Analysten sehen noch keine Trendwende
Euro erholt sich nach schwachen US-Konjunkturdaten

Auch wenn führende Notenbanker in der Euro-Zone am Freitag erneut das Aufwärtspotenzial des Euro betonten, sehen Experten auf kurze Sicht noch keine Trendwende.

Reuters FRANKFURT. Der Euro hat sich am Freitagnachmittag nach der Veröffentlichung schwacher US-Konjunkturdaten und Äußerungen von EZB-Notenbankpräsident Wim Duisenberg auf Kurse um 90 US-Cents erholt. Die US-Daten verwiesen nach Händlerangaben darauf, dass sich die Konjunktur in den USA stärker abschwächt als bisher angenommen. Der Anstieg des Euro um fast anderthalb Cent auf ein vorläufiges Tageshoch von 0,9016 $ könne jedoch technisch bedingt und von kurzer Dauer sein, hieß es am Markt. Auch wenn führende Notenbanker in der Euro-Zone am Freitag erneut das Aufwärtspotenzial des Euro betonten, sehen Experten auf kurze Sicht noch keine Trendwende.

Analyse: Wohin geht der Euro?



Der Euro, der gegen 17.30 Uhr MESZ mit 0,8989/92 $ notierte, war nach der Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstagabend auf ein Rekordtief von 0,8837 $ gefallen. Am Mittwoch hatte er ein neues Allzeittief zum Yen von knapp über 94 Yen markiert. Händler begründeten dies mit einem großen Mangel an Vertrauen in die Währung, die unter den Zweifeln an der Wirtschaftsentwicklung in der Euro-Zone leide. Eine weitere Zinserhöhung in der Euro-Zone, die nach Ansicht von Marktteilnehmern noch bevorsteht, könnte die Konjunktur in der Euro-Zone dämpfen.

Die am Nachmittag veröffentlichten US-Wirtschaftsdaten erschütterten dann die Einschätzung über den enormen Wachstumsvorsprung der USA etwas. So stieg in den USA die Arbeitslosenquote im August auf 4,1 % von 4,0 % im Juli. Die Zahl der offenen Stellen ging weitaus stärker zurück als Volkswirte erwartet hatten. Der Konjunkturindex der Nationalen Vereinigung der Einkaufsmanager (NAPM) in den USA sank im August auf 49,5 Punkte von 51,8 Punkten im Juli. Die Bauausgaben verringerten sich im Juli um 1,6 %.

Nach Ansicht von Analysten und Vertretern der europäischen Institutionen wird die wirtschaftliche Dynamik in der Euro-Zone außerdem unterschätzt. Auf einer Bankentagung im italienischen Cernobbio verwies EZB-Präsident Wim Duisenberg darauf, dass der Wechselkurs des Euro nicht in Einklang mit der wirtschaftlichen Situation der Euro-Zone stehe. Auch die Notenbankpräsidenten von Frankreich und Deutschland, Jean-Claude Trichet und Ernst Welteke, hoben am Rande der Tagung erneut das Aufwärtspotenzial des Euro hervor. EU-Währungskommissar Pedro Solbes sagte, das Wachstum in der Euro-Zone verlangsame sich nicht.

Aus Kreisen des Bundesfinanzministeriums in Berlin war unterdessen zu erfahren, dass die Finanzminister der Euro-Zone vor ihrer Tagung Ende nächster Woche womöglich eine Erklärung zum Euro-Kurs abgeben werden. In der Euro-Gruppe sind die elf Staaten der Euro-Zone und Griechenland, das den Euro 2001 einführt. Die Gruppe hatte erstmals am 8. Mai, kurz nach einem Rekordtiefstand des Euro, zur Wechselkursentwicklung Stellung genommen.

Nach Ansicht von Analysten Frankurter Banken kann nur ein Zustrom von Direktinvestitionen in die Euro-Zone dem Euro auf die Beine helfen. Bislang fließt das Anlegerkapital stärker in die USA wegen höherer Gewinnaussichten in der anhaltend robusten amerikanischen Wirtschaft. Die Zins- und vor allem die Produktivitätsunterschiede zwischen den beiden Wirtschaftszonen hielten die Anleger vom Euro-Raum fern. Diese seien aber kleiner als angenommen, betonten die Analysten und verwiesen auf den August-Monatsbericht der Bundesbank. "Wir sind produktiver als manche glauben", sagte Ulrich Beckmann von Deutsche Bank Global Markets Research.

Die Bundesbank hatte in ihrem jüngsten Monatsbericht dargelegt, dass durch verschiedene statistische Berechnungsmethoden in Deutschland und den USA zum Beispiel die Ausrüstungsinvestitionen im EDV-Bereich in Deutschland unterzeichnet werden. So werde durch die amerikanische Berechnungsmethode in den USA zwischen 1992 und 1999 bei EDV-Gütern im Schnitt ein Wachstum von 40 %e festgestellt - in der Bundesrepublik dagegen nur von sechs Prozent. Lege man nicht die "vorsichtige" Methode des Statistischen Bundesamtes, sondern die US-Deflationierungsmethode an, so ergebe sich in Deutschland dagegen ein Jahresdurchschnitt von 27,5 %.

"Die Berechnungsmethode des Statistischen Bundesamtes ist ungünstiger als die amerikanische und vor allem sehr, sehr vorsichtig", sagte Beckmann. Uwe Angenendt, Chef-Volkswirt der BHF-Bank, hat weitergehende Berechnungen über das Bruttoinlandsprodukt (BIP) angestellt und kommt zu dem Ergebnis: "Bezogen auf das BIP von 1999 bedeutete das einen Wachstumsunterschied von einem halben Prozentpunkt - also 2,0 % statt 1,5 %".

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