Analysten sind skeptisch
Chemieindustrie tritt 2002 auf der Stelle

Die Chemieindustrie revidiert ihre Wachstumsprognose für das kommende Jahr nach unten. Ihr Fachverband erwartet nunmehr, dass sich die Perspektiven der Branche 2002 kaum aufhellen.

hz FRANKFURT/M. Die Stimmung in der deutschen Chemieindustrie hat sich weiter eingetrübt: Angesichts einer abgesenkten Produktionsschätzung für das laufende Jahr schraubte der Fachverband auch seine Prognose für 2002 nach unten. "Mit einigem Optimismus rechnen wir für das Jahr 2002 mit einem realen Wachstum von 0,5 %", sagte der neue Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), Eon-Chef Wilhelm Simson, in Frankfurt. Noch im Oktober hatte der Verbandspräsident für das kommende Jahr ein Produktionswachstum von 1 % in Aussicht gestellt.

Die ersten sechs Monate im Jahr 2002 würden deutlich negativ sein, die zweite Jahreshälfte werde dies aber noch wett machen, schätzt Simson nun das kommende Jahr ein. Der Umsatz wird im nächsten Jahr nach Ansicht des VCI allerdings erneut nicht zulegen und auf dem bereits im laufenden Jahr stagnierenden Niveau von rund 212 Mrd. DM verharren.

Analysten sehen die Lage der Branche 2002 jedoch noch skeptischer. Michael Vara, Chemie-Experte der Commerzbank, glaubt, dass die Erholung im zweiten Halbjahr des kommenden Jahres nur sehr moderat ausfallen werde und das Minus aus den ersten sechs Monaten kaum auffangen könne. Die Bank erwartet darum in der Branche für 2002 einen Rückgang der Produktion und des Umsatzes. Dennoch werde die Chemie zu den frühen Gewinnern einer Konjunkturerholung zählen.

Mit einem Aufschwung in den USA und einer Belebung der Weltwirtschaft rechnet Simson weiterhin frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2002. Das Wachstum der wichtigsten Stütze der Branche, des Exports, wird sich nach Ansicht des Verbandes im kommenden Jahr weiter verlangsamen. Nach einem Zuwachs von 6,5 % auf 158,7 Mrd. DM im laufenden Jahr erwartet der VCI 2002 nur noch ein Plus von 1,5 %. Auch die Chemieimporte werden nach Schätzungen des Verbands im kommenden Jahr nur um 2,5 % wachsen, nachdem sie 2001 noch um 13 % auf 116,4 Mrd. DM zulegten. Die Erzeugerpreise würden dagegen um 1 % zurückgehen.

Die derzeit rund 467 000 Beschäftigten in der Branche müssen sich derweil auf einen weiteren Stellenabbau einstellen. Simson rechnet damit, dass 2002 rund 1 % und damit mehr als 4 500 Stellen wegfallen würden. Im laufenden Jahr verbuchte die Branche bereits ein Minus bei den Beschäftigten von 0,7 %.

"Je länger die Unsicherheit bei Produzenten, Konsumenten und Investoren andauert, umso intensiver werden die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft sein", sagte Simson. Die Chemie könne sich dieser Entwicklung nicht entziehen und stelle sich auf ein weiteres schwieriges Geschäftsjahr ein.

Auch für 2001 sind die Vorhersagen des Verbandes pessimistischer geworden. In diesem Jahr sei nunmehr ein Produktionsrückgang um 2 % zu erwarten. Noch im Oktober war Simson von einem Minus von 1 % ausgegangen. Viele Unternehmen hätten in den vergangenen Monaten bereits zum Teil deutliche Gewinneinbrüche verbucht, berichtete Simson. Die weltwirtschaftliche Lage habe sich im vierten Quartal 2001 nochmals deutlich verschlechtert. Die Renditen dürften laut Simson im laufenden Jahr weiter in den Keller gehen, obwohl Deutschland bereits jetzt zu den Schlusslichtern in Europa gehöre. Der Fachverband musste 2001 bereits mehrfach seine Prognosen nach unten revidieren.

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