Analysten sehen neuen Dämpfer für Konjunkturerholung
Konjunkturzahlen belasten kurzzeitig den Dax

Nach dem unerwartet stark gesunkenen Auftragseingang im verarbeitenden Gewerbe in Deutschland haben die deutschen Aktienmärkte am Donnerstag vorübergehend die vorherigen Kursgewinne wieder abgegeben und sind sogar ins Minus gerutscht. Doch schon am fürhen Nachmittag dreht sich das Bild wieder.

rtr/dpa-afx FRANKFURT. Der Dax notierte nach Bekanntgabe der Konjunkturzahlen am frühen Nachmittag 0,03 % unter seinem Vortagesschluss bei 5 261 Punkten. Doch schon gegen 14.20 Uhr drehte er wieder deutlich ins Plus auf 5 302. Der MDax für mittelgroße Werte tendierte fast ein Prozent schwächer bei 4 278 Zählern. In den USA deuteten die maßgeblichen Futures Händlern zufolge auf eine knapp behauptete Eröffnung der Märkte an. Am Vortag hatten sowohl der Dow-Jones-Index wie auch die Technologiebörse Nasdaq oberhalb von wichtigen Widerstandsmarken geschlossen.

"Der Rückgang des Auftragseingangs ist viel stärker als erwartet", sagte Holger Fahrinkrug, Analyst bei UBS Warburg, mit Blick auf die deutschen Auftragseingänge. "Auch für die kommenden Monate rechnen wir nicht mit einer Wende", sagte Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus. Aktienhändler sagten, die Hoffnung auf eine baldige Konjunkturerholung habe damit wieder einmal einen Dämpfer erhalten. "Der Markt reagiert nun sehr abwartend." Ohne größeren Einfluss auf die Märkte werde vermutlich die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) bleiben. Von den am Nachmittag erwarteten Konjunkturdaten in den USA hingegen erwarteten Anleger wichtige Hinweise, ob sie weiter auf steigende Kurse setzen können oder aber besser die erzielten Gewinne in klingende Münze umsetzen sollten.

Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums ist der Auftragseingang im verarbeitenden Gewerbe in Deutschland im Oktober gegenüber dem Vormonat preis- und saisonbereinigt um 0,9 % gesunken. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem unveränderten Wert zum Vormonat gerechnet.

Deutlich unter Druck standen die Papiere der Deutschen Lufthansa, die rund fünf Prozent auf 15,41 ? nachgaben. "Die Wandelanleihe der Lufthansa übt einen Druck auf die Aktie aus", sagte ein Aktienhändler. Der Aufwärtstrend des Papiers sei aber noch intakt. "Die Wandelanleihe zeigt, dass die Firma dringend Geld benötigt." Das Unternehmen teilte am Morgen mit, eine Wandelanleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren und einem Volumen von 500 Mill. ? auszugeben. Zudem gab die Fluglinie bekannt, die Bestellung von 15 Airbus A 380-800 beschlossen zu haben.

Unter Gewinnmitnahmen litten Händlern zufolge die Papiere des Chip-Herstellers Infineon, die um mehr als zwei Prozent auf 27,52 ? nachgaben. Am Mittwoch hatte die Aktie mehr als 17 % an Wert gewonnen. Außerdem laste die nach Händlereinschätzung mittlerweile weniger wahrscheinlich gewordene Kooperation der Chip-Hersteller Hynix und Micron Technology auf der Infineon-Aktie. Kooperationsbestrebungen hatten zuletzt die Hoffnungen auf höhere Chip-Preise genährt. Hynix Semiconductor hatte am Donnerstag mitgeteilt, im Falle einer strategischen Allianz von Micron Technology auch einen Bargeld-Anteil zu erwarten. "Ich wäre vorsichtig mit der Chip-Euphorie", sagte ein Händler.

Im Mittelpunkt des Handels standen auch die Anteilsscheine von Siemens, die 0,69 % auf 74,16 ? zulegten. Der Elektronikkonzern rechnet mit einer Ergebniserbesserung im laufenden Geschäftsjahr 2001/02 (zum 30. September). Das erste Quartal werde jedoch noch von Restrukturierungskosten belastet werden. "Der Ausblick ist nicht neu", sagte Christopher Heminway, Analyst bei Lehman Brothers in London. Zu den starken Kursgewinnen des Vortages und im frühen Donnerstaghandel sagte der Analyst: "Wir sehen gerade einen Enthusiasmus für zyklische Werte."

Die Aktie von Bayer erhöhte sich um mehr als ein Prozent auf 37,00 ?. An diesem Donnerstag tagt der Aufsichtsrat des Pharmakonzerns. Dabei will der Vorstand nach Analystenangaben die neue Struktur des Konzerns mit vier rechtlich unabhängigen Aktiengesellschaften Gesundheit, Landwirtschaft, Chemie und Polymere vorstellen.

Die EZB wird auf ihrer Ratssitzung die Leitzinsen nach Einschätzung der meisten Analysten unverändert lassen und erst ab Januar die Geldpolitik angesichts der deutlichen Konjunkturschwäche weiter lockern. Zurzeit beträgt der Leitzins 3,25 %.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%