Analysten setzen auf Konzerne mit robuster Gewinnentwicklung
Defensive Chemieaktien bevorzugt

Unter den Besitzern von Chemieaktien herrscht große Nervosität: Der Kurs des Spezialchemiekonzerns Rhodia brach zeitweise um mehr als zehn Prozent ein. Das französische Unternehmen musste am Donnerstag eine Gewinnwarnung für dieses Jahr abgeben.

DÜSSELDORF. Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage kam das nicht überraschend: Europas Chemiekonzerne spüren seit den Terroranschlägen in den USA weitere Nachfrageeinbrüche und rücken seither mehr und mehr von ihren bisherigen Gewinnprognosen ab.

Das hat bereits zu deutlichen Kursrückgängen bei fast allen Chemieaktien geführt. Die größten Investmenthäuser stufen die Branche derzeit auf "untergewichten" im Aktienportfolio ein. Sie erwarten also, dass sich die Chemiewerte schlechter als der Gesamtmarkt entwickeln wird - zu ungewiss ist die Zukunft für die zum Großteil konjunkturabhängige Chemieindustrie. Analysten wie Michael Vara von der Commerzbank und Christian Faitz von der Bank Julius Bär halten eine Wiederbelebung der Chemiekonjunktur frühestens in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres für wahrscheinlich.

Vorerst dürften noch weitere schlechte Nachrichten den Aktienmarkt belasten. "Es ist davon auszugehen, dass noch mehr Gewinnwarnungen aus dem Chemiesektor kommen", erwartet Faitz. In dieser unsicheren Phase setzen die Anlagestrategen im Chemiebereich auf die wenigen europäischen Branchenvertreter, deren Aktien so genannte defensive Qualitäten haben sollen. Wegen ihres speziellen Geschäfts müssen diese Unternehmen konjunkturell bedingte Gewinnrückgänge weniger fürchten.

Anleger-Interesse neu entfacht

Zu denen, auf die dies zutrifft, gehört beispielsweise die Schweizer Syngenta AG, der weltgrößte Hersteller von Pflanzenschutzmitteln. Unternehmen in dieser Branche sind weitgehend unabhängig von der Industriekonjunktur. Die Branche steht eher unter Einfluss des Wetters und der Preisentwicklung in der Landwirtschaft. Credit Suisse First Boston empfiehlt Syngenta mit einem Kursziel von 105 sfr zum Kauf. Auch Merrill Lynch und Morgan Stanley glauben an die "Defensiv-Qualitäten" der Aktie. Jedoch ist auch der Agromarkt momentan nicht in bester Verfassung, so dass bei Syngenta keine großen Kurssprünge erwartet werden.

Das gilt auch für die Schweizer Givaudan SA, einem führenden Hersteller von Riechstoffen für Parfüms und von Aromastoffen für Nahrungsmittel. Das Geschäft, und damit die Gewinnentwicklung, gilt als vergleichsweise konstant. Givaudan gehört zu den robusten Chemiewerten, allerdings lässt die derzeitige Bewertung nach Ansicht einiger Analysten nur wenig Spielraum nach oben. Für Michael Vara von der Commerzbank bleibt die Aktie der Düsseldorfer Henkel KGaA ein attraktiver Kauf - sofern dem Konzern die Umstrukturierung wirklich gelingt. Christian Faitz erwartet auch bei der deutschen K+S AG, die Düngemittel und Salz herstellt, ein robustes Geschäft.

Pflanzenschutz von der Konjunktur unabhängig

In der Konjunkturkrise rücken auch die Chemiekonzerne wieder ins Anleger-Interesse, die starke Standbeine im Pflanzenschutz und im Pharmageschäft haben. Bayer hat sich mit dem Kauf von Aventis Crop Science auf dem Agromarkt gut verstärkt. Zudem darf spekuliert werden, ob und wann Bayer einen Partner für das angeschlagene Pharmageschäft findet. Positive Nachrichten in dieser Frage könnten nach Ansicht Varas Bewegung in die Aktie bringen.

Eine unsichere Anlage ist momentan BASF. Der Konzern verfügt zwar mit der Agrosparte und dem Öl- und Gasgeschäft über zwei stabilisierende Bereiche. Doch steht etwa das Kunststoffgeschäft stark unter Druck. Die BASF-Aktie dürfte als typischer Chemiewert von einer anziehenden Konjunktur schnell profitieren - wann aber die Erholung kommt, weiß niemand. Auf aktuellem Niveau bietet BASF für die Analysten der UBS Warburg eine attraktive Kaufchance.

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