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Analysten sehen im VW-Tarifkonflikt kaum Spielraum für Konzern

Begleitet von ersten Warnstreiks hat am Montag in Wolfsburg die sechste Runde der Tarifverhandlungen für die westdeutschen Volkswagen-Beschäftigten begonnen.

dpa-afx FRANKFURT/WOLFSBURG. Begleitet von ersten Warnstreiks hat am Montag in Wolfsburg die sechste Runde der Tarifverhandlungen für die westdeutschen Volkswagen-Beschäftigten begonnen. Die IG Metall hat inzwischen zwar erste Kompromissbereitschaft signalisiert, doch gelten die Positionen von VW-Management und Arbeitnehmervertretern als meilenweit voneinander entfernt.

Unter manchen Analysten hingegen wächst die Zuversicht, dass beide Seiten zu einer einvernehmlichen Einigung finden. Sicher ist für die Beobachter vor allem eines: Der Volkswagen-Konzern steht unter solch einem gewaltigen Kostendruck, dass der Verhandlungsspielraum für das Management um Konzernlenker Bernd Pischetsrieder nur gering ist.

'Kein Spielraum'

Volkswagen müsse das Problem der im internationalen Vergleich viel zu hohen Lohnkosten in den Griff kriegen, heißt es unisono bei den Experten. "Der Konzern ist nicht in der Lage, große Konzessionen zu machen", sagt Analyst Jochen Gehrke von Kepler Equities. Sollte Volkswagen die geplanten Kostensenkungen von 30 Prozent bis zum Jahr 2011 nicht durchfechten können, würde dies eindeutig in ein paar Jahren den Verlust von Arbeitsplätzen in Deutschland bedeuten. "Der Konzern hat viele freie Kapazitäten, wohin er seine Produktion dann verlagern kann", sagt Gehrke.

Sollte VW seine Forderungen nicht durchsetzen können, sieht auch der Autoexperte Patrick Juchemich von der Privatbank Sal. Oppenheim die Gefahr einer neuen Eskalation in ein paar Jahren,. "Der Konzern darf kein Interesse an einer einseitigen Beschäftigungssicherung haben, sonst kommt das Problem irgendwann wieder auf den Tisch." Eine Beschäftigungssicherung müsse mit zusätzlichen Flexibilisierungen bei der Vergütung und der Arbeitszeit einhergehen, fordert der Experte. "Echte Lohnkürzungen wird VW aber nicht durchbekommen", ist sich Tim Schuldt von der DZ Bank sicher.

Gewerkschaft IN Schwacher Position

Trotz der scharfen Töne der IG Metall sieht Juchemich die Gewerkschaft, die anfangs noch eine Lohnerhöhung von vier Prozent und Arbeitsplatzgarantien gefordert hatte, in einer schwachen Verhandlungsposition. "Sie müssen konstruktiv mitarbeiten, und ich erwarte, dass sie VW entgegenkommen werden", sagt der Experte. Die Gewerkschaften hätten von den Streiks in der ostdeutschen Autoindustrie im vergangenen Jahr lernen müssen, dass sie nicht bedingungslos in der Bevölkerung unterstützt würden.

"Und die Mitarbeiter wissen, dass sie einen konstruktiven Dialog mit dem Management brauchen", sagt Christoph Stürmer vom Prognoseinstitut Global Insight. Keine der beiden Seiten sitze hier am längeren Hebel, sagt der Experte. "Das Problem ist so nicht lösbar, nur verschiebbar." Ein Ausufern des Konflikts schließt er nicht aus. Lösungen müssten von der Politik kommen, die mit drastischen Steuersenkungen auf das "Strukturproblem in Deutschland" reagieren müsse, fordert Stürmer.

Kein Langer Konflikt

Analyst Juchemich rechnet unterdessen damit, dass der Konflikt bei Volkswagen nicht mehr lange andauert. "Ich denke, dass wir noch vor der Aufsichtsratssitzung am 12. November eine Indikation bekommen werden, dass beide Seiten vor einer Einigung stehen", sagt Juchemich. Sollte es aber doch zu einem Streik kommen, könnte Volkswagen dies "eine Weile" aussitzen, schätzt Gehrke. Wieviel ein Streiktag den Konzern kosten dürfte, sei schwer zu sagen. Schädlich für VW werde es dann, wenn auch die übrigen Konzernteile wie etwa Audi, Seat oder Skoda betroffen würden, meint Juchemich.

Doch damit rechne derzeit tatsächlich niemand. Letztendlich könne Volkswagen auch daran nicht gelegen sein. "An der Börse wird derzeit von einer Woche Warnstreiks ausgegangen", sagt Autoexperte Schuldt. Dies würde das Papier nicht belasten. "Alles was darüber hinausgeht, wird unangenehm für die Aktie." Eine Einigung hingegen, wie auch immer sie aussähe, sollte den Titel laut Schuldt zumindest kurzfristig wieder nach oben bringen. "Ich denke, beide Seiten werden die Einigung für sich positiv auslegen."

Nach DEM Tarifkonflikt

Schuldt erwartet, dass nach dem Tarifkonflikt vor allem das Kostensenkungsprogramm "Formotion" und die mögliche Ergebnisentwicklung im kommenden Jahr wieder in den Vordergrund rückt. Ein wichtiger Punkt ist für Jochen Gehrke die Bestellung des ehemaligen Daimler-Chrysler-Managers Wolfgang Bernhard, der die Marke VW wieder flott machen soll.

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