Analysten setzen auf Biotech- und Technologiesektor
Das Branchenkarussell dreht sich wieder

Im Katastrophenjahr 2001 haben die am Neuen Markt notierten Medizintechnik-Werte den Nemax abgehängt. Für das neue Jahr haben die Analysten jedoch neue Favoriten: Experten mehrerer Institute setzen auf die Phantasie für den Biotech-Bereich und im Falle einer Konjunkturerholung auf den Technologiesektor.

FRANKFURT/M. Nach den Tiefschlägen des vergangenen Jahres setzen die Anleger am Neuen Markt auf neue Favoriten. Einer Studie von Consors Capital Research zufolge hat sich im Jahr 2001 der Medizintechnik-Bereich am Besten geschlagen. Ihr Branchenindex entwickelte sich um 16 % besser als der Nemax. Dieser Höhenflug auf niedrigem Niveau wird mangels Unternehmen kritischer Größe nach Einschätzung der Analysten trotz der guten globalen Aussichten der Branche jedoch bald ein Ende finden. Auch die auf den Plätzen zwei und drei rangierenden Sektoren Industrie und IT-Dienstleistungen gehören nicht zu den favorisierten Branchen. Als Profiteure der in den kommenden Monaten erwarteten Markterholung werden vielmehr die Sektoren Biotechnologie und Technologie gesehen. Sie haben im Vergleich zu dem Niveau vor den Terror-Anschlägen auf die USA bislang nur moderat zugelegt.

Zu den meist genannten Favoriten der Analysten, die vor einer zu engen Orientierung an der von der Deutschen Börse vorgenommenen Unterteilung in Sektoren allerdings warnen, zählen neben dem Anlagenbauer Singulus Technologies auch der Spezialcomputer-Produzent Kontron und die bereits profitabel arbeitenden Biotechnologiefirmen Qiagen und Rhein Biotech. Dieter Schwarz, Aktienstratege bei Consors Capital, zählt auch den Internet-Sektor zu den potenziellen Gewinnern der nächsten Monate. Hier seien spannende Unternehmensgeschichten zwar rar gesät: "Aber wenn der Gesamtmarkt anzieht, können die Anleger das Schwergewicht T-Online nicht einfach ignorieren."

Auch wenn der Markt in den kommenden Monaten deutlich zulegen sollte, ist es nicht ratsam, beim Aktienkauf nur nach der Branche zu schauen. Viele größere Werte haben - auch dank der Mini-Hausse seit Jahresbeginn, in der der Auswahlindex Nemax 50 um mehr als 10 % zulegte - inzwischen schon wieder ein recht hohes Niveau erreicht. "Am Neuen Markt bleibt deshalb das Stock Picking angesagt", sagt Robert Suckel, Analyst bei SES Research. Auf den Prüfstand gehört neben der Bewertung auch die Positionierung der Gesellschaft im Wettbewerb, die Qualität des Managements und nicht zuletzt die Ertragssituation.

Seriöse Unternehmenskommunikation

In diesem Punkt sind viele Analysten allerdings vergleichsweise nachsichtig mit den zumeist noch tief in den roten Zahlen steckenden Biotechnologieschmieden. "Sie haben zumindest ihre Planzahlen fast immer eingehalten" sagt Consors Capital-Analyst Schwarz. Auch dank einer zumeist seriösen Unternehmenskommunikation habe die Phantasie für den Biotechnologiebereich die Krise des Neuen Markts fast unbeschadet überlebt, auch wenn die Kurse inzwischen deutlich unter dem Niveau von Anfang 2001 liegen.

Nach Einschätzung der Aktienexperten von WestLB Panmure wird es besonders im Technologiesektor Konjunkturgewinner geben. Aktienstratege Andreas Hürkamp setzt dabei vor allem auf die Werte der zweiten Reihe. Während Aixtron und viele andere der im Nemax 50 gelisteten Technologietitel die für die zweite Jahreshälfte erhoffte Konjunkturerholung in ihrer Kursentwicklung schon vorweggenommen hätten, räumt er Augusta Technologie AG, Elmos Semiconductor und Rofin Sinar gute Chancen ein. Den Biotechnologiebereich hält er besonders im Falle einer verhalteneren Konjunkturentwicklung für interessant. Dementsprechend sind hier die Papiere der bereits profitablen Gesellschaften Qiagen und Rhein Biotech seine Favoriten.

Nach der Vielzahl dramatischer Gewinnwarnungen im vergangenen Jahr rät Hürkamp dazu, die Finger vom Mediensektor zu lassen: "Es sollte einem schon zu denken geben, dass die am Neuen Markt notierten Medienfirmen überhaupt nicht vom Kino-Rekordjahr 2001 profitieren konnten." Auch vom Telekommunikationssektor samt seines Flaggschiffes Mobilcom rät er ab: "Diese Unternehmen werden von einem Anziehen der Konjunktur nicht profitieren." Auf dem gegenwärtigen Niveau seien sie deshalb zumeist überbewertet.

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