Analysten sehen noch hohes Wachstumspotenzial
Asien lockt mit Konsumwerten

Im Vorjahr haben Asiens Börsen dem Rest der Welt die Schau gestohlen. Vieles deutet darauf hin, dass Anleger in Fernost auch in diesem Jahr höhere Renditen erzielen können als im Westen. Analysten haben allerdings weniger die "Klassiker", die Technologie- Aktien, im Visier. Sie sehen mehr Potenzial bei Konsumtiteln.

HONGKONG. Anlageprofis setzen auf Asien. Für ihren Optimismus führen sie drei Argumente ins Feld. Von einer Erholung der Weltwirtschaft dürfte die stark ausfuhrabhängige Region überproportional profitieren. Sollte die Konjunktur stotternd anspringen, sollte eine robuste Binnenwirtschaft Wachstumsdellen ausbügeln. Und viel niedrigere Bewertungen machten Aktien in Fernost attraktiver als Titel in New York oder London. Unter Fondsmanagern verfestigt sich daher die Überzeugung, dass Asien fünf Jahre nach der Finanzkrise vor einem Comeback steht. Zu diesem Schluss kommt Raymond Foo, Aktienstratege bei BNP Paribas, nach einer Umfrage unter 250 Anlageprofis.

Merrill Lynch hat gerade die Gewichtung amerikanischer Aktien zu Gunsten der Emerging Markets zurückgestuft. Und in dieser Aktienklasse sticht der Ferne Osten heraus. "Die Märkte im Westen haben noch nicht alle Probleme hinter sich", glaubt Mark Konyn, der das Fondsgeschäft der Allianz - Tochter Dresdner RCM in Asien leitet; "deshalb wenden sich immer mehr Anleger Asien zu". Denn hier finden sie noch attraktive Bewertungen: In Korea liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) im Durchschnitt trotz Börsenrally erst bei neun. Das KGV des amerikanischen S&P 500-Index liegt bei 24.

In Südkorea stehen die Börsen bereits seit einem Jahr unter Dampf. Im Vorjahr hat der Kospi-Index um ein Drittel zugelegt; seit Januar hat er weitere 24 % gewonnen. Der MSCI Asia ex-Japan-Index steht sei Jahresanfang mit 11 % im Plus. Für Konyn ist das erst der Anfang. Er erwartet eine Reduzierung des Bewertungsabschlags für Asienwerte, den diese seit der Finanzkrise 1997 hinnehmen mussten. Han Ong sieht das ähnlich: "Die bedeutenden Reformbemühungen könnten die Einschätzung Asiens in den Augen globaler Anleger radikal ändern", sagt Salomon Smith Barneys Asien-Stratege.

Mittlerweile sind die Zahlungsbilanzen in der Region stabil, die Auslandsverschuldung unter Kontrolle, Effizienzgewinne stärken die Margen der Unternehmen und die Investitionen springen wieder an. Zudem stärken ein stabileres Banksystem und steigendes Vertrauen in die Zukunft die Inlandsnachfrage. In Ländern wie Korea bildet die Binnenkonjunktur bereits eine starke zweite Säule der Volkswirtschaft.

Damit wird eine neue Aktienklasse interessant: Konsumwerte, vor allem in Korea, Thailand, Malaysia und China. Wer dem Anspringen der weltweiten IT-Konjunktur misstraut, dem bieten sich an den technologielastigen Börsen attraktive Alternativen: "In Korea und Thailand dürfte der Privatkonsum schneller wachsen als die Gesamtwirtschaft", glaubt Ong. Wie er empfiehlt auch Steward Paterson, Asienstratege bei Credit Suisse First Boston, Konsumwerte. Deren hohes Wachstumspotenzial spiegle sich in den Kursen noch nicht wieder. In die Kurse der IT-Werte sei dagegen eine starke Konjunkturerholung eingepreist. "Untergewichten", lautet Patersons Urteil.

Ein weiteres Argument der Asien- Bullen lautet Liquidität. Außer in Korea und Hongkong rechnet Michael Spencer, Asien-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, in diesem Jahr nirgends mit Zinserhöhungen, selbst falls Alan Greenspan die Geldpolitik in den USA straffen sollte. Außerdem dürfte Auslandskapital an die Börsen strömen: "Ich rechne mit überdurchschnittlich starken Portfolioinvestitionen aus Übersee," sagt Dong Tao, Chefvolkswirt von Credit Suisse in Nordasien.

Liebling der Fondsmanager in Asien ist und bleibt Südkorea. Tao sieht das Bruttoinlandsprodukt dort in diesem Jahr um 5,5% wachsen. Spencer rechnet sogar mit 7%. Das werde die Kurs- Rally am Laufen halten, glaubt Christopher Wood. Der Stratege der Crédit Lyonnais sieht den Kospi-Index von derzeit 885 auf 1 100 steigen. Auch er mag Konsumwerte. Die Aktien mit dem meisten Potenzial findet er allerdings in Indonesien. Dort empfiehlt er die Tabak-Firmen Gudang Garam und HM Sampoerna, die BCA Bank, und Telekom. Ong mag den Finanzwert Kookmin Credit Card und LG Electronics in Korea, die PKW-Fabrikanten Proton in Malaysia, Denway in China und die Einzelhändler Big C Supercenter in Thailand und Giordano in Hongkong. Außerdem auf Ongs Liste: Koreas größte Werbeagentur Cheil, der die Fußballweltmeisterschaft Geschäft verspricht.

Crédit Suisse empfiehlt die koreanischen Homeshopping-Aktien LG und CJ39 sowie Shinsegae - Koreas Antwort auf Wal-Mart. Konyn bevorzugt Finanztitel und Einzelhandelsaktien in Südkorea und Thailand; außerdem setzt er auf Indien. Doch er warnt wie andere Analysten: "Bleibt ein weltweiter Konjunkturaufschwung aus, geht der Asien-Rally die Luft aus". Auch ein rapider Yen-Verfall unter 140 zum Dollar dürfte die Kurs-Party beenden.

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%