Analysten sehen weiteren Kursanstieg im neuen Jahr
Endlos-Party an Seouls Börse

Asiens bisheriger Börsenstar Korea bleibt auch im Jahr 2002 der Liebling der Fondsmanager. Zu den Favoriten zählen Südkoreas Technologie-, Bank- und Konsumwerte.

HB HONGKONG. Asiens Tiger brüllen wieder - zumindest was die Börsen angeht. Keiner brüllt lauter als Südkorea: Auf das Jahr gesehen steht Seouls Börsenbarometer Kospi mit 32 % im Plus, viele Aktien haben sich im Wert mehr als verdoppelt. In trauter Eintracht küren Analysten und Fondsmanager das Land auch für 2002 zu ihrem Favoriten.

Aus einer Reihe von Gründen ging der Kelch des weltweiten Börsenmassakers dieses Jahr an Südkorea vorbei: Das Land hängt weniger als seine Nachbarn von Technologieausfuhren ab; die Regierung hat rechtzeitig Konjunkturprogramme eingeleitet; die Zentralbank fährt eine lockere Geldpolitik und die Restrukturierung der während der Asienkrise schwer angeschlagenen Konzerne macht Fortschritte. Vor allem besitzt Südkorea jedoch einen großen Binnenmarkt, und seine optimistischen Verbraucher heizten die Inlandsnachfrage kräftig an. Kein Wunder, dass Konsum- und Bankwerte die Börsenstars des Jahres stellen: Banken gewannen im Durchschnitt 88 % hinzu; Shinsegae Department Store - Koreas Antwort auf den US-Einzelhandelsriesen Wal-Mart - schoss um über 200 % in die Höhe.

Während die Nachbarn Taiwan, Japan, Hongkong und Singapur in die Rezession rutschen, dürfte Südkoreas Wirtschaft 2001 um 2,8 % expandieren. 2002 soll das Wachstum auf 4 bis 5 % anziehen. Damit begründen Analysten ihre Zuversicht. Aber der Wachstums-Balsam, den sie für rezessionsgepeinigte Anlegerseelen bereit halten, kommt nicht ohne die üblichen Warnungen vor Risiken und Nebenwirkungen: Ob die Rally weiter geht, darüber entscheiden künftig externe Faktoren stärker mit. "Die US-Konjunktur wird sich als entscheidend erweisen", meint Ray Jovanovich von der Crédit Agricole-Tochter Indocam. "Wir brauchen dort einfach mehr Wachstum." Denn ewig kann Südkoreas Wirtschaft nicht gegen den Strom der Weltkonjunktur schwimmen. Fasst die Weltwirtschaft nicht Tritt, bringen die ständig fallenden Exporte irgendwann den Motor aus dem Takt, der die Wirtschaft angetrieben hat: die Inlandsnachfrage.

Doch das größte Risiko sehen viele Experten in Japan. Das Land schlittert immer tiefer in eine hausgemachte Rezession. Vergangene Woche ist der Yen auf ein Drei-Jahres-Tief zum Dollar gefallen; viele Analysten prophezeien eine weitere Talfahrt. "Fällt der Yen unter 130 zum Dollar, kann das die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Südkorea und Taiwan schwer schädigen", so Jovanovich. Mit Autos, Computerchips und Haushaltselektronik verfügen Japan und Korea über ähnliche Exportstrukturen. Ein fallender Yen unterhöhlt Koreas Wettbewerbsfähigkeit.

"Asiens Wachstumsstory Nummer eins"

Trotz aller Risiken bleibt das Land "Asiens Wachstumsstory Nummer eins", beteuert Benjamin Tse, Asienstratege bei der Deutschen Bank. Ajay Kapur, Chefstratege bei Morgan Stanley in Hongkong, erwartet in den kommenden sechs Monaten vom Kospi Kursgewinne von 30 %. Und auch Jovanovich ist sicher: "Die Rally ist nicht zu Ende". Für Markus Rösgen, Asienstratege bei ING, sind südkoreanische Aktien vor allem eines: konkurrenzlos billig. "Koreas Märkte könnten um 100 % zulegen, ohne dass die Bewertungen die westlicher Börsen überträfen", meint er. Niedrige Zinsen und niedrige Haushaltsverschuldung werden laut Rösgen die Inlandsnachfrage auch 2002 in Schwung halten. Daher gewichtet er Banken über. Am meisten gefällt ihm die Kookmin Bank. Vor allem rät er aber zu Zyklikern, z.B. Chiphersteller Samsung Electronics oder Stahlkocher Posco. Weitere Top-Picks sind der Digital-Fernseh-Zulieferer Humax, Software-Entwickler NC Soft und SK Telecom.

"Südkorea wird stärker als jedes andere Land von einem US-Aufschwung profitieren", sagt Pieter von Putten, Asien-Chef des Commerzbank-Asset-Managements. Anders als Jovanovich gewichtet von Putten Technologie-Werte über, bleibt aber ebenfalls Konsum- und Bankwerten treu. Finanztiteln traut der Deutsche-Bank-Stratege Tse wegen der jüngsten Kurssprünge weniger zu als anderen Aktien. Tse bevorzugt Hyundai Motors, SK Telecom und KT Freetel sowie Shinsegae. In Jovanovichs Portfolio nimmt der Stahlkocher Posco eine große Position ein. Im Falle einer Kurskorrektur würde aber auch er IT-Werte zukaufen, vor allem Samsung Electronics.

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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