Analysten sehen nicht mehr viel Potenzial für die Aktie
Commerzbank hat sich Luft verschafft

Endlich erzielt die Commerzbank wieder einen Quartalsgewinn - doch von Euphorie ist am Markt wenig zu sehen. Einige Wertpapierhäuser quittieren das Ergebnis sogar mit Herabstufungen, die Aktie zählte gestern lange Zeit zu den Tagesverlierern.

FRANKFURT/M. Die Vorsicht ist berechtigt. Denn ein gutes erstes Quartal ist noch keine Garantie für einen Jahresgewinn, das Risiko für Rückschläge bleibt hoch.

Im Vergleich zu den miserablen Vorquartalen hat die Bank zwar einen großen Schritt nach vorn gemacht. Doch mit 1,5 Prozent Eigenkapitalrendite vor Steuern ist sie weit davon entfernt, ihre Kapitalkosten zu erwirtschaften. Und für einen Turnaround-Kandidaten ist der Wert mittlerweile recht teuer: Seit der Veröffentlichung des Jahresergebnisses Anfang Februar hat er immerhin rund 50 Prozent gewonnen. Einige Analysten haben ihr Kursziel nach den vorgestern vorgelegten Quartalszahlen zwar erhöht. Allzu viel Kurspotenzial sehen sie zurzeit aber nicht mehr.

Doch die Commerzbank-Aktie jetzt aus den Augen zu verlieren, könnte sich rächen. Denn trotz vieler Risiken hat Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller eine Basis für positive Überraschungen geschaffen. Sein Ziel ist es, die Bank so aufstellen, dass sie auch im schlimmsten Szenario anhaltend schwacher Erträge profitabel bleibt und bei wieder anziehenden Kapitalmärkten satte Gewinne erzielen kann. Im ersten Quartal diesen Jahres sind Zins- und Provisionsüberschuss sowie das Handelsergebnis gegenüber dem - allerdings sehr schlechten - Vorquartal gestiegen. Die Kosten hingegen wurden kontinuierlich weiter gedrückt. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, ist die Bank auf stetigem Weg nach oben. Positiv fällt zudem auf, dass das Finanzhaus keine außerordentlichen Erträge benötigte, um unterm Strich noch einen Konzerngewinn von drei Mill. Euro zu erreichen.

Im Gegenteil: Das Management hat auf Basis des operativen Plus soviel Luft gesehen, dass alle absehbaren Aufwendungen für den Stellenabbau und den weiteren Umbau der Bank komplett im ersten Quartal verbucht wurden. Alle Geschäftsfelder haben in den ersten drei Monaten wieder einen operativen Gewinn erzielt. Nur in der Vermögensverwaltung (Asset Management) war das Ergebnis vor Steuern negativ.

Ob der Bank jedoch auch ohne den Rückenwind von den lebhaften Anleihemärkten der Sprung über die Gewinnschwelle geglückt wäre, ist fraglich. Diese Abhängigkeit von volatilen Märkten beunruhigt Analysten. Denn ohne stabile Ertragsbringer kann die Commerzbank nicht nachhaltig ihre Kapitalkosten verdienen, geschweige denn Wert für die Aktionäre schaffen.

Die besten Voraussetzungen, der stabile Ertragskern der Bank zu werden, hat das Firmenkundengeschäft, vor allem mit mittleren und kleineren Unternehmen. Im ersten Quartal lag die operative Eigenkapitalrendite im gesamten Firmengeschäft immerhin bei 11,2 Prozent - obwohl die Sparte rund die Hälfte des Eigenkapitals bindet. Für jeden Euro Ertrag mussten nur 47 Cents im operativen Geschäft aufgewendet werden. Ein hervorragender Wert im Vergleich mit der Branche. Auch das Privatkundengeschäft macht Hoffnung.

Die ersten drei Monate können nicht als Signal dafür genommen werden, dass das Schlimmste mit Sicherheit schon vorbei ist. Die Risikovorsorge ist im ersten Quartal meist relativ moderat, weil alle bis Februar bekannten Problemfälle noch im Jahresabschluss verarbeitet müssen. Das Wertpapiergeschäft profitiert davon, dass institutionelle Investoren nach der Jahreswende neue Positionen eingehen.

Entscheidend ist, dass das Marktumfeld der Bank genug Atem lässt, ihren Umbau zu Ende zu bringen. Weitere Schieflagen großer Unternehmenskunden können die Bank hart treffen, auch wenn die Risikovorsorge für das Kreditgeschäft schon großzügig bemessen ist. Ein Einbruch an der Börse kann dazu führen, dass die Commerzbank eventuell stille Lasten auf ihrem Wertpapier- und Beteiligungsportfolio realisieren müsste. Das Polster, um weiterhin das Ausbleiben nennenswerter Erträge im Aktiengeschäft auszuhalten, ist dünn.

"Das Management hat viel getan, jetzt kommt es auf die Konjunktur und die Kapitalmärkte an" , urteilen Analysten über die Commerzbank. Müllers Trumpf ist: Er hat eine komfortable Kapitalquote. Somit kann das Finanzhaus schon jetzt in der schwachen Konjunktur Neugeschäft machen und sich gute Margen sichern.

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