Analysten sehen Rückschlagsrisiko
Bei 5 400 entscheidet sich das Dax-Schicksal

Während Aktien-Händler für die kommende Woche eher mit steigenden Kursen an den deutschen Börsen rechnen, sehen Analysten und Aktienstrategen durchaus Risiken eines Kursrückschlages. Einig sind sich die Börsianer indes, dass in der erneut feiertagsbedingt verkürzten Handelswoche das Volumen an den Märkten niedrig bleiben werde.

HB/rtr/vwd FRANKFURT. "Der Dax-Index hat noch ein weiteres Abwärtsrisiko bis 5 200 Punkte, und auch bei den Nemax-Indizes, die seit fast drei Wochen auf der Stelle treten, sollte ein nochmaliger Rutsch unter die Marke von 1 000 Punkten nicht überraschen", sagte Analyst Heinz Weyershäuser von der DZ Bank. Die Anleger bleiben aber trotz zuletzt guter Konjunkturdaten in Deutschland und den USA nach der Einschätzung von Bernd Meyer, Aktienstratege bei der Deutschen Bank, zunächst noch zurückhaltend. "Ich glaube, dass weitere positive Daten nur die Erholungsgeschichte (der Konjunktur) bestätigen", sagte Meyer. "Die Investoren werden aber mehr auf die Unternehmensergebnisse für das erste Quartal warten und schauen, ob der Ausblick sich verbessert." Aktienhändler rechnen dagegen in der nächsten Woche bei geringen Umsätzen mit weiteren Kursgewinnen.

"Zuletzt haben die Konjunkturdaten die Kurse immer gestützt", sagte Stefan Chmielewski, Händler beim Börsenmakler Schnigge. "Das kann sich auch nächste Woche fortsetzen. Ich glaube an eine kleine Aufwärtsbewegung", fügte der Börsianer hinzu. Auch in der kommenden Woche stehen in Deutschland und den USA wieder zahlreiche Konjunkturindikatoren auf der Tagesordnung.

Charttechnisch orientierte Händler sprachen von einem weiteren Kurspotenzial, falls der Dax die Widerstandsmarke bei 5 400 Zählern nachhaltig durchbreche. Vor dem Oster-Wochenende schwankte das wichtigste deutsche Börsenbarometer um die Marke von 5 400 Punkten und hat damit seit Wochenbeginn rund ein halbes Prozent gewonnen. Im gleichen Zeitraum verlor der Neue Markt rund ein halbes Prozent.

In einer voraussichtlich sehr ereignisarmen Woche haben der Nutzfahrzeugkonzern MAN und die Deutsche Börse AG zu Bilanz-Pressekonferenzen eingeladen. Marktteilnehmer versprechen sich dabei einen genaueren Ausblick auf das Geschäftsjahr 2002. MAN hatte zuletzt Anfang März für 2002 ein besseres Ergebnis als im Jahr 2001 in Aussicht gestellt, falls die Konjunktur sich bald erhole.

Hamburgische Landesbank: Dax bei 5 300 Punkten

Die Analysten der Hamburgischen Landesbank gehen für die kommende Woche von etwas leichteren Kursen und einem ruhigen Handel aus. Weil Unternehmensnachrichten fehlten, sehen sie den Dax auf Wochensicht bei 5300 Zählern.

Die meisten Investoren werden ihren Blick ab der kommenden Woche wohl vor allem auf die Gewinnausweise der US-Unternehmen richten: Der US-Aluminumproduzent Alcoa macht am Freitag den Anfang. Die verbesserten Aussichten für die Konjunktur müssen sich auch in den Ergebnissen niederschlagen, damit die Aktienkurse weiter steigen können.

Das sorgt für Ungewissheit. Denn Beobachter sind sich ausgesprochen uneinig, wie die Zahlen ausfallen werden. Ein Analyst macht den Investoren Hoffnung: "Die Unternehmen haben ihre Prognosen so weit nach unten revidiert, dass es jetzt wohl kaum noch Enttäuschungen geben wird." Die Geschichte ist auf seiner Seite: Bisher war einem scharfem Rückgang der Gewinne meist auch eine rasche Erholung gefolgt.

Es gibt aber auch weniger zuversichtliche Stimmen. Kritiker wenden ein, dass selbst bei einer zügigen Erholung der Wirtschaft noch nicht sicher ist, dass sich auch die Gewinne gleichermaßen schnell erholen. "Die Analysten sind schon wieder zu optimistisch", so ein Skeptiker. Gerechnet werde bei US-Unternehmen für das vierte Quartal 2002 mit um 40 Prozent höheren Gewinnen als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. "Das ist viel zu hoch", sagen Kritiker - wenn man die Gewinne der kommenden fünf Jahre realistisch schätze, ergebe sich für den S&P-500-Index ein gegenwärtiges Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19. Der Durchschnitt der vergangen 50 Jahre liege aber bei elf. Ist die Rechnung richtig, könnte das gegenwärtige Kursniveau noch immer gefährlich hoch sein.

Zunächst stehen in der kommenden Woche aber Konjunkturdaten auf der Tagesordnung. Am Montag (unserem Oster-Montag!) werden in den USA Daten zu den Bauausgaben im Februar veröffentlicht sowie der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe. Die Deutsche Börse lädt am Dienstag zu einer der wenigen Bilanz-Pressekonferenzen in der Woche nach Ostern, am Nachmittag folgen Daten zum Auftragseingang der US-Indstrie im Februar. Am Mittwoch sind die Arbeitsmarktdaten, der Geschäftsklimaindex März und der Index der Wirtschaftsstimmung in der Eurozone im Blickfeld sowie die Daten zum ISM-Index für das nicht-verarbeitende Gewerbe in den USA. Am Donnertag tagt die Europäische Zentralbank, Sixt und L'Oreal veröffentlichen Geschäftsergebnisse. Am Freitag folgen die vielbeachteten Arbeitsmarkt-Daten für die USA im März und die Quartalsergebnisse von Alcoa und L'Oréal.

Nun noch ein Überblick über den weltweiten Börsen-Handel über die Oster-Feiertage:



  • Karfreitag

    :


    Regulärer Handel in Tokio. Geschlossen sind die Börsen in New York, Frankfurt, London, Paris, Amsterdam, Mailand, Zürich, Wien, Singapur, Sydney und Hongkong.
  • Ostermontag

    :


    Regulärer Handel in New York, Tokio und Singapur. Geschlossen sind die Börsen in Frankfurt, London, Paris, Amsterdam, Mailand, Zürich, Wien, Sydney und Hongkong.



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