Analysten setzen auf Kaufen
VA Stahl hält nichts von purer Größe

Die Voest-Alpine Stahl hat sich für vertikal statt horizontal entschieden - also gegen Größe und für Verarbeitung und Dienstleistung. So will das Unternehmen weniger vom Stahlzyklus abhängig sein.

WIEN. Mit einem Kursgewinn von mehr als 30 % seit Mitte Januar hat die Aktie der Voest-Alpine Stahl (VA Stahl), Linz, sowohl den Branchenindex als auch den Wiener Markt klar geschlagen. Trotzdem macht die Börsenbewertung von "nur" 34 ? dem Vorstandsvorsitzenden Peter Strahammer mehr Sorge als die abflachende Stahlkonjunktur. Denn mit einer Marktkapitalisierung von 1,1 Mrd ? ist die VA Stahl deutlich niedriger bewertet als allein Eigenmittel (1,6 Mrd. ?) ausgewiesen werden.

Kein Wunder, dass der österreichische Stahlkonzern als attraktives Übernahmeziel gilt. Für Strahammer ist es daher vordringliches Ziel, "Marktkapitalisierung und Eigenmittel in Einklang zu bringen." Wiens Analysten von Erste Bank, CA IB und RZB sind von VA Stahl überzeugt. Alle drei Institute setzen auf Kaufen.

Doppel-Strategie gegen feindliche Übernahme

Einer feindlichen Übernahme begegnet Strahammer mit einer Doppel-Strategie: Einerseits soll die Konzentration auf die Stahl-Verarbeitung den Wert des Unternehmens deutlich steigern, anderseits wird nach "nachhaltig sicheren Händen", also langfristig orientierten Investoren, gesucht. Für das Geschäftsjahr 2000/01, das am 31.März endet, reklamiert Strahammer für die VA Stahl, mit einer Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROCE) von 12,1 (Vj.: 7,8) % "das profitabelste und ertragstärkste Stahlunternehmen in Europa" zu sein. Dies beweise, "dass Größe nicht alles ist und es Alternativen zu den Fusionen gibt."

Diese Alternative zur Größe will die VA Stahl weiterverfolgen. Die Pläne, horizontal zu wachsen, also ein Stahlwerk zu kaufen (etwa eine polnische Hütte) oder selbst ein Kompakt-Stahlwerk zu bauen, wurden fallen gelassen. Die strategische Ausrichtung auf die Verarbeitung wird ab Herbst auch nach außen sichtbar, wenn aus der VA Stahl (wieder) die Voest-Alpine AG wird. "Wir sind mehr als Stahl", so Strahammer.

Dies ist verbunden mit einer neuen Konzernstruktur. Aus den zwei Divisionen (Flach- und Langstahl) werden vier: Flach, Automotive, Profile und Bahnsysteme. Die neue Strategie lässt sich am besten anhand der künftigen Division Automotive demonstrieren. Durch Zukäufe ist die VA Stahl nun in der Lage, den Autoherstellern Komponenten und Systeme zu liefern, etwa verpresste Karosserieteile über das italienische Press- und Komponentenwerk Turinauto, Platinen (verschweißte Karosserien) über Euroweld oder einbaufertige Präzisionsstahlrohre über die Rotec-Gruppe.

Outperformer in schwierigem Umfeld

Zwar ist in diesem Geschäftsjahr wegen der schwächeren Konjunktur das Rekordergebnis 2000/01 mit einem Gewinn je Aktie von 5,60 (3,91) ? nicht zu schaffen. Trotzdem werde man "ein gutes Ergebnis liefern und im schwierigen Umfeld Outperformer bleiben", so Strahammer.

Erste Erfolge kann die VA Stahl bei der Suche nach Langfrist-Investoren bereits verbuchen. Zwar will der Staat, der über die ÖIAG 37,8 % hält, seinen Anteil reduzieren; bis Ende 2003 sollen aber auf alle Fälle 25 % des Unternehmens im Staatsbesitz bleiben. Der Linzer Schwesterkonzern VA Technologie hat zuletzt paketweise VA Stahl-Aktien verkauft und hält noch knapp 6 %. Käufer ist die Wiener Allianz-Elementar, die Mittwoch ein Paketbesitz von "mehr als 5 %" deklariert hat. Als weitere "sichere Hände" konnten die Mitarbeiter gewonnen werden. 12 200 VA-Beschäftigte verzichten auf einen Prozentpunkt Lohnerhöhung und erwarben dafür aufwandsneutral und abgezinst auf die fiktive Verweildauer im Unternehmen 5 % der Aktien, wobei die Stimmrechte über eine Stiftung ausgeübt werden. Mittelfristig ist eine Aufstockung der Mitarbeiterquote auf 10 % geplant. Weitere 3 % sollen über einen Stock Option Plan von den Managern übernommen werden.

Da die Beteiligung der Mitarbeiter dem Streubesitz zugerechnet wird, stieg der Free Float auf knapp über 50 % an. Die positive Folge: Die VA Stahl-Aktie wird daher ab Montag stärker in Österreichs Leitindex ATX gewichtet (von 0,5 % auf 0,75 %). Auch das dürfte der Aktie Impulse verleihen, meinen Experten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%