Analysten sehen Scheitern der WorldCom/Sprint-Fusion als Chance für Telekom
Deutsche Telekom der lachende Dritte

Nach dem Scheitern der WorldCom/Sprint-Fusion rechnen die Analysten damit, dass nun die Telekom in den USA einsteigt.

Reuters FRANKFURT. Nach dem vorläufigen Scheitern der geplanten Fusion der US-Telefongesellschaften WorldCom und Sprint rechnen Analysten nun mit dem Einstieg der Deutschen Telekom in den USA. "Eine gute Gelegenheit für die Telekom", hieß es bei Analysten am Mittwoch einhellig.

Die Branchenexperten gehen davon aus, dass die Telekom als lachender Dritter nun selbst Sprint erwerben und damit zu einem "Big Player" in den USA aufsteigen könnte. Die EU-Kommission hatte am Mittwoch die Fusion von Worldcom und Sprint untersagt. Zuvor hatte bereits das US-Justizministerium ein Gerichtsverfahren gegen den Zusammenschluss angekündigt. Die Telekom selbst lehnte wie gewohnt einen Kommentar zu den Spekulationen über eine mögliche Übernahme ab.

Nach Einschätzung von Branchenkennern ist für die Deutsche Telekom besonders die Mobilfunksparte und das Internet-Backbone - die für den Internet-Zugang notwendige Infrastruktur - bei Sprint von Interesse. Der US-Konzern habe in Amerika eine Handy-Abdeckung "von Küste zu Küste", hieß es. Aber auch das Festnetzgeschäft der US-Gesellschaft sehe "sehr rentabel" aus. Eine Übernahme der Sprint durch die Telekom, die bereits zehn Prozent der Anteile an Sprint besitze, sei nun wahrscheinlich. "Es ist kein Geheimnis, dass die Telekom in Amerika expandieren will", sagte ein Analyst mit Blick auf einen möglichen Einstieg der Bonner bei Sprint.

Der Marktwert der Sprint wird auf rund 100 Mrd. Dollar geschätzt. Leisten könnte es sich die Telekom eine solche Übernahme. Konzernchef Ron Sommer hatte erst vor wenigen Wochen verkündet, ihm würden rund 100 Mrd. Euro für Zukäufe zur Verfügung stehen. Hinzu kommt eine Anleihe der Telekom, die noch am Mittwoch auf ein Gesamtvolumen von 14,5 Mrd. Dollar aufgestockt wurde.

Allerdings solle das Gespann WorldCom/Sprint nicht vorschnell abgeschrieben werden, hieß es bei den Analysten weiter. So einfach werde WorldCom wohl nicht aufgeben. Möglicherweise lasse sich der US-Konzern etwas einfallen, was die Wettbewerbshüter besänftigen könnte. Dies könne zum Beispiel die Abspaltung des Festnetzbereiches sein. In diesem Falle würde die Telekom wahrscheinlich nur das IT-Backbone von Sprint, das die US-Firma für eine Fusion mit WolrdCom ohnehin abgeben muss, übernehmen, hieß es bei den Branchenkennern. Die Bonner könnten nur das Online-Gerüst kaufen und statt Sprint eine andere US-Gesellschaft übernehmen. In der Gerüchteküche fallen hier stets die Namen Quest und SBC Communications.

Welchen Weg auch immer die Telekom in den USA einschlagen würde, auf große kartellrechtliche Hürden würde sie nach Meinung der Analysten nicht stoßen. Allerdings machen Beobachter inzwischen bei den US-Kartellwächtern einen "Anti-Fusions-Trend" aus. Nach der jüngsten Klageandrohung von US-Justizministerin Janet Reno dürften die Fusionsgelüste der großen US-Firmen wohl aufs erste einen Dämpfer erhalten haben, sagte ein Firmenjurist aus den USA. Reno hatte sich auch mit Nachdruck für eine Zerschlagung des weltweit größten Software-Konzerns Microsoft ausgesprochen. Gene Kimmelman von der Verbraucherzentrale Consumers Union sagte, es habe den Anschein, als wollten die Kartellbehörden mit der WorldCom/Sprint-Blockade sagen: "Genug ist genug mit der 'Merger Mania'".

WorldCom und Sprint - die Nummer zwei und drei unter den US-Ferngesprächsanbietern - hatten im vergangen Herbst ihren Zusammenschluss im Volumen von 120 Milliarden Dollar angekündigt. Bei einem Zusammengehen hätten rund 80 Prozent der privaten Fernverbindungen in den USA bei zwei Firmen - dem neuen Fusionskonzern und dem Wettbewerber AT&T - gelegen. Eine hohe Konzentration hätte sich auch bei Dienstleistungen im Bereich Internet ergeben. So würden WorldCom und Sprint nach Angaben der EU beim Internet-Backbone ("Internet-Rückgrat") mehr als die Hälfte des Marktes kontrollieren.

US-Justizministerin Janet Reno hatte ihren Widerstand unter anderem damit begründet, dass die Fusion die bisherigen wettbewerblichen Fortschritte auf dem US-Telekommunikationsmarkt unterlaufen könnte. Vor allem würde die Fusion höhere Preise für Millionen von Verbrauchern und Firmen zur Folge haben und zu einer abnehmenden Qualität im Service und zu weniger Innovationen führen, hatte Reno argumentiert.

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