in der aktuellen Situation "einen generellen Trendwechsel und eine riesige Bodenbildung". Die positiven Divergenzen der Indikatoren am letzten Tief unterstützen seine Beobachtung. Schneider rät Anleger, einfach noch abzuwarten. Besonders langfristigen Investoren "kann es egal sein, ob sie bei 6 300 oder 6 500 Punkten in den Dax einsteigen".

In derselben Richtung, aber mit umgekehrten Zeithorizonten argumentiert dagegen Wieland Staud von Staud Research. Staud ist für die nächsten Monate sehr positiv und stützt sich damit auf einen Contrary-Opinion-Ansatz. "Wenn etwas Gutes kommt", so Staud, "dann kommt es jetzt", sagt er und spielt auf die Mehrheitsmeinung der Analysten an, die größtenteils auf einen Aufschwung im zweiten Halbjahr setzen. Daneben sieht er auch die Trendwende in den indexbeherrschenden Telekom-Titeln europaweit als geschafft. Doch Staud warnt auch vor verfrühter Euphorie: "Ich glaube erst an ein gutes Aktienjahr, wenn wir die 7.000er-Marke überbieten", sagt er.

Diese Marke ist sein Ziel der laufenden Korrekturbewegung nach oben. Dort seien aber so viele Widerstände im Markt, dass ein Rückfall hochwahrscheinlich ist. "In diesem Tempo kann es einfach nicht weitergehen", sagt Staud. Zu einem bekennenden Optimisten werde er, sobald die Hürde von 7 000 Punkten genommen wird. Ähnlich schätzt er auch den Neuen Markt ein. Die von allen Befragten übereinstimmend als "am Tropf der Nasdaq hängend" bezeichnete Wachstumsbörse erschließe sich darum auch am besten nach einer Analyse der Nasdaq. Und für die ist Wieland Staud positiv gestimmt. Schließlich habe sie ihren Abwärtstrend gebrochen und "das tut kein Markt, der nicht nach oben will", sagt er.

Überall seien Kaufsignale zu beobachten. Nur, der Neue Markt sei noch nicht soweit, sagt Staud. Kurzfristig fehle ihm die Kraft, die Widerstände zu nehmen. Dennoch bewertet er das Verhalten des Nemax, von oben auf den fallenden Trendlinien aufzusetzen als sehr positiv: "So müssen große Trendwenden anfangen", sagt er. Und Stephen Schneider pflichtet ihm bei: Hier müsse den Kursen nicht hinterhergelaufen werden. Momentan sieht Schneider das Risiko noch in keinem Verhältnis zur Chance und rät den Anlegern am Neuen Markt, "ihr Pulver trockenzuhalten".



Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%